Wellen rütteln Autofahrer wach
09.06.2009 | 17:37 Uhr 2009-06-09T17:37:00+0200
Die Stadt baut vor der Haltelinie am Ende des Hegemannsweges „Recycling-Schwellen” ein: Sie sollen ein Schutz für Radfahrer sein und die Kreuzung mit dem Stegemannsweg, die Unfallhäufungspunkt ist, entschärfen.
An der Ecke Hegemannsweg/Stegemannsweg in der Heege werden künftig Schikanen auf dem Boden die Autofahrer wachrütteln - damit sie rechtzeitig vor der Stoppschild anhalten. Das hat das städtische Verkehrsreferat nach einem Vor-Ort-Termin mit Politikern in Planung.
Grund für die drastische Vorgehensweise: Die Kreuzung gilt nach Bewertung der städtischen Unfallkommission als Unfallhäufungsstelle. Fünf Unfälle, bei den Radfahrer angefahren wurden, haben sich dort zwischen September 2005 und Mai 2008 ereignet. Alle bisherigen Maßnahmen (Erneuerung der Haltelinie, rote Einfärbung des Radweges) hätten wenig genutzt, so die Vor-Ort-Runde, da es am 7. April 2009 erneut einen Unfall zwischen Rad- und Autofahrer gegeben habe. Vor diesem Datum hatte es noch im Bericht der Unfallkommission geheißen: „Die Örtlichkeit wird im Rahmen der Nachuntersuchung weiter beobachtet.”
Erstmals handelte es sich im April, so die Stadt, um einen Unfall mit einem Radfahrer, der aus Richtung Buer kam. Zuvor waren es Radler, die vom Schaffrath aus kamen und den Radweg an dieser Stelle auf der verkehrten Straßenseite nutzten (amtlich: gegenläufiger Radweg). Das ist hier erlaubt, da es auf der anderen, der „richtigen” Straßenseite weder Rad- noch Fußweg gibt.
Nun sollen vor der Einmündung des Hegemannsweges in den Stegemannsweg sogenannte „Recycling-Schwellen”, also Bodenwellen, eingebaut werden, um die Autofahrer bereits vor dem Stopp-Schild „wachzurütteln” und zu signalisieren: rechtzeitig anhalten! Außerdem soll über dem Stopp-Schild ein deutlich größeres Schild „Kreuzende Radfahrer von rechts und links” angebracht werden. Schließlich will man das Straßenbegleitgrün zurückschneiden, um die Sicht zu verbessern. Nicht zuletzt soll noch geprüft werden, ob die abmarkierten Sperrflächen im Einmündungsbereich zusätzlich mit Sperrpfosten bestückt werden, um das Überfahren unmöglich zu machen.
Die Kreuzung befindet sich nahe des vorläufigen Ende der Umfahrung Schaffrath, die von einer Vielzahl von Autofahrern genutzt wird, die - mangels Alternative - auf die Wirtschaftswege in die Heege einbiegen, bzw. von dort kommend auf die Umfahrung abbiegen.
Siehe Kommentar
00:16
...weil es nicht haltbar ist, einerseits das Naturschutzgebiet Heege zu zubetonieren und dann gegen ein gigantisches Autobahnkreuz zu Felde zu ziehen, hinter Häusern auf derzeit agrarisch genutzten Flächen. Davon betroffen sind Bürgern aus Gladbeck-Brauck, Schaffrath und Beckhausen. Das wäre Heuchelei pur...Man kann ja den Stegemannsweg und die Gecksheide wie schon die Claesdelle für den Durchgangsverkehr sperren, dann braucht sich niemand mehr über die Nutzung dieses Weges zu beschweren. Über die Devese- und die nun gut ausgebaute Vinckestraße gelangt man auch ans Ziel...
14:01
und warum wird die Umgehung Schaffrath 3. Teil nicht einfach weiter gebaut. Lieber schikaniert man die PKW Fahrer bzw deren Autos. Aber unsere Stadtoberen fahren da bestimmt nicht entlang.
08:41
Also manche Maßnahmen zur Entschärfung von Unfallschwerpunkten können eigentlich nur noch Kopfschütteln hervorrufen...
Was will die Stadt eigentlich beim nächsten Radfahrerunfall (der an dieser Stelle aufgrund der unsäglichen Radwegeführung zwangsläufig kommen wird) machen?
Riesige, blinkende Leuchtreklamen mit der Aufschrift Achtung Radfahrer kreuzt?
Das eigentliche Problem wird an dieser Stelle nämlich nicht aufgegriffen: der Radweg...bzw. das auf dem Bild gut sichtbare Blauschild, welches die Benutzung dieses Radweges in beide Richtungen vorschreibt (nicht erlaubt, wie der Redakteur fälschlicherweise schreibt).
Wenn ich auf dem Stegemannsweg von rechts mit dem Rad kommen würde, würde ich in einem Akt zivilen Ungehorsams niemals den Radweg benutzen, sondern die Fahrbahn, meiner eigenen Gesundheit zuliebe.
Denn dort würde ich von den Autofahrern sofort gesehen werden und nicht wie auf dem Radweg übersehen, wie es ja dem Artikel zufolge schon mehrmals passiert ist.
Also gibt es für diese Situation nur eine richtige Lösung, weg mit dem Blauschild, d. h. mit der Benutzungspflicht, der Gesundheit der Radler zuliebe.
Aktzeptabel wäre höchstens noch ein Schild Radfahrer frei auf dem Gehweg für alle, die sich nicht auf die Fahrbahn trauen, verbunden allerdings mit der eindeutigen Warnung vor der Gefährlichkeit eines solchen Verhaltens...
08:40
Und wer rüttelt die Verkehrsplaner wach?
Die sicherste Lösung wäre, die Radfahrer auf der Fahrbahn fahren zu lassen. Dann wären die Radfahrer im Aufmerksamkeitsbereich der Autofahrer und diese unmögliche Engstelle an der Bushaltestelle entfiele auch.
Dass solche Radwege, insbesondere wenn sie in beide Richtungen benutzungspflichtig sind, deutlich gefährlicher sind als die Fahrbahn, weiß man schon seit langem. Das wird jedoch standhaft von der Verkehrsplanung ignoriert und uns sogar als Beitrag zur Radverkehrsförderung und -sicherung verkauft.
Prognose: Die Schwellen werden in einem Jahr wieder herausgerissen und dort ein Radfahrer absteigen Schild aufgestellt.
22:52
Ohne Pessimismus verbreiten zu wollen: das wird nicht viel helfen. Das Fehlverhalten hier und andernorts ist eine Frage der Einstellung. Und die ist bei vielen Verkehrsteilnehmern(innen) katastrophal. So wie am Wochenende in der Eifel ein dumm-dreister Kieskutscher mit seinem LKW über einen Bahnübergang semmelte ohne den nahenden Triebwagen zu beachten, Schwerverletzte und enormen Schaden zu verantworten hat. Es werden überall Stopschilder, sogar halt zeigende Ampeln und erst recht Andreaskreuze an Bahnübergangen missachtet. Als hätten wir nie eine Führerscheinausbildung durchlaufen. Da helfen nur rigorose Kontrollen und mindestens 4 wöchiger Führerscheinentzug bei derart respek- und gewissenlosem Fehlverhalten. Während dieser Zeit kann man aus der Persektive des Fahrradfahrers nachdenken...