„Anne Will“ in der ARD: Als Sahra Wagenknecht DAS sagt, wird es laut im Studio

Streit bei Anne Will: Norbert Röttgen (CDU) und Sahra Wagenknecht (Linke) ließen sich am Ende nicht mehr zu Wort kommen.
Streit bei Anne Will: Norbert Röttgen (CDU) und Sahra Wagenknecht (Linke) ließen sich am Ende nicht mehr zu Wort kommen.
Foto: ARD

Es ist nicht weniger als ein gordischer Knoten, den es jetzt irgendwie zu zerschlagen gilt: Der Brexit bringt ein Chaos mit sich, dessen Auswirkungen auf den Rest Europas noch niemand wirklich überblicken kann.

Bei Anne Will am Sonntagabend in der ARD führte die Frage, ob dieses Chaos noch zu verhindern sein könnte, zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen CDU-Politiker Norbert Röttgen und Linken-Chefin Sahra Wagenknecht. Der Streit wurde so arg, dass beide sich gegenseitig nicht mehr zu Wort kommen ließen.

Anne Will: Röttgen wirft Wagenknecht Rechtspopulismus vor

Norbert Röttgen warf Sahra Wagenknecht bei Anne Will vor, eine rechtspopulistische „Polemik gegen Europa“ abzulassen. Sahra Wagenknecht erklärte, dass sie ein zweites Brexit-Referendum für problematisch halte. Die EU kritisierte sie als eine Union der Eliten und Ausbeuter. Dann verhakte sie sich in einer schwierigen Argumentationskette.

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Wagenknecht wandte sich gegen die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU. Die führe zu Lohndumping und dazu, dass Unternehmen Arbeitnehmer aus Niedriglohnländern ausbeuten. Die Bedingungen für einheimische Arbeitnehmer wiederum verschlechtere sich dadurch ebenfalls. „Da empören sich die Leute“, wettert Wagenknecht in der Runde bei Anne Will. „Im Gesundheitswesen in Großbritannien arbeiten fast nur noch osteuropäische Arbeitnehmer. Ist doch logisch, dass das die Menschen gegen Europa aufbringt.“

Norbert Röttgen schlägt belehrenden Ton an

Norbert Röttgen war sichtlich erschüttert ob dieser Aussagen. „Zunächst einmal: Arbeitnehmerfreizügigkeit ist die Gleichheit für alle Bürger in der Europäischen Union, Arbeit in der EU zu finden“, sagte er in belehrendem Ton an Sahra Wagenknecht gewandt. „Es ist nicht so, dass irgendwelche ausbeuterischen britischen Unternehmen nach Polen gehen, um die Polen auszubeuten.“

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Das Gegenteil sei der Fall. „Diese Rumänen, Polen, Bulgaren und andere finden dort ihren Arbeitsplatz und tragen zum Wohlstand dieses Landes bei. Die Arbeitnehmer wollen dort arbeiten. Nur es sind auf einmal viele gekommen, und damit war das Phänomen da: Wenn auf einmal zu viele Fremde kommen, gibt es die Probleme, die wir haben“, so Röttgen, der jetzt richtig in Fahrt kam.

Wagenknecht mit Ukip verglichen

„Ich finde es bemerkenswert, um es mal sehr diplomatisch zu formulieren, wie Sie hier in rechts- oder linkspopulistischer Manier gegen Europa reden“, so Röttgen, der die Aussagen von Sahra Wagenknecht mit denen der rechtspopulistischen britschen Ukip-Partei verglich.

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„Die Waren sollen wandern, die Menschen sollen zuhause bleiben, jedenfalls, wenn sie aus dem Osten kommen, das ist eine allgemeine Polemik gegen Europa, die Sie hier ablassen, wie Sie nicht besser von Boris Johnson gemacht werden könnte“, wetterte Norbert Röttgen.

„Jetzt sind Sie billig populistisch“

„Also jetzt sind Sie aber wirklich billig populistisch geworden“, fiel Sahra Wagenknecht dem CDU-Politiker ins Wort. „Erst mal geht es um die EU und nicht um Europa, das sind zwei verschiedene Dinge. Es geht um Regelungen, die dazu beitragen, dass Menschen gegen Europa aufgebracht werden. Die will ich nicht.“

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Was für Argumente beide danach noch vorbrachten, war kaum mehr zu verstehen, weil sich Wagenknecht und Röttgen immer wieder gegenseitig unterbrachen und irgendwann einfach gleichzeitig redeten. Erst das Ende der Sendung von Anne Will unterbracht die Streitenden schließlich.

Runde bei Anne Will: Keine Lösung

Einen Lösungansatz gab es bei Anne Will letztlich nicht. Der Brite Greg Hands, ebenfalls Gast der Runde, der ursprünglich gegen den Brexit gestimmt hatte, forderte mehr Kompromissbereitschaft von der EU: Sie solle sich auf den Brexit-Deal, den die britische Premierministerin durchsetzen will, einlassen.

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn indes erklärte, die EU sei schon bis an die Grenzen der Flexibilität gegangen, die Verantwortung liege jetzt bei den Briten.

 
 

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