Lidl will ausgerechnet an DIESEM Nazi-Tatort Neubau errichten – „Geschichtsvergessen“

Lidl: Die Erfolgsgeschichte des Discounters

Lidl: Die Erfolgsgeschichte des Discounters

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Berlin. Die Baupläne von Discounter Lidl in Berlin stoßen auf mächtig Gegenwind!

Schon seit rund zwei Jahrzehnten hat Lidl eine Filiale in Berlin-Moabit. Diese soll nun einem Neubau mit größerem Parkplatz weichen. Das Problem: Das Grundstück grenzt direkt an ein Holocaust-Mahnmal an, der Parkplatz überschreitet die Grenze sogar schon jetzt. Mit dem Nebau würde sogar noch mehr von der Gedenkstättenfläche überbaut werden.

Lidl: Neubau-Pläne auf Nazi-Mahnmal

Vom Güterbahnhof in Moabit wurden die Berliner Juden in Ghettos und Lager im Osten deportiert. Alleine zwischen 1941 und 1943 ereilte hier rund 32.000 Männer, Frauen und Kinder dieses Schicksal – mehr als an jedem anderen Ort in der Hauptstadt.

Lange blieb der Ort vergessen, bis sich 2017 der Verein „Gleis 69“ dafür einsetzte, hier eine Gedenkstelle einzurichten. Seitdem erinnern 20 junge Kiefern und eine Stele zwischen der Quitzow- und der Ellen-Epstein-Straße an die Menschen, die von hier aus deportiert wurden.

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Das ist Lidl:

  • Die ersten Lidl-Filialen wurden in den 70ern in Ludwigshafen eröffnet
  • 1999 führt Lidl als erster Discounter Scannerkassen ein
  • Lidl hat in fast allen Ländern Europas Filialen
  • sogar in den USA gibt es rund 100 Filialen
  • weltweit über 190.000 Mitarbeiter, in Deutschland über 70.000 (Stand 2020)

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Vereinsgründungsmitglied Thomas Abel, der für sein Engagement sogar das Bundesverdienstkreuz erhielt, ist entsetzt über die Pläne von Lidl.

Lidl stellt Bauantrag am Jahrestag der Reichsprogromnacht

Denn der Neubau würde einen großen Teil des denkmalgeschützten Geländes überbauen. Ein 140 Meter langer Teil der damaligen Bahnhofsrampe, der bereits jetzt von Rost und Verfall gefährdet ist, würde damit so gut wie komplett verschwinden. „Es bleibt ein missachteter Ort“, meint Abel.

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Ein besonders unschöner Zufall: Lidl stellte den Bauantrag für die Fläche am 9. November 2020 – am Jahrestag der Reichsprogromnacht 1938, als Synagogen und jüdische Geschäfte zerstört und angezündet und tausende Juden verletzt, verhaftet oder getötet wurden.

Die „Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus“ (RIAS) spricht in diesem Zusammenhang sogar von „Geschichtsvergessen“.

Auch die FDP-Fraktion Berlin Mitte will den Gedenkort schützen: „Die Bebauungspläne sind eng mit dem Bezirksamt abzustimmen. Eine Begehung mit allen Beteiligten zur Erörterung und Wahrung der Besonderheit des Ortes ist dringend!“

Stadtrat erteilt Lidl Absage

Der Protest zeigt bisher Wirkung. Sowohl der Stadtrat für Stadtentwicklung als auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Ephraim Gothe (SPD) erteilten Lidls Bauantrag eine Absage. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, kämpfen sie dafür, dass das Mahnmal in Landbesitz übergeht.

Lidl selbst wollte sich auf Anfrage des Blattes nicht zu dem Vorfall äußern, da sich das Projekt noch in der Planungsphase befinde. „Darüber hinaus stehen wir seit jeher in engem Kontakt zur Denkmalschutzbehörde des Bezirksamtes Mitte und stimmen alle baulichen Maßnahmen auf dem Grundstück mit der Behörde ab“, so der Discounter. (at)