„Armes Deutschland“ bei RTL2: Hartz-IV-Paar hat 14 Kinder – Vater schockt mit herzloser Aussage

„Armes Deutschland“ bei RTL 2.
„Armes Deutschland“ bei RTL 2.
Foto: Screenshot

Es ist eine Szene, die betroffen macht. Laura ist 16 Jahre alt. Sie sitzt auf einem Stuhl, um sie herum toben ihre Geschwister. Mit einem Kamm geht ihre Mutter durch die Haare des Teenagers, schneidet sie anschließend mehr schlecht als recht. „Ich war noch nie bei einem richtigen Friseur“, sagt Laura schüchtern.

Plötzlich wird es laut. „Doch, wir waren schon mal bei einem Friseur“, poltert ihr Vater Ronny R. durch das spärlich eingerichtete Zimmer.

Ein einziges Mal seien sie dort gewesen, beim Friseur die Straße herunter, 10 Euro habe der Schnitt gekostet. Laura kann sich daran nicht mehr erinnern. Ronny nickt jedoch stolz. Ihm scheint die Traurigkeit seiner Tochter zu entgehen.

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In „Armes Deutschland - deine Kinder“ zeigt RTL2 in vier Folgen den Alltag von Familien, die finanziell am Existenzminimum leben. Der Fokus soll dabei auf den Kindern liegen.

Wie im Fall der Familie R.

„Armes Deutschland - deine Kinder“: Hartz-IV-Familie lebt von 200 Euro pro Kopf

14 Kinder haben Vater Ronny (41) und Mutter Simone (43). Zwischen zwei und 19 Jahren. Beide Elternteile sind arbeitslos. Simone hat noch nie gearbeitet. Ronny hat Maler und Lackierer gelernt, musste den Job jedoch vor zehn Jahren aufgeben, weil er allergisch gegen bestimmte Farbpigmente wurde. Seitdem hat er nicht mehr gearbeitet. Zusammen mit seiner Frau ist er nun Vollzeit-Elternteil.

Die Familie lebt von Kindergeld und Hartz IV. Etwa 3300 Euro haben sie im Monat. Gerade einmal rund 200 Euro pro Kopf.

Armut bestimmt den Lebensalltag: sieben Kinder in einem Zimmer

Die Armut bestimmt den Lebensalltag der Großfamilie. Zwar leben sie auf einer ehemaligen Büroetage, viel Platz ist bei so vielen Menschen jedoch auch dort nicht. Bis zu sieben Kinder müssen sich ein Schlafzimmer teilen.

Einige von ihnen haben nicht einmal ein festes Bett. Ihre Matratzen lehnen lediglich an der untapezierten Wand. Sie werden abends einfach auf den nackten Boden gelegt.

Wohnzimmer ein Trümmerfeld

Die Wohnung erscheint insgesamt mehr Trümmerfeld als Rückzugsort zu sein.

Türen sind eingetreten, die Wände haben Löcher, Fußleisten liegen lose neben der Wand.

Es sind die Hinterlassenschaften der Streitigkeiten der Kinder. Klar, dass es bei solch beengter Behausung zu Ärger kommt. Auch, weil die Kids kaum Möglichkeiten haben, sich auszutoben. Spielmöglichkeiten für die Älteren sind nicht zu entdecken. Der Fußballverein zu teuer.

14 Kinder? „Wir haben nicht verhütet“

Dass ihre Kinder traurig sind, Ronny und Simone scheint es wenig zu berühren. Fast belustigt sprechen sie darüber, wie es zu den 14 Kindern kam. „Wir haben nicht verhütet, weil wir da gar nicht drauf eingegangen sind, dass es passieren könnte. Wenn es passiert, dann passiert es“, sagt Mutter Simone und grinst.

Kind 15 auf dem Weg?

Ganze 14 Mal passierte dies. Bislang. Denn Simone hat einen Verdacht. Sie ist schon mehrere Wochen überfällig. Beim Frauenarzt die Gewissheit: Kind 15 ist auf dem Weg.

Simone ist sich auch sicher, wann es passiert sein könnte. An einem Samstagabend hatten sie und Ronny mal 20 Minuten Zeit zum "Reden", so Simone.

Und doch, für große Aufregung bei ihrem Mann sorgt die Nachricht nicht. Fast ein wenig herzlos erscheint sein Resümee: "Etwas Überragendes, Weltbewegendes, ist das jetzt nicht mehr. Ein Schuss, ein Treffer war es aber schon. In 20 Minuten!" Immerhin bei diesem Satz scheint ein wenig Stolz in Ronnys Worten mitzuschwingen.

Psychotherapeutin: „Der Mensch ist ein Herdentier“

Es ist eine heikle Situation, in der die Familie R. steckt. Doch neben den Aggressionen der Kinder, welche Auswirkungen kann das beengte Zusammenleben der Familie noch haben?

DER WESTEN sprach mit Psychotherapeutin Susann Szyszka (55) aus Bonn.

Familie R. bekommt nun das 15.Kind, man merkt aber dass schon die vorhandenen 14 mit Problemen wie Aggressionen zu kämpfen haben. Hat das Jugendamt dort eine Handhabe? Wie kann man die Aggressionen in den Griff bekommen?

Susann Szyszka: Das Jugendamt hat nur einen begrenzten Spielraum. Viele Kinder bedeuten zudem nicht zwangsläufig, dass das Jugendamt eingeschaltet werden muss. Sollten die Kinder jedoch aggressiv werden, lohnt es sich, das Beratungsangebot der zuständigen Behörden zu nutzen – das kann beispielsweise eine Erziehungs- oder die Familienhilfe sein.

Die Kinder leben zum Teil zu siebt in einem Zimmer. Welche Auswirkungen kann das Fehlen von Privatsphäre auf Heranwachsende haben?

Szyszka: Das ist altersabhängig und hat grundsätzlich keine direkten Auswirkungen. Prinzipiell ist der Mensch ein Herdentier und gewohnt, zu mehreren in einem Raum zu schlafen. Dennoch: Gerade in der Pubertät macht es Sinn, Rückzugsgelegenheiten zu schaffen, damit sich die Jugendlichen verselbstständigen können. Ein eigener Schreibtisch, ein eigenes Bett – das für Heranwachsende wichtig.

Viele Kinder sind neidisch auf besser situierte Freunde, Mitschüler - wie können schlechter situierte Eltern da vorbeugen?

Szyszka: Wichtig ist es, dass man den Kindern keine große Not vermittelt. Wenn die Eltern, auch wenn man arm ist, das Beste aus der Situation machen und ihrem Kind vorleben können. Haben die Kinder den Eindruck, dass man aus wenig viel machen kann, ist viel gewonnen.

„Armes Deutschland“ läuft auf RTL2 immer dienstags um 20.15 Uhr oder 22.15 Uhr.

 
 

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