Oberhausen

„Absoluter Unsinn!“ Oberhausener Arzthelferin stellt klar: Diese Untersuchungen kannst du dir sparen

Eine Arzthelferin, die lieber anonym bleiben möchte sagt, dass viele Vorsorgeuntersuchungen eigentlich: „Absoluter Unsinn“ sind.
Eine Arzthelferin, die lieber anonym bleiben möchte sagt, dass viele Vorsorgeuntersuchungen eigentlich: „Absoluter Unsinn“ sind.
Foto: dpa (Symbolbild)
  • Arztbesuche kurz vor Jahresende: Nicht alle Untersuchungen sind sinnvoll
  • Eine Arzthelferin aus Oberhausen erklärt dir, worauf du achten musst
  • Diese teuren Vorsorgeuntersuchungen kannst du dir sparen

Oberhausen. Wer kennt es nicht: Das Jahr neigt sich dem Ende und diverse Routine-Arztbesuche stehen noch aus. Gerade bei Fachärzten kommen oft viele Extrakosten auf dich zu, die deine Krankenkasse nicht übernimmt.

Zu den teuren Untersuchungen wird dir aber von deinem Arztpraxis-Team geraten. Wie entscheidest du dich?

Die Arzthelferin Katja B. (Name von der Redaktion geändert) arbeitet bei einem Augenarzt im Ruhrgebiet. Sie möchte lieber anonym bleiben. Denn täglich gehört es auch zu ihrem Aufgabenbereich, Patienten sogenannte „individuelle Gesundheitsleistungen“ mehr oder weniger zu „verkaufen“.

Augenarzt-Helferin: „Ich muss jedem teure Untersuchungen anbieten“

Nicht selten hat sie dabei ein schlechtes Gewissen. „Ich muss jedem die teilweise teuren Untersuchungen anbieten, auch wenn ich mitbekomme, dass sie beim jeweiligen Patient gar nicht unbedingt sein müssten.“

Die 49-Jährige arbeitet in einem kleineren Ort bei Oberhausen und kennt viele Patienten schon näher. Sie weiß oft genau, wenn Patienten keinen dicken Geldbeutel haben. Gerade dann fällt es ihr schwer, die teuren und teilweise sogar überflüssigen Vorsorge-Untersuchungen anzubieten.

Sinnlose Extrakosten: Arzthelferin packt aus

„Manche Augenärzte verlangen für Brillenwerte 20 Euro. Der Optiker macht das aber in der Regel umsonst. Das heißt: Du gibst dein Rezept vom Augenarzt ohnehin beim Optiker ab und der misst nochmal alle Werte vom Augenarzt nach – wiederholt also den Prozess komplett. So dass es eigentlich völliger Quatsch ist, die 20 Euro für das Rezept zu bezahlen“, so die Arzthelferin.

Dazu komme, dass Patienten auch ohne ein Rezept zur Brillenbestimmung zum Optiker gehen könnten. „Das wissen sie aber oft nicht“, erklärt die 49-Jährige und will mit dieser Unwissenheit ein für alle Mal aufräumen.

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Faire Ärzte sagen: „Das gehört zur Beratung“

Hinzu kommt, dass nicht alle Augenärzte 20 Euro oder überhaupt Geld für das Rezept verlangen. Von früheren Arbeitgebern weiß sie: „Es gibt Ärzte, die sagen: 'Das gehört für mich zur Beratung' – und rechnen keine Extrakosten zusätzlich ab.“

Denn: Die bloße Beratung von Patienten bekommen Augenärzte von der gesetzlichen Krankenkasse sowieso bezahlt.

Grüner-Star-Untersuchung bei unter 40-Jährigen? „Absoluter Unsinn“

Weiter ärgert sich die 49-jährige Arzthelferin, dass sie Untersuchungen gegen die Augenkrankheit Grüner Star selbst bei sehr jungen Patienten anbieten muss.

„Diese Untersuchung kostet bei uns rund 95 Euro, ich muss sie jedem anbieten, dabei ist sie erst bei Patienten ab 40 wirklich sinnvoll“, erklärt die Arzthelferin. Alles andere sei „absoluter Unsinn.“

Arzthelferin appelliert an Patienten: Informiert euch selbstständig!

Abseits dieser Ärgernisse hat die Arzthelferin eine deutliche Botschaft: „Wichtig ist, dass die Leute immer erst einen Tag darüber schlafen und sich dann für oder gegen die Untersuchung entscheiden. Die Patienten sollten sich abseits der Praxis informieren und auch eine zweite Meinung einholen, bevor sie blind zustimmen und vergessen: Ärzte haben immer auch ein kaufmännisches Interesse.“

Für sie sei es immer mit Gewissensbissen, wenn sie von Patienten in der Praxis mit großen Augen gefragt wird: „Soll ich das machen?“

„Ich kann dann vor meinen Arbeitgebern ja gar nicht ehrlich und objektiv antworten, das bedenken die Patienten in der Situation leider nicht“, so die Arzthelferin.

Kritik an Krankenkassen: Wichtige Untersuchungen werden nicht bezahlt

Weiter kritisiert die 49-Jährige, dass auch wichtige Vorsorgeuntersuchungen bei Fachärzten, wie es ihrer Meinung nach zum Beispiel die Mammographie beim Gynäkologen ist, ebenfalls nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

„Da frage ich mich nach so vielen Berufsjahren schon: Ist es für die Krankenkasse nicht viel teurer, die spätere Krebs-Behandlung und Bestrahlung zu zahlen, als diese eine Vorsorgeuntersuchung?“ Denn viele Patienten müssten einfach aufs Geld achten.

„Und dann kann man einfach nicht jede Vorsorgeuntersuchung bezahlen, vor allem wenn man gar nicht weiß, was sinnvoll ist und was nicht“, so die Arzthelferin abschließend.

 
 

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