Unwetter in Deutschland: Nach Warnung vor Regenflut – so ist die aktuelle Lage in Bayern +++ Söder: „Brauchen einen Klima-Ruck in Deutschland“

Bayern, Schönau: Markus Söder (3.v.l), Vorsitzender der CSU und bayerischer Ministerpräsident, und Olaf Scholz (SPD,2.v.l), Bundesfinanzminister und Kanzlerkandidat, gehen durch den Schlamm zu einem Pressestatement über das Unwetter und Hochwasser in Bayern
Bayern, Schönau: Markus Söder (3.v.l), Vorsitzender der CSU und bayerischer Ministerpräsident, und Olaf Scholz (SPD,2.v.l), Bundesfinanzminister und Kanzlerkandidat, gehen durch den Schlamm zu einem Pressestatement über das Unwetter und Hochwasser in Bayern
Foto: dpa

Das Unwetter hat in Deutschland, Belgien und Holland gewütet. Vor allem Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind schwer getroffen. Nach und nach zeigt sich in den Städten das ganze Ausmaß der Katastrophe. Die Aufräumarbeiten dauern wohl Monate.

Unwetter: Sachsen, Oberbayern und Österreich getroffen

Ab dem späten Samstagabend häuften sich dann schlimme Nachrichten aus Sachsen, Bayern und Österreich – auch hier wüten Unwetter. Neue heftige Regenfälle wurden für die Nacht in Bayern angekündigt. Doch diese blieben zum Glück aus. Die Lage habe sich ein wenig entspannt.

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Montag, 19. Juli

08.15 Uhr: Markus Söder im ARD-Morgenmagazin: „Brauchen einen Klima-Ruck in Deutschland“

Markus Söders Worte sind drängend, als er am Montagmorgen im ARD-Morgenmagazin spricht. Nach der furchtbaren Unwetter-Katastrophe, die auch Bayern schwer getroffen hat, sagt der bayrische Ministerpräsident: „Wir brauchen einen Klima-Ruck in Deutschland.“ Man wolle mehr investieren und die Heimat vor Ort stärker schützen, zum Beispiel gezielter in Mooren und Wäldern CO2 speichern. Er betont auch, dass Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern vorne läge, bei den Bio-Bauern, beim Co2-Ausstoß etwa.„Doch das reicht alles nichts“, so Söder. Ein finanzielles Klimaprogramm soll am Mittwoch in einer Regierungserklärung vorgestellt werden.

Auf die Frage schon früher klimaneutral zu werden - das bisherige Ziel liegt im Jahr 2040 - weicht er hingegen aus. Bayern sei dort schon eine Art Vorreiter, da der Bund 2050 als Klimaziel gefasst habe. Auch die Frage zur Abstandsregel bei der Windkraftenergie abzuschaffen oder zu verringern, lässt er halbwegs unbeantwortet. Der Wind sei in Bayern nicht das vorrangige Paragdigma bei erneuerbaren Energien, „die Sonne ist am stärksten“, so Söder. Sich auf Photovoltaik zu fokussieren, mache da viel mehr Sinn.

07.25 Uhr: Hochwasser in Passau - Pegel von Inn und Donau sinken

Die Lage in den Hochwassergebieten im Süden und Osten Bayerns hat sich etwas entspannt. In Passau lag der Pegel der Donau am frühen Montagmorgen bei 8,18 Metern und damit unterhalb der höchsten Hochwasserwarnstufe von 8,50 Metern. Von katastrophalen Zuständen sei man zum Glück noch entfernt, sagte ein Sprecher der Polizei in Passau am Montag.


Auch im besonders stark von Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land konnten die Menschen etwas aufatmen. „Die Nacht verlief ruhig“, hieß es bei der Feuerwehr. Die Helfer seien jetzt mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Anlass zur Hoffnung geben auch die Wetteraussichten. Bis auf einzelne kurze Schauer soll es in den kommenden Tagen trocken bleiben. Unwetter seien derzeit nicht in Sicht, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD).


Völlige Entwarnung gibt es gerade in Städten wie Passau aber noch nicht. Uferpromenaden und Parkplätze waren bereits überflutet worden, Bewohner schützen ihre Häuser mit Sandsäcken und Barrieren. Der Scheitel der Hochwasserwelle wurde gegen 9 Uhr erwartet. Auch andernorts stiegen die Pegel, etwa in Neuburg an der Donau, wo die Hochwassermeldestufe drei erreicht wurde.


Besonders dramatisch war die Lage am Wochenende im Berchtesgadener Land gewesen. Hier hatte die Wucht des Wassers mit voller Kraft zugeschlagen, nachdem der Fluss Ache über die Ufer getreten war. Mehr als 160 Menschen mussten in der Urlaubsregion rund um den Königssee aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden. Ein Geologe prüfte zudem die Hänge, ob es dort zu Abrutschen kommen könne.

Sonntag, 18. Juli

In Salzburg in Österreich hat Starkregen für Überschwemmungen gesorgt, das berichteten die „Salzburger Nachrichten“. Vor allem Hallein, eine Gemeinde im Bundesland Salzburg, habe es schwer getroffen. Dort sei der Kotbach über die Ufer getreten. Wassermassen haben Teile der Altstadt überflutet.

