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Mülheim: Mann hat etwas erreicht, wovon andere träumen

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Benjamin List, der seit 2003 in Mülheim arbeitet, ist etwas Unglaubliches gelungen. (Archivfotos) Foto: IMAGO / Gottfried Czepluch und IMAGO / UPI Photo

Mülheim hat ihn geprägt. Seit vielen Jahren arbeitet Benjamin List hier. Nun ist ihm etwas gelungen, was die allerwenigsten von sich behaupten können.

Gebürtig stammt Benjamin List aus Frankfurt am Main. Doch seine Karriere brachte ihn an das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung nach Mülheim.

Große Ehre für Mülheim: Benjamin List gewinnt den Nobelpreis für Chemie

Mülheim an der Ruhr ist keine Protzstadt. Bodenständige Menschen nennen die Stadt im Ruhrgebiet ihr zu Hause. Ein Anwohner beweist nun jedoch einmal mehr, was so mancher (Wahl-)Mülheimer auf dem Kasten hat.

Benjamin List stammt aus Frankfurt, hat sein Studium in Berlin absolviert und ist nach einem Forschungsaufenthalt in den USA nach Mülheim gekommen. 18 Jahre ist das bereits her. List trat 2003 eine Stelle am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung an. Zwei Jahre später, im Jahr 2005, wurde er dann sogar Direktor. Jetzt darf er sich als Nobelpreisträger bezeichnen.

Gemeinsam mit dem Briten David MacMillan wurde Benjamin List für die Entwicklung der asymmetrischen Organokatalyse mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Einfacher ausgedrückt bedeutet das, dass die beiden Männer Methoden zur Beschleunigung chemischer Reaktionen entwickelt haben. Damit haben sie einen entscheidenden Beitrag zur Medikamentenentwicklung geleistet, da das Verfahren hierbei eingesetzt werden kann. Teil der Begründung der Nobelpreis-Jury war auch, dass List und MacMillan die Chemie umweltfreundlicher gemacht hätten. Im wahrsten Sinne des Wortes eine saubere Leistung!

Wahl-Mülheimer Benjamin List erfuhr in einem Café von seinem Nobelpreis

„Ich bin immer noch ekstatisch“, erklärte Benjamin List nun gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Ich bin total happy. Wirklich extrem dankbar. Gefühle halt. Sehr, sehr, sehr schön.“ Kein Wunder, dass der 53-Jährige sein Glück kaum fassen kann. Immerhin gewinnt man nicht alle Tage einen Nobelpreis.

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Einige Fakten über die Stadt Mülheim an der Ruhr:

  • wurde 1093 erstmals urkundlich erwähnt, 1808 wurden die Stadtrechte verliehen
  • liegt zwischen Duisburg, Essen und Düsseldorf
  • hat 170.632 Einwohner (Stand: Dezember 2019), besteht aus neun Stadtteilen in drei Stadtbezirken
  • Oberbürgermeister ist Marc Buchholz (CDU)

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Er habe mit seiner Frau Sabine in einem Amsterdamer Café gesessen, als ihn am Mittwoch die Nachricht erreichte. „Die haben auf meinem Handy angerufen“, verrät er. „Als wir gerade bestellen wollten, sah ich auf dem Display so ‚Schweden‘. Ich guckte meine Frau an, wir lächelten uns ironisch an – ‚Haha, das ist der Anruf.‘ Als Witz. Aber dann war es wirklich der Anruf.“

Chemie-Nobelpreisträger Benjamin List aus Mülheim überlebte den Tsunami in Thailand

Dass List heute entspannt in einem Café sitzen und einen so wichtigen Anruf entgegennehmen kann, ist ein ein wahrhaftiges Wunder. Denn der Chemiker erlebte Weihnachten 2004 etwas, das ihn nachhaltig prägte. Benjamin List, seine Frau und die damals fünf und drei Jahre alten Söhnen überlebten einen Tsunami!

Sie saßen gerade am Swimming-Pool, als die Riesenwelle kam, berichtet List. Als die Welle über sie hereinbrach, wurden die vier auseinandergerissen, der Fünfjährige trug schwere Verletzungen davon. Ihren dreijährigen Sohn fand das Ehepaar erst am späten Abend in einem 100 Kilometer entfernten Krankenhaus wieder. Es sei ein unglaubliches Glück, dass alle vier Familienmitglieder die Katastrophe überlebt haben, so der Chemiker.

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Eine Aussage des Nobelpreisträgers aus Mülheim gegenüber der Deutschen Presseagentur bleibt besonders im Gedächtnis: „Was ich vor allem daraus mitgenommen habe, war dieses Gefühl zu wissen, worauf es wirklich ankommt im Leben. Und dass es eben nicht so wichtig ist, ob der Kollege A mich jetzt zitiert hat in seiner Arbeit oder welche Preise ich bekomme, sondern es ist eigentlich einfach, dass man gesund ist und dass die Familie da ist und es allen gut geht. Das ist eigentlich so, so, so viel wichtiger.“ (alp mit dpa)