Essen

Spahn-Aussagen machen sie wütend – Kult-Kassiererin Maurike Maaßen: „Er spielt Verkäufer und Menschen mit Hartz-IV gegeneinander aus!“

Jens Spahns Hartz-IV-Aussagen sorgen bei Maurike Maaßen für Kopfschütteln.
Jens Spahns Hartz-IV-Aussagen sorgen bei Maurike Maaßen für Kopfschütteln.
Foto: Peter Sieben, imago/phototek, Montage: DER WESTEN
  • Deutschlands bekannteste Verkäuferin wütend über Spahn-Aussagen
  • „Verkäufer bekommen zu wenig, aber Hartz-IV-ler sicher auch!“
  • Einzelhandel wird ihr zu wenig wertgeschätzt

Essen. Eine Verkäuferin hat weniger als jemand, der den Hartz-IV-Satz bekommt. Mit dieser Aussage hatte Jens Spahn zuletzt für Aufregung gesorgt. Maurike Maaßen ist Deutschlands wohl bekannteste Verkäuferin. Sie findet: „Was Jens Spahn erzählt, ist Humbug!“

Die Kassiererin aus Essen-Altendorf bringen die Aussagen des neuen CDU-Gesundheitsministers ordentlich auf die Palme: „Er versucht Verkäufer und Menschen mit Hartz-IV gegeneinander auszuspielen. Wir Verkäufer bekommen zu wenig, aber auch Menschen mit Hartz-IV bekommen sicher nicht zu viel, sondern zu wenig!“

Bekanntheit hatte Maaßen erlangt, als sie im Januar letzten Jahres bei Anne Will SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz ordentlich in Bedrängnis gebracht hatte. Die Gewerkschafterin war ehemaliges SPD-Mitglied.

Aus Enttäuschung über die Politik der Partei war sie dann aber ausgetreten. Schulz hatte der Verkäuferin versprochen, dass er sie in Essen besuchen würde und das dann vor der Wahl auch gemacht.

Neue TV-Anfragen abgelehnt

Der Rummel um ihre Person hat sich seither wieder etwas gelegt. „Ich hatte wieder eine Anfrage, ob ich nicht zum Thema Tafel mit Jens Spahn diskutieren würde.“

Doch sie lehnte ab: „ Ich bin mir nicht sicher, ob das gut gehen würde. Ich weiß nicht, ob ich da noch ruhig und sachlich bleiben könnte. Mit Martin Schulz konnte man vernünftig reden, aber die Art und Weise wie Jens Spahn sich gibt und was er redet - das würde nicht gut gehen. Was Schlimmeres hätte uns als Gesundheitsminister nicht passieren können.“

Auch mit Blick auf den Tafelstreit kritisiert sie den CDU-Mann: „Da werden auch wieder Deutsche und Ausländer gegeneinander ausgespielt. Es sind doch alles bedürftige Menschen. Alle gehen dahin, weil sie nicht anders können.“

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1500 brutto verdient die Essenerin für 24 Stunden Arbeit die Woche an der Kasse eines Discounters. „Ich würde gerne mehr arbeiten, aber es gibt fast keine Vollzeitstellen in unserer Branche.“

Sie sieht das Problem vor allem darin, dass im Discounterbereich die meisten nur Teilzeit oder gar geringfügig beschäftigt werden. Viele Verkäufer hätten deshalb zwei Jobs, weil sie mit dem Geld aus einem nicht über die Runden kommen, so die Gewerkschafterin.

„Einzelhandel wird nicht wertgeschätzt!“

Deshalb setzt sie sich für besseren Lohn in ihrer Branche ein. Aber nicht nur die ungerechte Bezahlung, auch das Verhalten so mancher Kunden macht sie traurig. „Der Einzelhandel wird von der Gesellschaft nicht wertgeschätzt.“

Manche Kunden würden zwar schon mal sagen: „Euren Job würde ich nicht gerne machen, weil er so hart ist.“ Aber bei vielen vermisst sie die Wertschätzung. Maaßen arbeitet seit 16 Jahren schon als Kassiererin. Sie hat ihn sich ausgesucht: „Ich mache es gerne und möchte auch nichts anderes machen.“

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