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Fridays for Future: Es fällt sofort ins Auge – fast nur „Bio-Almans“ auf den Demos

Fridays for Future hat ein Problem. Und das ist offensichtlich. Die Bewegung rund um Luisa Neubauer kriegt nur bestimmte Leute auf die Demos.

© IMAGO/photothek

Klimaaktivisten von Fridays for Future demonstrieren bundesweit

In Berlin haben mehr als 10.000 Menschen an einem Klimastreik von Fridays for Future teilgenommen. Ähnliche Aktionen gab es heute auch an vielen anderen Orten im Bundesgebiet.

Am vergangenen Freitag (15. September) war wieder Klimastreik von Fridays for Future: Rund 250.000 Menschen gingen laut Angaben der Klimaschützer bundesweit auf die Straße. Doch ein repräsentatives Abbild der Gesellschaft sah man auf den Straßen nicht wirklich. Nicht nur, weil vor allem eine Generation vertreten ist. Das Problem: Der Protest ist deutlich weißer, weniger divers und jünger als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Auf X (früher Twitter) wird darüber nun wieder kontrovers diskutiert. Hat Fridays for Future rund um Luisa Neubauer ein „Bio-Almans“-Problem?

Fridays for Future: „Wie Deutschland in den 1950er-Jahren“

Ein User namens MIGO, der den Zielen der Bewegung gar nicht fernsteht, bringt es auf den Punkt. Er teilt auf X ein Video von Luisa Neubauer von der Berliner Demo am Freitag und nimmt die Aufnahme auseinander: „Wir sind so ein krass multikulturelles Land. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie man es hinkriegen kann, eine Bewegung zu schaffen, die so unfassbar fucking ‚weiß‘ ist. Die Leute, die da hinten rumlaufen, sehen so aus wie die Gesellschaft Deutschlands in den 1950er Jahren…“

Die Klima-Bewegung solle sich hinterfragen, woran das liegt. Er habe schon Ewigkeiten „nicht mehr so unfassbar viele Bio-Almans zusammen marschieren gesehen“. Das sei gruselig, so sein Urteil.

Im Kommentarbereich geht eine kontroverse Diskussion los. Manche werfen den Tweet-Ersteller promt Rassismus vor, doch da sind sie auf dem völlig falschen Dampfer. Er schreibt weiter: „Meine Intention ist es, zu zeigen, dass die Lösungsansätze für den ganzen Bumms vorallem sehr gut bei Menschen ankommen, die von Haus aus anscheinend weniger Sorgen haben.“ Die Bewegung spiegele nicht die Gesellschaft wieder, sondern man spreche nur „ein bestimmtes, ziemlich gut situiertes Milie an“.

Demonstrantin sieht es ähnlich: „Fast nur Weiße. Woran liegt das?“

Und tatsächlich gibt es auch mehrere, die ihm Recht geben. Wie eine Frau, die auf der Klimaschutz-Demo in Bonn war. Sie fühlte sich auch als kinderlose Frau über 30 etwas fehl am Platz: „Hab mich bei der Demo am Freitag in Bonn dasselbe gefragt, fast nur Weiße. Aber woran liegt das? Die Uhrzeit, dass die Demos unter der Woche sind? Die Art der Werbung? Gruppendynamik (die merke ich zumindest, fühle mich als 31-Jährige Nicht-Parent da immer etwas fehl am Platz).“

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Die Diskussion um die zu homogene sozio-kulturelle Zusammensetzung der Bewegung ist nicht neu. Schon seit den Anfängen von „Fridays for Future“ gibt es den Vorwurf, sie rekrutiere sich nur aus einem bestimmten Milieu von weißen Mittelschicht-Kindern. People of Color würden nicht ausreichend angesprochen und integriert werden, weil die andere Alltagssorgen in ihrer Lebenswelt hätten. Protestforscher Dieter Rucht stellte in einer Befragung von Teilnehmern 2019 fest, dass die Eltern der Aktivisten oft Akademiker sind. „Menschen mit Migrationshintergrund sind kaum vertreten“, so sein Urteil.

Akademiker-Kinder und Großstädter: Ist Fridays for Future nicht divers genug?

Zu einem ähnlichen Urteil kam auch Clemens Traub, der 2020 als Student eine Streitschrift über die Bewegung Fridays for Future schrieb. Der Sozialdemokrat höhnte über „Arzttöchter“, die anderen die Welt erklären wollen und erkannte eine „großstädtische Überheblichkeit“ bei den Demos. Es sei eine „Rebellion der Privilegierten“.


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Traub habe zuerst mitdemonstriert, sich dann aber abgewandt. „Die Bewegung war von Anfang an viel zu homogen, viel zu elitär und entsprechend viel zu abgehoben, als dass sie dies selbst überhaupt auch nur bemerkt hätte. Nur wem es materiell gutgeht, der hat letztlich die Zeit und auch die Muße, den Klimaschutz als das persönlich wichtigste und auch einzige politische Thema unserer Zeit zu betrachten und ihm alles andere unterzuordnen.“