Essen

Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet: Angeklagter wirft seinem Freund völlig überraschend ein Verbrechen vor – es kam noch nie zur Sprache

Prozess um mutmaßliche Gruppenvergewaligungen im Ruhrgebiet: Seit dem 13. Juli müssen sich fünf junge Angeklagte vor dem Landgericht Essen verantworten.
Prozess um mutmaßliche Gruppenvergewaligungen im Ruhrgebiet: Seit dem 13. Juli müssen sich fünf junge Angeklagte vor dem Landgericht Essen verantworten.
Foto: Daniel Sobolewski / DER WESTEN

Essen. Im Whatsapp-Chat nannten sie ihn „Abu Scorpion“: „Er ist bester Mann, Antonio ist krank, leg dich nicht mit ihm an".

Ausgerechnet Antonio H. soll der „Big Boss“ der Gruppe gewesen sein, die jahrelang Schülerinnen mit perfiden Tricks zum Sex zwang: H. ist gerade einmal 17 Jahre alt, er ist der jüngste der fünf Angeklagten, die sich seit dem 13. Juli vor dem Landgericht Essen wegen Vergewaltigung, Nötigung und Körperverletzung verantworten müssen.

Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet: Überraschender Vorwurf

Laut Anklage fuhren die fünf in je wechselnden Besetzungen mit Mädchen an abgelegene Orte, nahmen ihnen die Handys ab und nötigten sie zu sexuellen Handlungen.

Joshua E. hatte in seiner Einlassung am ersten Verhandlungstag im Prozess um die mutmaßlichen Gruppenvergewaltigungen behauptet, Antonio H. sei der Anführer der Gruppe und bei den Taten federführend gewesen.

H. bestritt das seinerseits am Montagmorgen vor dem Landgericht Essen - und wirft Joshua E. überraschend eine bislang unbekannte Straftat vor: „Er hat schon vor drei Jahren ein Sinti-Mädchen aus Dortmund mit dem Auto in den Wald gefahren, ihm das Handy abgenommen und gesagt: Du machst, was ich sage, oder ich schmeiße dich hier raus.“

Antonio H. geriert sich als Mitläufer: „Wobei habe ich da mitgemacht?“

Die Verteidigung von E. schaltete sich sogleich ein: "Auch als Hinweis an die Kollegen: Das ist der Vorwurf einer Straftat, damit sollte man vorsichtig sein."

Ähnlich wie Joshua E. stellte sich Antonio H. eher als Mitläufer dar. Er habe ein schlechtes Bauchgefühl bei den Taten gehabt. Erregt sei er nie gewesen und abends im Bett habe er gedacht: „Wobei hab ich da mitgemacht?“

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Der Vorsitzende Richter hielt ihm daraufhin Details aus der Whatsapp-Gruppe vor, über die die fünf sich zu den Taten verabredet haben sollen.

Chatverläufe: Mutmaßliche Täter bewerteten ihre Opfer

In den Gesprächsverläufen bewerten die jungen Männer ihre Opfer und reden auf unangenehme Weise über das, was die Mädchen tun mussten. Über Details berichten wir an dieser Stelle aus Rücksicht auf die Opfer nicht. Was die Chats aber nahelegen: Die jungen Männer hatten durchaus Spaß an den Handlungen, feierten sich dafür selbst.

Die Vorhaltungen des Richters brachten den Angeklagten unter Druck. Sein Verteidiger Roland Rautenburger unterbrach ihn schließlich: „Mein Mandant hat ja nun bereits viel dazu gesagt. Vielleicht legt die WhatsApp-Gruppe etwas anderes nahe. Er kann dazu jetzt nichts mehr sagen."

 
 

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