Rente mit 70 nicht mehr zu verhindern? „Rentenkasse steht vor dem Kollaps“

Höchste Rentenerhöhung seit vierzig Jahren im Westen

Höchste Rentenerhöhung seit vierzig Jahren im Westen

Das Bundeskabinett hat eine deutliche Rentenerhöhung beschlossen: In Westdeutschland steigen die Renten zum 1. Juli um 5,35 Prozent und im Osten um 6,12 Prozent - in den alten Bundesländern ist es die höchste Rentenerhöhung seit fast vierzig Jahren.

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Nur ein Sommerloch-Thema – oder bahnt sich hier ein rentenpolitischer Hammer an? Die Diskussion um die Rente mit 70 läuft heiß. Für die einen ist das „unsozialer Bullshit“, für die anderen eine notwendiger Schritt.

Immer mehr Stimmen machen sich für eine eine Anhebung des Renteneintrittsalters stark.

Rente mit 70 zwingend notwendig? „Rentenkasse steht vor dem Kollaps“

Nach seinem Vorstoß, angesichts der älter werdenden Gesellschaft eine Rente erst ab 70 in Erwägung zu ziehen, erhält Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf nun Unterstützung von Wirtschaftsexperte Professor Bernd Raffelhüschen.„Der Vorschlag ist richtig und wichtig: Denn er hilft gegen Altersarmut und entlastet zudem die Rentenkasse, die vor dem Kollaps steht“, erklärt der gegenüber der „Bild“.

Auch Wolf hatte argumentiert, dass die Reserven in den Sozial- und Rentenkassen aufgrund des demografischen Wandels bald aufgebracht sein werden: „Stufenweise werden wir auf das Renteneintrittsalter von 70 Jahren hochgehen müssen – auch, weil das Lebensalter immer weiter steigt.“

Rente: Heftige Kritik an Renteneintrittsalter 70 – „Unsozialer Bullshit“

Monika Schnitzer, eine der „Wirtschaftsweisen" in Deutschland, findet den Vorstoß ebenfalls richtig. „Um die Rente auch in Zukunft zu sichern, gibt es drei Stellschrauben: Renteneintrittsalter, Beitragshöhe und Rentenhöhe. Man wird nicht umhinkommen, an allen drei Schrauben zu drehen, wenn wir die künftigen Generationen nicht überlasten wollen“, sagte die Münchner Wirtschatsprofessorin der Funke Mediengruppe.

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Gewerkschaften, Sozialerbände und linke Politiker kritisieren den Vorschlag dagegen massiv. Letztlich gehe es um eine Rentenkürzung, weil viele Menschen gar nicht mit 70 Jahren noch arbeiten könnten.

So kommt aus diesem politischen Spektrum die Forderung, dass der Kreis der Beitragszahler ausgeweitet werden müsste – also auch Beamte und Selbstständige einzahlen sollen. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch hatte den Vorschlag von Wolf sogar als „unsozialen Bullshit“ bezeichnet.

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Die Debatte um die Rente wird also auch emotional geführt. Bleibt abzuwarten, ob sie auch nach der Sommerpause noch Wellen schlägt.