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Deutsche Bahn muss zahlreiche Strecken sperren – Fahrgäste brauchen jetzt starke Nerven

Deutsche Bahn muss zahlreiche Strecken sperren – Fahrgäste brauchen jetzt starke Nerven

© IMAGO / Jürgen Heinrich

Deutsche Bahn: Die Geschichte des deutschen Eisenbahnkonzerns

Nach einem Unfall mit tödlichen Folgen in Garmisch-Partenkirchen Ende Juli hat die Deutsche Bahn ihr Streckennetz überprüft und eine erschreckende Entdeckung gemacht.

Auf mehreren Linien, die die Deutsche Bahn betreibt, gibt es Probleme mit den Betonschwellen, sodass hier teilweise nur noch langsam oder gar nicht mehr mit Zügen drübergefahren werden kann.

Deutsche Bahn sperrt mehrere Strecken – Schäden an Betonschwellen

Sieben Seiten voller Mängeln sieht sich die Bahntochter DB Netz gegenüber. Kleingedruckt sind hier alle Probleme aufgelistet, die im August bei der Überprüfung von 200.000 Betonschwellen entdeckt wurden. Insgesamt gäbe es 165 „Problemstellen“. Infolge kann an fielen Stellen nur noch mit verlangsamtem Tempo gefahren werden – an anderen jedoch gar nicht mehr.

DB Netz gibt zu, dass im August bundesweit 47 Streckenabschnitte deshalb gesperrt wurden, 118 weitere Stellen konnten nur mit gedrosseltem Tempo befahren werden. Nun im September hätten einige Sperrungen aufgehoben werden können, doch immer verbleiben noch 31. Bei den Stellen mit Tempolimit sind sogar noch sechs dazugekommen.

Deutsche Bahn: Sperrungen und Tempolimits – das hat drastische Auswirkungen für Passagiere

Neben sehr kurzen Sperrungen gibt es aber auch solche, die zu längeren Umleitungen und damit zu spürbaren Folgen für den Verkehr führen. Sie spannen sich zwischen wenigen Hundert Metern und mehreren Kilometern. Und mancherorts dürfen die Bahnen nur mit halbem Tempo oder sogar nur mit 20 Stundenkilometern statt 140 fahren. An anderen Trassen, so zum Beispiel in München, sind teils sogar nur fünf Stundenkilometer erlaubt.

Das Problem besteht bundesweit, besonders ist jedoch Sachsen mit 42 Problemstellen betroffen. Knackpunkt sind die Betonschwellen, die auch das Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen am 3. Juni verursacht haben, bei dem fünf Menschen starben und viele weitere verletzt wurden. Schwellen der gleichen Charge sind überall in Deutschland in den Gleisen verbaut.

„Erste vorläufige Erkenntnisse aus technischen Gutachten unabhängiger Prüfinstitute legen nun den Verdacht nahe, dass ein Herstellerfehler vorliegt“, stellt DB Netz nun fest. „Die Schwellen weisen teilweise Unregelmäßigkeiten in der Materialbeschaffenheit auf.“ Die Inspektion sei nun durch, die Analyse der Daten laufe. Ursache könnte eine chemische Reaktion, die den Zement instabil mache. Die ersten Schwellen hat die Bahn bereits ausgewechselt. Dieser Vorgang könnte sich allerdings noch bis 2023 ziehen.

Deutsche Bahn in der Kritik – „Sicherheit hat ganz klar Vorrang“

Die Politik hat das Unternehmen bereits scharf kritisiert. „Die Deutsche Bahn muss jetzt alles daransetzen, die schadhaften Bahnschwellen zügig auszutauschen und die Langsamfahrstellen zu beseitigen“, fordert Matthias Gastel von der Grünen. „Sicherheit hat ganz klar Vorrang!“ Zudem hofft er darauf, dass andere Infrastrukturunternehmen sich daran ein Beispiel nehmen, „um die Qualität von Baustoffen und Bauteilen zukünftig besser überprüfen“.

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Die Bahn weist die Vorwürfe jedoch entschieden von sich. „Die Anforderungen der DB an die Hersteller von Eisenbahnschwellen zählen zu den weltweit strengsten Anforderungen.“ Nichtsdestotrotz muss die Bahn jetzt aktiv werden. Das kommt allerdings mit einem großen finanziellen Schaden einher, der sich laut „SZ“ auf einen „unteren dreistelligen Millionenbereich“ belaufen soll. Das kommt noch zusätzlich zu den Arbeiten am maroden Schienennetz, mit dem die DB zurzeit mehr als beschäftigt ist. Sie könne deshalb vom Hersteller der Schwellen Regress fordern. (mbo)