Mülheim

Mülheimerin findet arabische Flaschenpost in der Ruhr – der Inhalt ist rätselhaft und traurig

Sandra D. fand eine Flaschenpost in der Ruhr.
Sandra D. fand eine Flaschenpost in der Ruhr.
Foto: Daniel Sobolewski / Der Westen
  • Sandra D. fand eine Flaschenpost in der Ruhr
  • DER WESTEN ließ den arabischen Brief übersetzen
  • Der Inhalt ist sehr traurig

Mülheim. Sandra D. (47) aus Mülheim hat einen gruseligen Fund gemacht. Bei einer Bootstour mit Freunden über die Ruhr entdeckte sie eine Flaschenpost im Wasser. Eine Orangensaft-Flasche trieb am Wasserbahnhof hinter der Schleuse. Sie fischten die Flasche aus dem Wasser und Sandra öffnete sie.

In der Flasche befanden sich drei Seiten. Die Botschaft ist auf arabisch. Sie wirkt ziemlich wirr und ist voller Pfeile und Zeichnungen.

Vergeblich versuchte Sandra, das Schriftstück übersetzen zu lassen. Sie kennt nur über Umwege einige arabisch sprechende Menschen. Und da wurde es unheimlich: Nach dem Lesen weigerten sie sich, die Botschaft zu übersetzen. Manche empfahlen ihr sogar, die Zettel sofort zu verbrennen.

Doch Sandra ist nicht abergläubisch. Sie versuchte weiter, den Inhalt herauszukriegen.

DER WESTEN ließ die Flaschenpost übersetzen* – und das Ergebnis ist sehr bedrückend.

Der Brief wurde von einem sehr, sehr traurigen Menschen verfasst. Er stammt, seinem Dialekt nach zu urteilen, aus Syrien oder dem Irak. Er heißt Abdullah und bittet Allah um Vergebung. Er hat Menschen Unrecht getan.

Immer wieder entschuldigt sich Abdullah für seine schlimmen Taten. Er betet und bittet um Gnade. Was er genau getan hat, sagt er nicht. Anscheinend hat er einer anderen Person etwas angetan. Möglicherweise ist der Brief sogar an diese Person adressiert.

„Der Stift weigert sich, zu schreiben“

„Ich wollte mich Gott und meinen Eltern gegenüber gut verhalten. Doch ich habe es nicht geschafft“, trauert der Verfasser des Briefes. „Ich habe so viele Probleme.“

Abdullah schreibt, er könne diese fürchterlichen Gefühle nicht mehr ertragen. „Der Stift weigert sich, zu schreiben“, sagt er. Man kann förmlich spüren, dass er dabei weint.

„Wenn man traurig ist oder sich schuldig fühlt, geht man in die Moschee, liest den Koran oder schreibt seine Gefühle eben auf“, sagt Mahmoud**. Neben einem Fach-Übersetzer hat auch er den Brief gelesen und uns gesagt, was darin steht.

Doch wie kam das Schriftstück in die Ruhr?

„Abdullah wird sein Schreiben nicht weggeworfen haben. Auch nicht als Flaschenpost“, ist sich Mahmoud sicher. So etwas sei unter Muslimen verpönt. Es sei respektlos gegenüber Gott, ein Schriftstück wegzuwerfen, auf dem der Name Allahs steht.

Es wirke eher, als hätte ein Kind den Brief in die Finger bekommen und damit gespielt. Zwar wurde der Brief sehr wahrscheinlich von einem Erwachsenen geschrieben, doch das Gekrakel darüber wirke kindlich. Vielleicht hat dieses Kind es in eine Flasche gesteckt und als Flaschenpost verschickt.

Sandra ist betroffen von Abdullahs Leiden

Als Sandra die Übersetzung las, fühlte sie mit Abdullah. „Wie traurig muss er sein, dass er mit keinem über seine Nöte redet? Anscheinend hatte er niemanden, dem er sich anvertrauen konnte“, sagt die zweifache Mutter.

Aus dem arabischen Raum ist der Brief natürlich nicht nach Mülheim gekommen. Zwar legt eine Flaschenpost nicht selten viele tausend Kilometer zurück. Doch um zu dieser Schleuse zu kommen, hätte sie flußaufwärts schwimmen müssen – unmöglich.

Auch kann die Flaschenpost nicht allzu lange im Wasser getrieben haben. Der Orangensaft hatte eine Mindesthaltbarkeit bis zum 26. August 2017. Geht man von einem halben Jahr Haltbarkeit aus, wurde die Flasche im Februar gekauft.

* Eine wörtliche Wiedergabe des Schreibens ist laut Fach-Übersetzer unmöglich. Die Aufzeichnungen sind teilweise zu durcheinander, teilweise unleserlich. Deshalb beschränken wir uns auf eine sinngemäße Wiedergabe des Inhalts.

**Vollständiger Name der Redaktion bekannt.

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