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Klimawandel-Hysterie? Das steckt hinter den blutroten Farben der „Tagesschau“-Wetterkarten

Kritiker werfen der Tagesschau vor, Hysterie über den Klimawandel zu verbreiten. Das steckt hinter den blutroten Wetterkarten.

User kritisieren die Tagesschau: Wird der Klimawandel aufgebauscht?
© Panthermedia / IlluPics / Steinach

Videografik: Treibhauseffekt und Klimawandel

Der Treibhauseffekt sorgt dafür, dass die globale Durchschnittstemperatur bei 15 Grad Celsius liegt - der Effekt ist damit für das Leben auf der Erde unerlässlich. Vom Menschen erzeugte Gase verstärken den Effekt und tragen damit zur globalen Erwärmung bei.

Nicht nur das Wetter erhitzt seit Anfang April die Gemüter, auch die Berichterstattung darüber. Blutrote Karten beim Wetterbericht der Tagesschau sorgen auf X, ehemals Twitter, für Aufregung. Dem Nachrichtenteam wird Klimawandel-Hysterie und sogar bewusstes Manipulieren vorgeworfen. Einer dieser Kritiker ist Lasse Schäfer, 20 Jahre alt und Vorsitzender der Partei der Humanisten (PdH).

Er postet auf X zwei verschiedene Karten der Tagesschau, eine von 2002 und eine von 2024 und schreibt darunter: „Mit dieser Darstellung schadet die Tagesschau dem gesellschaftlichen Rückhalt für Klimaschutz. Angesichts solcher Temperaturen im April wäre genau dieser besonders wichtig. Von einer Verschiebung der Farbskala fühlt man sich aber primär verarscht.“

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Klimawandel in blutrot – User in Aufregung

Schäfer ist damit nicht alleine. Einige X-User teilen Bilder von Karten, auf denen Wetterereignisse von der Tagesschau erklärt werden und unterstellen dieser eine Manipulation durch Dramatisierung der Farben. Juliane Leopold, Chefredakteurin Digitales bei ARD-aktuell, teilt unserer Redaktion auf Anfrage mit: „Die Wetterkarten der Tagesschau sind im Grunde alle Jahre wieder Grund für Aufwallungen auf Twitter. Zumeist, wenn es wärmer wird.“


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Bereits seit einigen Jahren wallen immer wieder Anschuldigungen auf, die Tagesschau würde mit der Farbgebung Ihrer Karten eine Klimawandel-Hysterie verbreiten. Indem sie plötzlich die Temperaturen dramatisieren, die vor zehn Jahren noch ganz normal dargestellt worden seien.

Doch dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung. Tatsächlich werden oft die Temperaturkarten aus verschiedenen Jahreszeiten miteinander verglichen. Diese können große Unterschiede in ihrer Farbgebung aufweisen.

Die Farbgebung der Wetterkarten wechseln, je nach Jahreszeit. „Eine Farbskala, die im Sommer und im Winter im Einsatz wäre – also von minus 20 bis plus 40 Grad – hätte keine klar erkennbaren Farbunterschiede mehr“, erklärt die Tagesschau auf ihrer Seite dazu. Deswegen kommen vier unterschiedliche Farbskalen im Jahr zum Einsatz. Die Tagesschau schreibt:

„Fünf Grad sind so im Sommer blau und im Winter gelb oder orange“. Dieser Fehler ist auch Schäfer unterlaufen. Er vergleicht eine Sommertemperaturkarte (September) mit einer Frühlingstemperaturkarte, die in Rottönen erstrahlt, da Temperaturen knapp unter dreißig Grad tatsächlich sehr hoch für Anfang April sind.


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Wetterkarte ist nicht gleich Temperaturkarte

Ein weiterer Fehler, der denjenigen, die eine Aufbauschung des Klimawandels von der Tagesschau vermuten, öfter unterläuft, ist das Verwechseln von Wetterkarten und Temperaturkarten. Die Temperaturkarten bilden die Temperaturen auch dort ab, wo keine Gradzahlen stehen. Die Farbgebung hat sich dabei über die Jahre kaum verändert. Bereits in den Neunzigern wurden heiße Regionen in Rot dargestellt.

Es ist also keine neue, übertriebene Maßnahme der Tagesschau, um den Klimawandel aufzubauschen.


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Die Wetterkarten hingegen zeigen beispielsweise die Aussichten für die kommenden ein bis drei Tage. Dabei werden nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Bewölkung, der Niederschlag oder der Sonnenschein abgebildet. Diese Informationen werden mit einer grünen, neutralen Karte hinterlegt und es wird nicht mit einer Farbgebung für bestimmte Temperaturen gearbeitet.