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Startschuss zum Wahlkampf: Grüne hoffen bei Europawahl 2024 auf Influencer

Am Montag eröffneten die Grünen ihren Wahlkampf für die Europawahl 2024. Mit dabei waren zwei bekannte Gesichter.

Der Wahlkampf der Grünen zur Europawahl 2024 beginnt nicht auf der Straße, sondern im Netz – so jedenfalls die Hoffnung. Zwei bekannte Influencer wurden extra eingeladen.
u00a9 IMAGO / ABACAPRESS / Chris Emil Janu00dfen / photothek

Habeck: Auf dem Arbeitsmarkt fehlt es "an allen Ecken und Kanten"

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht im Mangel an Arbeitskräften das "größte strukturelle Problem" für die deutsche Wirtschaft in den nächsten Jahren. Längst gehe es nicht mehr nur um einen Fachkräftemangel, sagte Habeck in Berlin.

Der Auftakt zum Grünen-Wahlkampf zur Europawahl 2024 ist eine förmliche Angelegenheit. Journalisten drängen sich vor dem hübsch sanierten Backsteingebäude am Hohenzollerndamm in Berlin, wollen das beste Foto der Spitzenkandidaten erwischen. Die lächeln professionell in die Kamera, dann geht es weiter auf die Bühne.

Ein weiterer interessanter Artikel zur Europawahl 2024: ++Partei verspricht dir, dass du 800 Jahre alt wirst++

Das Publikum ist auffallend jung und weiblich. In den ersten Reihen nehmen die Neu-Mitglieder der Grünen Platz und davon gibt es viele. Es gab einen Beitritts-Rekord, verkündet Annalena Baerbock in ihrer Ansprache stolz. In der ersten Reihe sitzen Alexa Grassmann und Aljosha Muttardi. Beide sind Content-Creator und haben hunderttausende Follower auf Instagram. Ihre Anwesenheit ist kein Zufall – sie wurden eingeladen, erklärt Grassmann.

Politik auf Instagram

Die Grünen wollten also offenbar bekannte Influencer auf ihrem Wahlkampf-Auftakt für die Europawahl 2024 dabei haben. Influencer, die sich selbst öffentlich politisch positionieren. Grassmann erklärt unserer Redaktion dazu: „Meine Arbeit ist auf jeden Fall politisch. Ich mache viel aktivistische Arbeit auch über queere Rechte und das ist der facto politisch.“

Ihr Kollege Aljosha Muttardi ergänzt: „Ich glaube, es ist kaum möglich, heutzutage in der Öffentlichkeit zu stehen und gar nicht politisch zu sein. Wenn man was für Menschenrechte oder Tierrechte macht, ist das ja politisch.“

Die Frage „bist du politisch?“ sei oft negativ aufgeladen, erklärt der studierte Mediziner.

„Als würden wir Wahlkampf betreiben. In Wahrheit sind öffentliche Veranstaltungen oft politisch aufgeladen, so wie beispielsweise der ESC. Die Entscheidungen, die wir treffen und die Sachen, die wir sagen, haben immer einen Einfluss auf andere Leute.“


Über Politik auf Social-Media hat unsere Redaktion mit der Politik-Influencerin Nina Poppel gesprochen. Den Artikel dazu findest Du hier: ++„AfD hat quasi TikTok gekapert!“ – Insiderin warnt vor Macht der Partei im Netz++


Muttardi erklärt, was ihm in der Politik momentan fehle, sei der konstruktive Diskurs. „Und da ist anwesend zu sein ja der erste Schritt, um ins Gespräch zu kommen. Die Grünen sind eine Partei, die nach der Europawahl 2024, im EU-Parlament mit hoher Wahrscheinlichkeit vertreten sein wird. Deswegen finde ich es wichtig, da zu sein und zu schauen, in welche Richtung das jetzt hier geht und Fragen stellen zu können. Wann hat man diese Möglichkeit schonmal?“ Zur CDU würden die Influencer auch gehen, nicken sie. „Also wenn wir kritische Fragen stellen dürfen – nicht, um Werbung für sie zu machen.“

Europawahl 2024: Grüne müssen Gegengewicht sein

Zum Wahlkampf für die Europawahl 2024 wünscht sich Grassmann eine höhere Präsenz der Grünen und der anderen demokratischen Parteien auf TikTok. „Sie müssen ein Gegengewicht bilden gegen die AfD und gegen Rechts. Auf TikTok ist die AfD größer als alle anderen Parteien zusammen. Ich glaube, es darf nicht unterschätzt werden, wie wichtig das ist.“


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Eine weitere Gefahr für politische Inhalte in den sozialen Medien sieht Grassmann in den neuen Regularien von Instagram-Betreiber Meta. „Ich habe das Gefühl, klare politische Posts werden nicht ausgespielt. Das war bei mir beispielsweise bei einem Post für Abtreibungsrecht der Fall.“ Auch Influencer-Kollege Muttardi merkt den Effekt: „Ich hatte zuletzt was zu der Lage in Gaza in meiner Story. Das haben nur halb so viele Menschen gesehen, wie sonst üblich. Das ist schon auffällig – kann aber natürlich auch Zufall sein.“

Weder Muttardi noch Grassmann berichteten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels über die Wahlkampfveranstaltung der Grünen auf ihren Accounts.