Ein Konzern machte diese Düsseldorfer Gründer fast pleite – doch sie glauben weiter an das Produkt, von dem wir alle träumen

Jessica und Matthias Ludwig haben das Startup Raccoon gegründet
Jessica und Matthias Ludwig haben das Startup Raccoon gegründet
Foto: Raccoon
  • Jessica und Matthias Ludwig haben alles aufgegeben, um ein Startup zu gründen
  • Ihre Idee von einer „gesunden“ Schokolade hatte schnell viele Fans
  • Doch dann mussten sie plötzlich noch mal ganz neu anfangen

Berlin/Düsseldorf.  Matthias und Jessica Ludwig haben uns alle träumen lassen. Fürs Naschen ohne schlechtes Gewissen, für eine „gesunde“ Schokolade haben die beiden Düsseldorfer alles stehen und liegen lassen, ihre Jobs geschmissen – und ein Startup gegründet. Jetzt, ein gutes Jahr später, wollten wir wissen: Wie ist es gelaufen? Die Antwort: eine Geschichte wie eine Achterbahnfahrt.

„Wir haben in diesem Jahr extrem viel gelernt“, sagt Matthias Ludwig. Wobei er auch nicht verschweigt, dass er auf die letzte Lektion gut hätte verzichten können. Denn ihr lieb gewonnener „Pumpin Panda“, das flauschige Wappentier und Namensgeber des Startups, wäre vor kurzem fast endgültig beerdigt worden. Weil ein großer Konzern keine Lust auf die kleine Konkurrenz aus einem Mini-Büro in Düsseldorf hatte. Wie es dazu kam?

Idee für „gesunde Schokolade“ kam auf der Couch

Vergangenes Jahr. Auf der Couch der Ludwigs. Zwei Menschen, die abhängen, sich aber nichts Süßes gönnen wollten, weil sie ja gerade vom Sport kommen. Und los ging die Tüftelei an ihrer „sportlichen Schokolade“.

Wenig später konnte man die ersten Tafeln der Protein-Schokolade „Pumpin Panda“ im Online-Shop bestellen. Eine Schokolade ohne Einfachzucker, mit 20 Prozent pflanzlichem Protein, fair gehandelt, vegan. Nicht gerade kalorienarm, aber ausgewogener, eben im Trend der Zeit.

Ihre Idee kam gut an, diese Vorstellung vom Naschen ohne schlechtes Gewissen. Beim ersten Startup-Wettbewerb holte das Ehepaar den ersten Platz und gewann damit die Unterstützung einer namhaften Werbeagentur aus Düsseldorf im Wert von 20.000 Euro. Bald orderten auch die ersten Supermärkte. „Wir waren gerade in der Phase, in der wir sagen konnten: Wir machen das jetzt ein bisschen größer“, sagt Matthias Ludwig. Dann aber flatterte eine E-Mail ins Haus, die vieles änderte.

25.000 Verpackungen für den Müll

Ein Konzern aus Finnland setzte dem „Pumpin Panda“ die Pistole auf die Brust. Das Unternehmen hatte sich das Recht an Schokolade mit Panda-Namen gesichert. „Wir dachten erst, es wäre eine Spam-Mail“, erzählt Matthias Ludwig. Nach einem Gespräch mit dem Anwalt war allerdings klar: Das war kein Spam, sondern das Ende für ihr Startup in dieser Form.

Immerhin konnte man sich noch auf einige Wochen Galgenfrist einigen, in denen die Ludwigs die letzten Panda-Tafeln unter die Leute bringen könnten. Alles andere wäre wohl auch das endgültige Aus gewesen: Gerade eben hatten die beiden Gründer 25.000 neue Verpackungen drucken lassen.

Also ging die Rest-Schoki zum Schleuderpreis raus, auf der Homepage, bei Facebook, Instagram und Co. verschwand der Panda – und schließlich wurde auch die GmbH umbenannt. Pumpin Panda gab es nicht mehr, obendrauf hatten die Ludwigs durch die Aktion mehrere Tausend Euro verloren.

Waschbär löst den Panda ab

Die beiden Gründer grübelten. War’s das jetzt? Aber schnell stand der Entschluss: „Es wäre total unsinnig, wegen so einem blöden Fehler alles wegzuschmeißen“, wie Matthias Ludwig sagt. „Es kann ja zu Ende gehen, aber nicht so.“ Und was Wochen vorher noch nicht in Sicht war, stand auf einmal kurz bevor: ein Neuanfang.

Ein neuer Online-Shop wurde aufgesetzt, ein bisschen an der Rezeptur gebastelt, alles komplett auf Bio umgestellt, Ideen für neue Sorten gesammelt. Schließlich wurde auch ein Ersatz für den alten Markenbotschafter gefunden: Der Panda klatschte mit einem Waschbär ab - dieses Mal auch mit ein bisschen mehr Recherche in Sachen Markenrecht. „Eigentlich wollten wir uns Running Raccoon nennen“, sagt Matthias Ludwig. Doch auch da bestand die Gefahr einer Klage. Also blieb es bei Raccoon.

Die neue Marke sei in den ersten Monaten gut angekommen, sagt Matthias Ludwig. Angeblich seien viele Fans vom Geschmack der neuen Rezeptur begeistert, auch in den ersten Supermärkten ist die Waschbär-Schoki wieder vertreten.

Neues Crowdfunding läuft gut an

Aktuell läuft ein neues Crowdfunding, um die Ideen für die neuen Sorten Realität werden zu lassen. Eine erste Hürde hat das Geldsammeln schon genommen, 8000 Euro für eine helle und eine dunkle Sorte sind zusammen gekommen. Bis Ende Oktober wird jetzt noch weiter gesammelt, um den Vertrieb auf stärkere Beine zu stellen. Es sieht so aus, als würde es klappen. Und danach? „Erst mal geht’s wieder darum, die neue Marke zu etablieren“, sagt Matthias Ludwig.

Klingt so, als sei das Schokotier nicht totzukriegen.

(ba)

 
 

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