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Flucht aus der Ukraine: 19-Jährige verlässt das Land – und trifft eine fatale Entscheidung 

Nastya S. entscheidet sich nach Kriegsausbruch zur Flucht aus der Ukraine. Unterwegs verliert sie bei einem Bombenangriff ein Bein.

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Nastya verlor durch russische Angriffe ihr Bein, heute kämpft sie sich ins Leben zurück

Nastya verlor beim Blutbad von Kramatorsk in der Ukraine durch russische Bombardements ihr Bein. Im Video erfahrt ihr mehr über ihre Geschichte.

Trotz allem, was passiert ist, trägt sie immer ein Lächeln auf den Lippen: Nastya S. hat nur noch ein Bein. Das andere musste der damals 19-Jährigen nach einem russischen Bombenangriff während ihrer Flucht aus der Ukraine amputiert werden. Sie überlebte das Blutbad am Bahnhof von Kramatorsk. Mindestens 50 andere Menschen nicht.  

Am 24. Februar jährt sich der russische Angriff auf die Ukraine zum zweiten Mal. Zahlreiche Menschen sind seitdem geflüchtet – unter anderem nach Deutschland. Wir haben mit Geflüchteten gesprochen und wollen ihre Geschichten anlässlich des traurigen Jahrestages in einer Artikel-Serie erneut erzählen.

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In Teil 1 unserer Reportage-Reihe berichten wir über das unbeschwerte Leben, welches die junge Ukrainerin führte, bevor die Russen in die Ukraine einmarschierten. Außerdem schildert Nastya, wie sie den Entschluss fasste, ihre geliebte Heimat zu verlassen. Ihre Flucht-Route führte sie zum Bahnhof in Kramatorsk – eine fatale Entscheidung, die sie fast das Leben kostete. 

Flucht aus der Ukraine: Explosion reißt Nastya aus dem Schlaf

Eine Gruppe junger Mädchen, einheitlich gekleidet in roter Hose und weißem Hemd, steht auf der Bühne. Sie singen, tanzen, performen. Mittendrin: Nastya. Das Video zeigt ihr unbeschwertes Leben vor dem Krieg. Das unbeschwerte Leben ganz ohne Bomben und Todesangst. Nastya lebte in Druschkiwka, eine Stadt zwölf Kilometer südlich von Kramatorsk und 72 Kilometer nördlich von Donezk.  


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Eines Nachts wurde sie plötzlich von lauten Explosionen geweckt. Raketen schlugen in ihrer Nähe ein. „Ich habe mich vorher nicht so auf Nachrichten konzentriert. Nach den Explosionen habe ich dort reingeschaut und gedacht: Sie werden jetzt sagen, dass es nicht gefährlich ist und dass alles in Ordnung ist.“ Doch das war nicht so. Der Krieg war ausgebrochen. „Ich hatte Angst, ich war unruhig“, schildert Nastya ihre damalige Gefühlslage. An Flucht habe sie zunächst noch nicht gedacht. 

„Du verstehst nicht, was passiert“

Denn: In ihrer Heimat hatte sie alles, was sie brauchte. Sie lebte zusammen mit ihren Eltern in einem Haus. Die Familie hielt Hühner als Haustiere. Viele ihrer Verwandten lebten in der Nähe. Nastya ging zur Uni, studierte Sozialpädagogik und Psychologie. Sie führte das ganz normale Leben einer jungen, heranwachsenden Frau – bis zum Kriegsausbruch. „In der Stadt herrschte Panik. Wir haben uns alle untereinander unterstützt. Aber es herrschte Ungewissheit. Du verstehst nicht, was passiert“, erzählt Nastya. Besonders nachts sei die Angst groß gewesen. Die Raketenangriffe konnte man immer und immer wieder hören. Das Leben ging trotzdem weiter. Irgendwie. 

Am 7. April 2022, also rund sechs Wochen nach Kriegsausbruch, traf die junge Ukrainerin dann die Entscheidung, ihr Land zu verlassen. Zwei Tage zuvor brachen bereits einige ihrer Freunde zur Flucht aus der Ukraine auf. „Sie sagten zu mir: ‚Vielleicht sollst du auch fliehen‘ “, erinnert sich Nastya. Von ihrer Familie wollte zunächst niemand mitkommen. „Aber ich bin ein erwachsenes Mädchen und kann meine eigenen Entscheidungen treffen“, sagt sie selbstbewusst.  

Vor dem Krieg führte Nastya ein unbeschwertes Leben. Foto: privat

Überall blutende und verletzte Menschen

Ihre Freunde waren bereits in Dnipro, der viertgrößten Stadt in der Ukraine. Sie sollte nachkommen. Also organisierte sich Nastya am 8. April 2022 eine Mitfahrgelegenheit. Sie verabredete mit dem Fahrer, dass er sie am Bahnhof in Kramatorsk abholt, um sie dann nach Dnipro zu fahren. Sie waren für 13 Uhr verabredetet. Allerdings nahm Nastya den Zug aus ihrer Heimatstadt bereits um 8.30 Uhr. „Die Züge waren nicht pünktlich und ich hatte Angst, dass ich es sonst nicht schaffe“, begründet sie den Entschluss. Rund 15 Minuten fuhr sie zum Bahnhof nach Kramatorsk.  


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Als sie schließlich ankam, sagte Nastya ihren Freunden, dass sie in Kramatorsk sei. Danach schaltete sie die mobilen Daten ihres Handys ab. So wollte sie Energie sparen. Sie erinnert sich weiter: „Es war kalt. Deswegen ging ich in das Bahnhofsgebäude. Aber da war es sehr voll.“ Kein Wunder: Zu dem Zeitpunkt befanden sich Dutzende Zivilisten am Bahnhof. Sie hatten alle ein Ziel: dem Krieg zu entkommen. Und weil es in dem Gebäude zu voll war, entschied sich Nastya dazu, sich nach draußen auf eine Bank zu setzen. Gegen 10.30 Uhr hörte sie plötzlich eine Explosion. Durch die Druckwelle stürzte sie von der Bank. Um sich herum sah sie zahlreiche verletzte, blutende Menschen. Dann bemerkte Nastya, dass auch sie stark am Bein blutete. Es begann ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wie es für Nastya im Krankenhaus weiterging, erfährst du am Donnerstag (22. Februar) in Teil 2 unserer Reportage-Reihe. Folge uns auf Facebook oder Instagram, um keinen Teil zu verpassen.