Essen

Amokfahrt in Silvesternacht in Bottrop und Essen: Andreas N. gesteht – „Habe wie ein Staubsauger alles unter mir eingesaugt“

Nach der Amokfahrt in der Silvesternacht durch Essen und Bottrop hat der Prozess gegen Andreas N. begonnen.
Nach der Amokfahrt in der Silvesternacht durch Essen und Bottrop hat der Prozess gegen Andreas N. begonnen.
Foto: DER WESTEN/Marcel Storch

Essen. Er raste durch das Ruhrgebiet mit nur einem Ziel. Andreas N. (50) wollte Menschen töten - Menschen mit Migrationshintergrund. Am Dienstag startete der Prozess gegen den 50-Jährigen vor dem Landgericht Essen. Zum zweiten Mal. Ein erster Prozess war im Sommer ausgesetzt worden, weil die Vorsitzende Richterin überraschend gestorben war.

Essen: Andreas N. raste in Silvesternacht durch Ruhrgebiet und wollte Migranten töten

Laut Staatsanwaltschaft soll Andreas N. in der Silvesternacht mit seinem Mercedes in Bottrop und Essen gezielt Jagd auf Menschen, die aus seiner Sicht Migrationshintergrund hatten, gemacht haben. Motiv: Fremdenfeindlichkeit.

In dem Sicherungsprozess geht es jedoch nicht um die Frage, ob Andreas N. wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu bestrafen ist, sondern ob der Angeklagte für die Allgemeinheit gefährlich ist und dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden muss.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Andreas N. aufgrund einer paranoiden Schizophrenie schuldunfähig war. Der Angeklagte leidet laut eigener Aussage an Wahnvorstellungen, wurde in der Vergangenheit etwa nackt randalierend aufgegriffen worden.

Verteidiger Andreas Renschler sagte gegenüber DER WESTEN: „Der Zustand meines Mandanten hat sich seit dem Vorfall deutlich gebessert. Er weiß, dass er krank ist, aber die Medikamente haben nicht geholfen.“

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Kaum noch Erinnerungen

Der Hartz4-Empfänger kann sich nur noch bruchstückhaft an die Taten erinnern. Er habe einen Freund in Bottrop am Silvesterabend besuchen wollen. Als er den nicht antraf, sei er zum ZOB in Bottrop gefahren, habe geparkt und laut die Musik in seinem Auto aufgerissen. „Dann hab ich den Platz beobachtet“, so der arbeitslose 50-Jährige. Anschließend setzte er sich wieder ins Auto und raste durch die Fußgängerzone.

Er habe gefürchtet, ein Anschlag mit einer Bombe würde passieren. Und er habe das verhindern wollen, so seine Begründung. „Es war wie ein Staubsauger, als hätte ich alles unter mit eingesaugt“, wiederholte er mehrfach. „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte“, beteuert der Angeklagte.

Angeklagter: „Hab nix mit Rechtsradikalismus zu tun“

Auch wenn auf seinem Handy Hitler-Bilder gefunden wurden, sei er nicht ausländerfeindlich: „Das hat mir ein Bekannter geschickt. Aber auf so einen Scheiß hab ich nicht reagiert. Ich bin der liebste Mensch, habe nix mit Rechtsradikalismus zu tun.“

Das hörte sich in der anschließenden Vernehmung einer der Mordermittler ein wenig anders an. In der Vernehmung bei der Polizei habe er von „Kanaken“ und „Golums“, von „Kopftuch mit Kindern“ und „Afghanen“, von denen er den Bereich „reinigen“ wollte. Auch habe er nach seiner Festnahme dem Haftrichter die Zunge rausgestreckt und sei bei einer Vernehmung auf Polizisten losgegangen.

Amokfahrer verletzte 14 Personen

Bei der Amokfahrt an Silvester waren insgesamt 14 Personen verletzt worden. N. war gegen 23.30 Uhr auf dem Pferdemarkt in Bottrop in die erste Menschengruppe gefahren. Kurz nach Mitternacht raste N. über den Berliner Platz und anschließend in Essen in eine wartende Menschengruppe gefahren.

Wenig später wurde seine Fahrt durch die Polizei beendet. Eine 46-Jährige wurde in Bottrop gleich zweimal von dem Auto überrollt. Sie konnte nur dank einer Not-OP gerettet werden.

 
 

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