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Sahra Wagenknecht: „Bitte nicht so doof sein“ – Legt Biden Deutschland im Gas-Streit rein?

Sahra Wagenknecht: „Bitte nicht so doof sein“ – Legt Biden Deutschland im Gas-Streit rein?

Maischberger, Lanz und Co.: Das sind die deutschen Talkmaster

In der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger hielt Sahra Wagenknecht (Die Linke) eine leidenschaftliche Verteidigungsrede für Wladimir Putin und das russische Vorgehen gegen die Nato.

Gleichzeitig warf sie bei Maischberger den USA vor, bei Nord Stream 2 verlogen vorzugehen, weil Joe Biden über eigene erhebliche Importe aus Russland nichts sagt. Contra bekam Sahra Wagenknecht in der ARD-Sendung von FDP-Größe Gerhart Baum.

Maischberger: Wagenknecht verteidigt Putin leidenschaftlich – „Unverschämtheit von Biden“

Das, was Russland jetzt im Ukraine-Konflikt mache, sei das Ergebnis einer längeren Entwicklung. Der Westen habe die russischen Sicherheitsinteressen über Jahre immer wieder ignoriert, die Nato nach Osteuropa ausgedehnt und nicht auf Kooperation gesetzt, erklärte Wagenknecht in der ARD-Runde. „Dann passiert genau das und dann ist man an dem Punkt, an dem wir jetzt stehen“.

„Heute ist es so, dass Nato-Truppen 150 Kilometer vor Sankt Petersburg stehen. Wir haben Raketenbasen in Osteuropa. Eine Rakete, die man da abschießt, wäre in wenigen Minuten in Moskau“, zählte Wagenknecht auf. All das empfinde Russland als bedrohlich.

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Ukraine und Russland im Vergleich:

  • Die Ukraine hat rund 41,8 Millionen Einwohner und eine Fläche von 576.800 Quadratkilometern (jeweils abzüglich der von Russland annektierten Krim).
  • Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 155 Milliarden US-Dollar lag die Ukraine im Jahr 2020 auf Platz 58 der Welt.
  • Die Russische Föderation hat eine Bevölkerungszahl von rund 146,8 Millionen sowie eine Fläche von 17.102.344 Quadratkilometern (jeweils mit der annektierten Krim).
  • Das Bruttoinlandsprodukt lag 2019 bei 1.702 Milliarden US-Dollar und damit auf Platz 11 aller Länder weltweit.
  • Militäretat 2020: Russland 61,7 Milliarden US-Dollar – Ukraine 5,9 Milliarden US-Dollar
  • Truppenstärke inklusive Reservisten: Russland 2,9 Millionen – Ukraine 1,1 Millionen

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Ex-Bundesinnenminister Gerhard Baum hielt dagegen: In wenigen Minuten könnten russische Raketen ebenso Berlin treffen. „Wir bedrohen Russland nicht!“, entgegnete der Liberale vehement. Vielmehr habe sich Russland vom Westen entfernt. Russland habe die Grenze in der Ostukraine und auch bei der Krim nicht akzeptiert und die Regeln der Friedensordnung in Europa gebrochen.

FDP-Mann Baum weiter: In Wahrheit sei Russland wirtschaftlich ein Zwerg und Putin angeschlagen. Er habe „Angst vor seinem eigenen Volk“, deswegen versuche er nun außenpolitisch Prestige zu gewinnen. „Wir dürfen diesem Mann nicht durchgehen lassen, dass er das Recht bricht, die Demokratie in seinem Land zerstört und dass er uns unter einen Druck setzt, den wir nicht ausüben“, so Baum.

Sahra Wagenknecht bei Maischbeger (ARD): „Ich möchte mal erleben, wie die USA reagieren würden“

„Natürlich ist es völkerrechtswidrig wenn Grenzen verschoben werden“, räumte Wagenknecht bei Maischberger ein. Trotzdem: Putin habe am Anfang seiner Präsidentschaft dem Westen eine ausgestreckte Hand gereicht, die Nato aber habe „einen Erweiterungsbeschluss nach dem nächsten getroffen“.

Die linke Politikerin warf einen Vergleich in die Runde: „Ich möchte mal erleben, wie die USA reagieren würden, wenn ein mittelamerikanisches Land, Venezuela, Kuba oder gar Mexiko, sich einem Militärbündnis anschließen würde, das von China oder Russland angeführt wird und dass dort Truppen und Raketenbasen stationieren würde.“ Wagenknecht verwies in diesem Zusammenhang auf das Beispiel der Kuba-Krise 1962, die „fast einen dritten Weltkrieg“ ausgelöst hätte.

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Sahra Wagenknecht erklärt, was Putin will: „Das ist die rote Linie, woran es jetzt eskaliert“

Deswegen hätte der Westen es genauso ernstnehmen müssen, dass Russland die Nato-Osterweiterung immer abgelehnt hat. Wagenknecht ist sich sicher, dass Putin eine Garantie erzwingen will, dass die Ukraine niemals in die Nato aufgenommen wird. „Das ist die rote Linie, woran es jetzt eskaliert“, so die Bundestagsabgeordnete.

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Dann blies die Politikerin zur Attacke auf die USA: „Es gibt doch Interessenten an diesem Konflikt. Wenn ich sehe, wie Herr Biden sich vor die Presse stellt und dann mit einer Dreistigkeit sagt, Nord Stream 2 wird dann gekillt, wenn Russland irgendwas macht. Ich finde, das ist einfach eine Unverschämtheit.“

Doppelzüngigkeit der USA? Wagenknecht über Biden: „Nicht so doof sein, darauf reinzufallen“

In Wahrheit würden nämlich wirtschaftspolitische Interesse dahinter stecken. „Wenn sie Russland Schaden wollen durch Boykott von Energielieferungen, dann sollen sie einfach aufhören Öl aus Russland zu importieren“. Russland sei der drittgrößte Öllieferant der USA, „darüber redet Biden nicht“.

Tatsächlich war Russland 2021 in einigen Monaten sogar der zweitgrößte Öllieferant der Vereinigten Staaten, allerdings weit hinter Kanada.

Wagenknecht glaubt, dass die USA Nord Stream 2 vor allem deswegen beerdigen wollen, weil sie ihr eigenes, teureres Gas in Europa verkaufen wollen. Man solle doch bitte „nicht so doof sein, darauf reinzufallen“, so ihr Appell.

Ex-Minister Baum bezeichnete Nord Stream 2 dagegen in der ARD-Talkshow als ein „politisches Instrument“ Putins, der sein Gas nicht mehr durch die Ukraine, sondern daran vorbei liefern wolle.