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Alle aktuellen Entwicklungen:

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Bürgermeister Alexander Stangassinger sprach gegenüber der Zeitung von einer „Katastrophe“. Auf der Internetseite von Salzburg hieß es: „Die Bevölkerung wird aufgefordert in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich auch von den Dämmen der Fließgewässer fernzuhalten.“

Die Polizei bestätigte die Videos, die bei Twitter kursierten. Dort ist zu sehen, wie Autos von den Wassermassen mitgerissen werden. Zum Glück gebe es bislang keine Hinweise auf Verletzte. Auch in Teilen der österreichischen Alpen war die Situation angespannt. Rund um Kitzbühl musste die Feuerwehr zahlreiche Keller leerpumpen.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz meldete sich mit einem Versprechen zu Wort: „Wir werden die Betroffenen nicht alleine lassen.“

Dramatische Lage in Bayern

Der deutsche Wetterdienst (DWD) meldet für die Nacht weiteren Regen. Damit könnten auch die Flüsse in der Stadt weiter anschwellen. Der DWD warnt, dass noch in dieser Nacht die Meldestufe vier erreicht werden könnte. Das ist die höchste Meldestufe und bedeutet: Warnung vor extremem Unwetter. Der Wetterdienst ruft Bürger dazu auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Vor Erdrutschen wird ebenfalls gewarnt.

Der oberbayerische Landkreis Berchtesgadener Land hatte in der Nacht den Katastrophenfall ausgerufen. Sintflutartige Regenfälle hatten auch weite Teile Österreichs erfasst.

Auch in Oberbayern spitzte sich die Lage zu. Häuser evakuiert, Erdrutsche, überflutete Straßen, voll gelaufene Keller - die Feuerwehr im Dauereinsatz. Die Lage sei dramatisch, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein.

Insbesondere der Landkreis Berchtesgadener Land war in der Nacht schwer von Hochwasser getroffen worden. Zwei Menschen starben, weit über 100 Menschen müssen ihre Häuser und Wohnungen verlassen. 890 Hilfskräfte waren und sie in den besonders betroffenen Orten im Einsatz.

Sintflutartige Regenfälle hatten am Samstagabend den Fluss Ache über die Ufer treten und Hänge abrutschen lassen. Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns.

Die Menschen in den Orten waren aufgerufen, ihre Keller nicht mehr zu betreten.

„Es kommen ständig Notrufe rein“, sagte ein Polizeisprecher in Rosenheim. „Die Lage ist unübersichtlich. Es regnet stark.“ Bundesstraßen seien überflutet oder wegen Murenabgängen gesperrt worden.

Der örtliche Einsatzleiter Anton Brandner sprach von dramatischen Szenen: „Fahrzeuge auf den Straßen wurden zum Spielball der Wassermassen.“

Der Landkreis Berchtesgarden rief wegen der dramatischen Lage den Katastrophenfall aus.

Der Rennrodler Felix Loch, mehrfacher Olympiasieger, teilte ein eindrucksvolles Foto von der Rodelbahn am Königssee im Berchtesgadener Land – sie ist völlig zerstört.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) wollen am Sonntagnachmittag ins Hochwassergebiet in Südostbayern fahren.

Derweil müssen weitere Häuser im Hochwassergebiet evakuiert werden. Das betreffe einen Teilbereich an der Königsseer Ache, teilte das Landratsamt am Sonntag mit. Wie viele Menschen betroffen seien und was wo genau drohe - also Hochwasser oder ein Hangabrutsch - konnte eine Sprecherin noch nicht sagen. Die Entscheidung sei erst vor kurzem getroffen worden. Die betroffenen Menschen würden direkt kontaktiert.

Zuvor wurden 135 Menschen in Sicherheit gebracht. Denn in Schönau am Königssee droht ein Hangabrutsch, ein Geologe sei vor Ort, um die Lage zu bewerten, so das Landratsamt. Es sei immer noch schwer, die Lage insgesamt zu beurteilen. Es regne immer wieder, auch heftiger, sagte die Sprecherin.

Heftiger Regen in Sachsen

In der Sächsischen Schweiz gab es extreme Regenfälle von teils mehr als 100 Litern pro Quadratmeter. Einzelne Ortslagen seien nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit.

Diese Orte sind besonders betroffen:

  • Neustadt
  • Seibnitz
  • Bad Schandau
  • Reinhartsdorf-Schöna
  • Gohrisch

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Die Behörde appellierte an alle Anwohner, dringend Keller, Tiefgaragen und Unterführungen zu meiden. Außerdem könnten überflutete Straßen und Wege große Gefahren birgen. In Neustadt an der Polenz wurde am Abend außerdem die Alarmstufe 4 überschritten.

Am Sonntag haben Helfer nach heftigen Unwettern vor allem in Ostsachsen und der Sächsischen Schweiz weiter mit Aufräumarbeiten zu tun. Es müssten noch Straßen von Schlamm und Geröll befreit und vereinzelt umgestürzte Bäume beseitigt werden, hieß es am Morgen aus den Leitstellen. Von Verletzten war nichts bekannt. Die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Dečin bleibe vorerst gesperrt, informierte die Deutsche Bahn. Betroffen war neben dem Nahverkehr die Fernverkehrsverbindung Dresden-Prag.

Laut der Online-Übersicht des Landeshochwasserzentrums lagen die Wasserstände an den Pegeln in der Sächsischen Schweiz am Sonntag aber wieder unter den Alarmschwellen. Dagegen waren in Ostsachsen noch Warnungen aktiv. So lag der Wasserstand am Hoyerswerdaer Schwarzwasser in Zescha im Bereich der Alarmstufe 3, die Schwarze Elster in Neuwiese erreichte Warnstufe 2. Doch rechneten die Experten insgesamt mit rückläufigen Wasserständen, da keine neuen Niederschläge erwartet wurden.

(abr/jds mit dpa)