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Lidl-Clip lässt Kunden toben! Warum die Kritik so daneben ist – ein Kommentar

Ein neuer Video-Clip von Lidl erhitzt derzeit die Gemüter. Zu Unrecht. Ein Kommentar.

© imago/Michael Gstettenbauer

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Zu Silvester werden in Deutschland wieder Böller und Raketen im Wert von mehr als 100 Millionen Euro in Rauch aufgehen. AFPTV hat einen Experten gefragt, worauf man beim Kauf und beim Zünden der Feuerwerkskörper beachten sollte.

Ein Clip von Lidl erhitzt derzeit die ohnehin schon leicht zu erhitzenden Gemüter im Netz. Dabei ist die Kritik völlig unangebracht. Aber eins nach dem anderen.

Worum geht es in dem Video? Eine Rentnerin hockt in ihrer trostlosen Plattenbau-Wohnung. Der Kühlschrank ist leer, doch der Magen knurrt. Und weil die Rente offenbar zu gering ist, muss die Dame quer durchs bitterkalte Berlin ziehen und in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen.

Lidl-Clip entfacht Diskussionen

Von anderen Menschen wird sie nicht wahrgenommen oder – noch schlimmer – mit Schneebällen beworfen. Einzig ein kleiner Junge schenkt ihr Aufmerksamkeit. Und eine Pfandflasche.

Mit einer vollen Tasche macht die Dame sich dann auf den Weg zu Lidl, wo sie die Flaschen gegen Pfand eintauscht. Mit einer Ausnahme: Die Flasche, die sie zuvor von dem Jungen geschenkt bekommen hatte, tauscht sie nicht gegen Pfand ein. Stattdessen spendet sie den Pfandbetrag dieser Flasche für die ortsansässige Tafel.

Wer schon mal bei Lidl sein Pfand in den Automaten warf, wird es kennen. An den Automaten hat man seit Jahren die Möglichkeit, sich das Pfand auszahlen zu lassen oder den Betrag an die Tafel zu spenden.

„Jede Spende zählt“, heißt es am Ende des Clips, der weiter unten eingebettet ist: „In Deutschland sammeln über 900.000 Menschen täglich Pfand. Vielen wird auch bei den Tafeln geholfen. Durch eure Pfandspenden wurden in den letzten 15 Jahren über 30 Millionen Euro an Tafel Deutschland gespendet. Danke.“


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Lidl kassiert „Shitstorm“

Nun könnte man meinen, dass Lidl mit diesem Clip auf eine wunderbare Aktion aufmerksam macht. Doch da hat man die Rechnung nicht mit so manchem Social-Justice-Warrior gemacht. Denn bei Youtube, Twitter und Co. gibt es für die Werbung mächtigen Gegenwind.

Der Milliarden-Konzern Lidl würde sich gegenüber den Ärmsten der Armen despektierlich verhalten, behaupten einige. Andere finden: Man hätte sich den Clip sparen und die Kosten an die Tafel spenden können. Und wieder andere ätzen: Lidl könnte viel mehr für Bedürftige machen.

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Diese Kritik ist mal wieder ein Sinnbild für die selbstgerechten Social-Media-Helden unserer Zeit. Anstatt selbst mit anzupacken, zu spenden und Bedürftigen zu helfen, werden eher die Spendenaktionen anderer kritisiert. Der Shitstorm erinnert ein wenig an die lächerliche Kritik an den vielen Spendenaktionen des YouTube-Stars Mr. Beast.

Dieser hatte zum Beispiel tausend Menschen eine Augen-OP finanziert, so dass diese wieder sehen konnten. Eigentlich eine wunderbare Aktion, oder? Nicht wenn es nach den vielen Kommentaren einiger Social-Media-Nutzer geht, die Mr. Beast vorwarfen, er hätte die Freude der Menschen über ihr zurückgewonnenes Augenlicht anschließend nur genutzt, um mit emotionalen Clips bei YouTube hohe Reichweiten zu erzielen.

Zudem trieb er einige große Brunnen-Projekte in Afrika voran. Auch hier sollte man denken, Mr. Beast habe einen tollen Beitrag geleistet. Doch auch hier gab es von den üblichen Verdächtigen mal wieder Kritik: „Weißes Rettertum“ wurde ihm vorgeworfen.

„Habe eben ernsthaft wegen Lidl-Werbung geweint“

Ebenfalls bezeichnend für solche „Shitstorms“: Wer nimmt an diesen Diskussionen über Pfandflaschen suchende Rentnerinnen NICHT teil? Pfandflaschen suchende Rentnerinnen.

Social-Media-Trolle meinen mal wieder, für andere Personengruppen sprechen zu müssen – anstatt diese Personengruppen selbst zu Wort kommen zu lassen. Letzteres schafft Lidl hingegen mit diesem Clip, indem der Discounter auf real existierende Missstände aufmerksam macht und einen Menschen zum Gesprächsthema macht, der in diesem Land viel zu selten Gesprächsthema ist. Der Clip ist nicht herablassend gegenüber armen Menschen, sondern gibt einen Einblick in das Leben derer, denen das Angebot der Tafel zugutekommt.

Dafür erhält Lidl von wenigen Leuten im Netz berechtigten Zuspruch. „Ich habe eben ernsthaft wegen einer Lidl-Werbung geweint“, schreibt eine Frau bei YouTube: „Ich arbeite in der frauenspezifischen Obdachlosenhilfe und dachte an unsere Frauen. Danke, dass ihr Armut von Frauen und Altersarmut sichtbar macht.“



Lidl lacht sich ins Fäustchen

Und wer nimmt an diesen Diskussionen ebenfalls nicht teil? Lidl selbst. Der Konzern wird die hitzigen Diskussionen im Hintergrund vermutlich genießen und sich ins Fäustchen lachen. Über eine erneut gelungene PR-Aktion – immerhin für den guten Zweck.

Denn ob man den Clip mutig oder geschmacklos findet, wird dem Discounter herzlich egal sein. Lidl hat durch das Video mächtig Aufsehen erregt. Und das ist im Internet-Zeitalter immer noch die wichtigste Währung.