Wie Ratingagenturen Griechenland verramschen

Wie Ratingagenturen Griechenland verramschen

Berlin.. Griechenlands Staatsanleihen wurden von einer Ratingagentur auf CCC gesetzt, das heitß kurz vor dem Bankrott. Im Fall Griechenland wirkte das schon einmal wie eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“, Rufe nach unabhängigen Agenturen werden laut.

Wenn sogenannte Rating-Agenturen ihre Daumen senken, müssen sich Regierungen ernsthafte Sorgen machen. So wie in Griechenland: Gerade hat die Agentur Standard & Poor’s ihre Bewertung griechischer Staatsanleihen fast auf Bankrott-Niveau reduziert. Politiker und Ökonomen reagieren darauf zunehmend kritisch: Eine neue europäische Agentur solle ein Gegengewicht setzen, fordert unter anderem FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing.

Standard & Poor’s hat die Bewertung für griechische Staatsanleihen auf „CCC“ gesenkt. Die Experten glauben, dass der Euro-Staat am Mittelmeer nur noch ein Drittel bis zur Hälfte seiner Schulden zurückzahlt. Vermutlich müssten auch private Banken auf etwa die Hälfte des Geldes verzichten, das sie in griechische Anleihen investiert haben.

Mit ihrer Bewertung warnen die Agenturen die Investoren vor unzuverlässigen Schuldnern. So liefern sie den Kapitalmärkten einerseits wichtige Informationen. Andererseits sind die Ratings der Agenturen heftig umstritten, stellen sie schließlich subjektive Bewertungen durch Analysten dar.

Im Zuge der Griechenlandkrise zeigte sich außerdem, dass die Ratings wie „sich selbst erfüllende Prophezeiungen“ wirkten. Senkte eine Agentur ihre Bewertung, musste Griechenland den Investoren höhere Zinsen bieten, was die Chance verringerte, die Schulden zurückzuzahlen. Daraufhin wurden die Ratings abermals reduziert.

Das Problem für die Staaten: Die schlechten Noten können für sie enorm teuer werden. So wird die Euro-Zone ihrem 110-Milliarden-Rettungspaket wohl weitere Griechenland-Hilfe folgen lassen. Dafür müssten dann auch die deutschen Steuerzahler haften.

Mehr Wettbewerb

Unter anderem vor diesem Hintergrund wird seit Jahren darüber diskutiert, den Einfluss der Rating-Agenturen einzudämmen. Bisher beherrschen die drei Firmen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch den Bewertungsmarkt. Die ersten beiden sitzen in New York, Fitch in London. Daneben „brauchen wir eine unabhängige europäische Rating-Agentur, zum Beispiel in Form einer Stiftung“, sagte FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing zu DerWesten.

Mit dieser Ansicht steht Wissing nicht alleine. Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, teilt sie ebenso wie Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen. Das EU-Parlament hat die EU-Kommission beauftragt, eine solche Lösung zu prüfen. Und selbst im Koalitionsvertrag zwischen Union und FDP aus 2009 findet sich die Forderung nach einer europäischen Agentur.

Was aber würde sich durch die Existenz einer europäischen Bewertungsfirma ändern? „Grundsätzlich gäbe es mehr Wettbewerb“, begründet IW-Chef Hüther. Notenbanken und Investoren könnten sich auf eine weitere relevante Meinung stützen und wären nicht nur auf die Ratings der drei beherrschenden Agenturen angewiesen.

Die Bremer Ökonomin Mechthild Schrooten erklärt die Folgen im Falle Griechenlands: „Weil die Euro-Zone die griechischen Papiere garantiert, könnte man deshalb auch ein A-Rating für gerechtfertigt halten“, so Schrooten. Athen wäre – anders als S & P es sieht – noch lange nicht bankrott.“

Währenddessen versucht die Bundesbank bereits, sich vom Urteil der drei beherrschenden angelsächsischen Agenturen etwas unabhängiger zu machen. Während diese dem verschuldeten Irland die schlechtere B-Note geben, stützt sich die Bundesbank auf die kanadische Bewertungsfirma DBRS, die Irland immer noch mit „A“ ratet.

Hohe Kosten

Bleibt die Frage, warum es die von allen gewünschte Europa-Agentur bisher noch nicht gibt, wenn sie doch angeblich so dringend benötigt wird. Das liegt womöglich nicht zuletzt wieder am Geld. Denn preiswert dürfte es nicht werden, mehrere hundert Finanzexperten und Analysten einzustellen und über Jahre zu finanzieren.

Ein von den griechischen Gewerkschaften ausgerufener 24-stündiger Streik gegen die von der Regierung geplanten Sparmaßnahmen hat am Mittwoch das öffentliche Leben stark beeinträchtigt. Busse und Bahnen fuhren nicht, Krankenhäuser erhielten nur einen Notdienst aufrecht, Rundfunk- und Fernsehsendungen fielen aus. Der Flugverkehr war von dem Streik allerdings nicht betroffen. Die Fluglotsen hatten ihre Teilnahme an dem Streik abgesagt.

Vor dem Parlament, das die Sparmaßnahmen der Regierung noch beschließen muss, versammelten sich am Morgen Demonstranten. Von dem wenigen, was den Arbeitern geblieben sei, wolle die Regierung noch etwas streichen, klagte Ilias Iliopoulos, Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY. Zwei große Demonstrationen waren in Athen geplant. Die Regierung muss das Sparpaket über 28 Milliarden Euro für die Jahre 2012 bis 2015 noch in diesem Monat durch das Parlament bringen, um weitere Finanzhilfen der EU und das Internationalen Währungsfonds zu bekommen.

 
 

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