Corona: „Alles auf den Tisch“ sorgt für Wirbel – „Jan Josef Liefers war clever genug, sich nicht zu beteiligen“

Corona: Am Donnerstag wurde unter „Alles auf den Tisch“ ein Nachfolger von „Alles dicht machen“ veröffentlicht.
Corona: Am Donnerstag wurde unter „Alles auf den Tisch“ ein Nachfolger von „Alles dicht machen“ veröffentlicht.
Foto: Screenshot Allesaufdentisch.tv

Sie legen noch einmal nach: Einige Prominente aus der deutschen Fernsehwelt haben erneut eine Video-Aktion zu der aktuellen Corona-Politik gestartet.

Statt kurzer Meinungs-Clips finden sich unter „Alles auf den Tisch“ diesmal 55 rund 20-minütige Interviews der Schauspieler und Künstler mit Wissenschaftlern und politikkritischen Experten. Die Themenfelder heißen unter anderem „Faktenchecker“, „Meinungsfreiheit“, „Fremdbestimmung“, „Grundrechtseinschränkungen“ und „Kindeswohl“.

Initiatoren der strittigen Aktion sind offenbar die Schauspieler Wotan Wilke Möhring und Volker Bruch, der auf der „Alles auf den Tisch“-Website auch im Impressum steht. Die beiden waren auch schon an der ersten (satirischen) Video-Aktion „Alles dicht machen“ beteiligt.

Corona: „Alles auf den Tisch“-Video aufgetaucht – Schauspieler fordern runden Tisch der Politik

Die Beteiligten von „Alles auf den Tisch“ sehen ihre Aktion als Initiative für einen gesellschaftlichen Dialog, wie es in einer Presseinformation heißt. „Mit zunehmender Sorge beobachten wir die Entwicklung des politischen Handelns in der Corona-Krise“, schreiben die Künstler auf der Website.

Sie fordern mit ihrer Aktion auch gleichzeitig einen Runden Tisch zu den Folgen der Corona-Krise und der entsprechenden Politik.

„Ziel ist es, auch denjenigen Experten Gehör zu verschaffen, die bisher, trotz ihrer oft hohen Reputation, in der öffentlichen Debatte kaum oder gar nicht wahrgenommen wurden“, heißt es weiter.

So spricht „Babylon Berlin“-Star Volker Bruch mit dem Münchener Professor Michael Meyen. Der stand kürzlich selbst in der Kritik, weil er für ein Handout in einem Seminar in einem Bachelor-Studiengang an der Ludwigs-Maximilians-Universität München eine Quelle des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen nutzte und auf dessen Website verlinkte.

Doch auch in der Öffentlichkeit bekannte Experten, Wissenschaftler und sogar Politiker wie Markus Söder, Jens Spahn, Christian Drosten oder Karl Lauterbach werden auf der Website von „Alles auf den Tisch“ erwähnt – allerdings mit schwarzen Videos, auf denen „Keine Antwort“ oder „Absage“ steht. Angeblich seien diese Personen auch für die Gesprächsreihe angefragt wurden, verweigerten aber die Teilnahme.

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Corona: „Alles auf den Tisch“-Video wird heftig kritisiert

Und das aus gutem Grund – denn das Video wird in der Öffentlichkeit heftig kritisiert. Genauso wie „Alles dicht machen“ kommt die erneute Aktion einer Verharmlosung des Virus gleich, gleichzeitig heizt sie die Debatte um die Corona-Maßnahmen unnötig auf.

„Wie egal kann es uns sein, dass erst vor wenigen Tagen ein junger Mensch, der sein ganzes Leben noch vor sich hatte und nebenbei in einer Tankstelle jobbte, von einem 'Coronamaßnahmenkritiker' ermordet wurde“, fragt zum Beispiel Linken-Jugendkoordinator Robert Fietzke auf Twitter.

„Spiegel“-Redakteur Anton Rainer findet: „Jan Josef Liefers war clever genug, sich nicht mehr daran zu beteiligen“. Und TV-Moderator Tobias Schlegl rät: „#allesaufdentisch einfach ignorieren. Das trifft sie am härtesten.“ „Der Gazetteur“ schlägt auf Twitter in die gleiche Kerbe: „Deutsche Schauspieler kommen nicht damit klar, dass Menschen auf Intensivstationen mehr Aufmerksamkeit bekommen als sie.“

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Mehr Politik-News:

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Josef Holburger, Politikwissenschaftler und Experte für Verschwörungsideologien, erklärt gegenüber der Deutschen Presseagentur, die Aktion befeuere ein „schädliches Narrativ“.

Über die Schauspieler und Künstler verbreiten sich wissenschaftliche Minderheitsmeinungen über die Pandemie-Leugner-Szene hinaus, diese würden als Mehrheitspositionen dargestellt. „Durch einen wissenschaftlichen Anschein werden die Beiträge aufgewertet.“ Stattdessen finden solche Debatten aber auf Konferenzen und in Studien statt – zwischen Wissenschaftlern und auch selten nur durch zwei Personen. (kv)