Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: 20 Männer verwüsten Supermarkt und stechen auf Besitzer ein – der Grund schockiert

Hüseyin T. und Fadi O. aus Gelsenkirchen sollen einen Ladenbesitzer brutal verprügelt haben.
Hüseyin T. und Fadi O. aus Gelsenkirchen sollen einen Ladenbesitzer brutal verprügelt haben.
Foto: DER WESTEN/Nicolas Kaufmann

Gelsenkirchen. Angefangen hatte alles mit einem Streit um Pistazien. Dann stürmten zwei Männer im Juni 2018 gemeinsam mit einer Gruppe von zehn bis 20 Personen ein Lebensmittelgeschäft in Gelsenkirchen, verwüsteten es und verletzten den Ladenbesitzer mit Schlägen und Messerstichen schwer.

Vier weitere Personen sollen laut Anklage ebenfalls verletzt worden sein - und das angeblich nur wegen ein paar Nüssen.

Seit Dienstag müssen sich Hüseyin T. (47) und Fadi O. (41) wegen des Angriffs vor dem Gericht in Essen verantworten.

Gelsenkirchen: Männer verwüsten Supermarkt

Hauptangeklagter ist der 47-jährige Hüseyin T. Er soll nach einem Streit um eine Geldzahlung von Pistazien wenige Stunden später mit Verstärkung von zehn bis 20 Leuten erneut das Lebensmittelgeschäft aufgesucht haben.

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Hüseyin T. und der zweite Angeklagte, der vorbestrafte Fadi O., sollen der Anklage zufolge zusammen mit weiteren Personen den Ladenbesitzer geschlagen und getreten haben. Hüseyin T. soll außerdem mehrmals auf diesen eingestochen und ihm ins Gesicht getreten haben.

Der Ladenbesitzer erlitt tiefe Schnittverletzungen sowie Prellungen an Kopf und Beinen. Das Opfer verlor bei dem Überfall eine Fingerkuppe.

Todesdrohung nach Angriff

Nach dem Angriff hätten die Angeklagten dem Ladenbesitzer noch gedroht, ihm den Kopf abzuschlagen, sollte dieser die Polizei informieren.

Die Gruppe flüchtete anschließend aus dem Laden. Dabei gelang es auch zwei Personen, unerkannt zu bleiben, die maßgeblich an dem Angriff beteiligt gewesen seien sollen.

Angeklagte schweigen vorerst

Hüseyin T. und Fadi O. legten am vergangenen Dienstag kein Geständnis ab. Die beiden Familienväter mit Wurzeln in der Türkei und dem Libanon wollen sich zu einem späteren Zeitpunkt zu der Tat äußern. Hüseyin T. sagte bisher nur: „Ich schäme mich, dass wir uns hier befinden. Es kann sein, dass vor Gericht sehr viele Lügen gesagt werden, aber ich werde die Wahrheit sagen.“

Ladenbesitzer berichtet geschwächt von Angriff

Der angegriffene Ladenbesitzer (34) syrischer Abstammung berichtete vor Gericht zum Hintergrund der Auseinandersetzung. Er habe Pistazien im Wert von 200 Euro vom Angeklagten Hüseyin T. erworben, ihm jedoch zunächst nur 100 Euro gegeben. Die restlichen 100 Euro wollte er dem Hauptangeklagten zu einem späteren Zeitpunkt geben. Daraufhin sei Hüyesin T. ausgerastet, habe das Geld auf den Tresen geworfen und ihn beschimpft.

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Hüseyin T. soll sich brutal gerächt haben

Nach einer Schubserei habe er den Angeklagten aus seinem Laden geworfen, so das Angriffsopfer. Der soll gedroht haben: „Du wirst schon sehen.“ Kurz darauf habe der Zeuge mit Freunden in dem angrenzenden Hinterhof seines Geschäfts gesessen, als er plötzlich Krach aus seinem Laden hörte. Ein Angreifer sei mit einem Beil hereingestürmt. Ihm sei es noch gelungen, die Ladentür zu verschließen, so der Zeuge. 20 bis 30 Männer seien dann über den Hinterhof in sein Laden eingedrungen - darunter neben Hüseyin T. auch der Angeklagte Fadi O.

Hüseyin T. habe auf ihn gezeigt und befohlen, ihn „umzubringen“, erzählt das Angriffsopfer vor Gericht. Er stockt, unterbricht seine Worte. Der 34-Jährige benötige eine Minute, um fortzufahren. Dann erzählte er, sein Laden sei „voll mit Männern“ gewesen, von denen Zwei Beile gehabt hätten.

Mit Kunststoffschläger zu geschlagen

Im Hinterhof habe der Ladenbesitzer schließlich versucht, sich mit einem Stein zu schützen. Dann soll ein Angreifer ihn mit einem harten Kunststoffschläger auf den Kopf geschlagen haben. Er sei über den Hof geprügelt worden, sodass nach kurzer Zeit überall sein Blut verteilt gewesen wäre. Ein Mann mit Beil hätte versucht, das Opfer am Hals zu treffen.

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Auch als der Zeuge am Boden gelegen habe, sei Hüseyin T. nicht von ihm abgewichen, habe auf seinen Kopf eingetreten und ihn beschimpft. „Den Moment, wo ich am Boden lag, werde ich nie vergessen“, sagt er. Tatsächlich habe der Syrer um sein Leben gefürchtet. Auf ein Kommando verschwanden die Angreifer, die laut dem Geschädigten Arabisch sprachen.

Motiv bleibt unklar

Neben den Geld-Streitigkeiten könnte ein weiteres Motiv eine mögliche Konkurrenz zu dem Lebensmittelgeschäft von Hüseyins T. Bruder gewesen sein, vermutete das Gericht. Auch ein Vorfall, der sich etwa eine Woche vor dem Angriff ereignet hatte, könnte in Zusammenhang mit dem Angriff stehen:

Dort habe ein Mann vom Geschädigten 500 Euro gefordert, weil dieser während des Ramadans in dem Hinterhof seines Ladens etwas getrunken und eine Zigarette geraucht hatte.

Angriffsopfer lebt seit Angriff in Angst

Die Folgen durch den brutalen Angriff sind gravierend für den Lebensmittelmarkt-Betreiber. Sein Geschäft sei komplett zerstört gewesen, wobei er den Sachschaden auf circa 25.000 Euro schätzte.

Schlimmer seien für den 34-Jährigen allerdings seine Verletzungen. Seine linke Hand werde er laut eines Chirurgen nie wieder gerade ausstrecken können. Zudem habe das Angriffsopfer nicht nur seinen Laden aufgegeben, sondern sei auch aus Gelsenkirchen weggezogen. Alleine gehe der Mann seit dem Angriff nicht mehr vor die Tür - zu groß sei die Angst. (nk)

 
 

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