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Vergewaltigung in Freiburg: Erdogan-Fans missbrauchen Verbrechen für skurrile Propaganda – „Schimpft weiter auf Erdogan, ihr Deppen“

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Foto: Patrick Seeger/dpa

Freiburg. 

Ein schlimmes Verbrechen hält das beschauliche Freiburg derzeit in Atem. Nach einem Disco-Besuch soll eine 18-Jährige in der Nacht zum 14. Oktober von mehreren Männern vergewaltigt worden sein.

Die Polizei nahm acht Tatverdächtige fest – sieben Syrer im Alter von 19 bis 29 Jahren und einen 25 Jahre alten Deutschen. An Spekulationen über mögliche weitere Täter beteilige man sich nicht, sagte eine Sprecherin der Polizei.

Vergewaltigung in Freiburg wird instrumentalisiert

Schon jetzt wird der Fall von Rechten instrumentalisiert, um weiter Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen, am Montagabend demonstrierten mehrere Hundert Menschen in der Freiburger Innenstadt.

Die AfD hatte zu einer Versammlung aufgerufen – an ihr nahmen nach Angaben eines Polizeisprechers 300 bis 500 Menschen teil. Mehrere Gruppen bildeten eine Gegendemonstration, um vor einer Instrumentalisierung des Verbrechens zu warnen. Hier zählte die Polizei rund 1500 Menschen.

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Erdogan-Fans mit skurrilen Vorwürfen nach Vergewaltigung

Doch auch Fans des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nutzen die Vorfälle nun für skurrile Propaganda. Auf Facebook und Youtube kursiert ein Foto, das schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung erhebt.

Dort heißt es, acht der Verdächtigen seien auf einer Liste von gesuchten PKK-Terroristen gewesen, die Erdogan Deutschland vor Längerem übergeben habe: „Er wollte sie in der Türkei vor Gericht stellen, weil sie gefährlich sind. Doch der Verfassungsschutz reagierte nicht.“ Das Statement schließt mit dem Vorwurf: „So, und nun schimpft alle weiter auf Erdogan, ihr Deppen.“

Keine Beweise für Behauptungen der Erdogan-Fans

Beweise für derlei Behauptungen gibt es allerdings nicht. Bisher ist nicht einmal klar, ob es sich bei den Tätern wirklich um Kurden handelt. Das ging bisher lediglich aus einem Bericht der „Bild“ hervor – offiziell bestätigt wurde es nicht.

Auch, dass die Verdächtigen auf einer Terror-Liste standen, lässt sich nicht bestätigen. Gegenüber der „HuffPost“ sagte die Polizei Freiburg: „Eine solche Liste ist dem Staatsschutz des Polizeipräsidiums Freiburg nicht bekannt.“

Post wird munter verbreitet

Für die mutmaßliche Verbindung zwischen kurdischen PKK-Terroristen und dem Vorfall in Freiburg gibt es also keinerlei Belege. Trotzdem wird der Post in sozialen Netzwerken munter weiter verbreitet und von Erdogan-Fans wie Bilgili Üretmen sogar in Videos vorgestellt.

Erdogan heizt den Konflikt mit der kurdischen Minderheit seit Jahren an. Zuletzt rückte das türkische Militär sogar in Syrien ein, um die dortigen kurdischen Milizen zu bekämpfen, weil diese angeblich die PKK unterstützten. Sie kämpft seit Jahrzehnten für einen unabhängigen Kurdenstaat und wird auch von der EU als Terrororganisation eingestuft.

Vergewaltigung in Freiburg: Viele Fragen offen

In dem eigentlichen Fall sind nach wie vor viele Fragen offen. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung könnten bis zu 15 Männer an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein. Dazu sagten weder Polizei noch Staatsanwaltschaft etwas.

„Wir werden uns nicht an Mutmaßungen beteiligen“, sagte Polizeisprecherin Laura Riske am Montag. Keine konkreten Angaben vom Innenministerium gab es zu der Frage, gegen welchen Verdächtigen der Haftbefehl vorlag, auch nicht wegen welcher Straftat. Es sei aber der Hauptverdächtige. In Medienberichten wird als mögliche Droge im Getränk eine Ecstasy-Tablette genannt.(mit dpa)