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Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet – Ehemalige Lehrer beschreiben Antonio H. als katastrophalen Schüler

Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet – Ehemalige Lehrer beschreiben Antonio H. als katastrophalen Schüler

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Foto: Peter Sieben

Essen. 

„Wir hatten mehrere schwierige Schüler, aber er war für uns alle eine sehr große Herausforderung.“ Wenn die Lehrerin einer Förderschule so über einen ehemaligen Zögling spricht, muss es sich um einen wirklichen Katastrophen-Schüler handeln.

Beim Prozess wegen der Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet, der am Dienstag fortgesetzt wurde, war die Rede von Antonio H. Er ist einer der fünf Angeklagten, der bereits gestanden hat, mehrfach Schülerinnen mit einer perfiden Masche in ein Auto gelockt, in einen Wald gefahren und dort zum Sex gezwungen zu haben.

Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet: Lehrer beschreiben Antonio H. als katastrophalen Schüler

Bereits zuvor war die Biografie von H. im Prozess thematisiert worden. Am Dienstag gaben seine beiden ehemaligen Klassenlehrer an der Antoniusschule in Gelsenkirchen einen Einblick in H.s alltägliches Verhalten.

Schnell wurde dabei klar: Von Schule hielt Antonio H. nicht viel. Er war ein Chaot – wenn er überhaupt anwesend war. Beide Lehrkräfte gaben an, extreme Probleme mit ihm gehabt zu haben.

Er habe keine Lust gehabt, viel Blödsinn gemacht und wäre zudem sehr aufbrausend gewesen.

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Immer wieder ließ er Konfrontationen und Diskussionen um kleinste Dinge eskalieren. Dann wurde er wütend, bedrohte und beleidigte seine Lehrer und Mitschüler mit entwürdigenden Beschimpfungen. „Es gab täglich Konflikte“, berichten beide Lehrer.

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Ein verstörendes Beispiel verlas der Vorsitzende Richter Volker Uhlenbrock aus der Akte: Einmal sei H. nur gebeten worden, seinen Tisch anders hinzustellen. Da zerriss er seine Arbeitsblätter und verließ unerlaubt den Klassenraum.

Als er 20 Minuten später zurückkehrte und Besserung gelobigte, war er nur Sekunden später aus dem gleichen Grund wieder auf der Palme. Er machte obszöne sexuelle Gesten in Richtung der Lehrerin, inszenierte mit einer Klopapier-Rolle ein „Hintern abwischen“ und legte die Rolle anschließend auf das Lehrerpult. Offenbar kamen ähnliche Dinge häufig vor.

Angeklagter Antonio H. begrapschte Mitschülerinnen

Mit Bezug auf die vorgeworfenen Gruppenvergewaltigungen besonders erwähnenswert: Neben unzähligen Ausrastern fiel Antonio H. auch mehrmals auf, weil er älteren Schülerinnen an das Gesäß grapschte.

Sein Co-Klassenlehrer sagte zudem aus, dass er als Mann eine deutlich höhere Akzeptanz bei H. genoss als die Lehrerinnen. Ermahnungen, Strafen, Einzelbeschulung oder Suspendierung – keine Maßnahme schien bei Antonio H. jedoch zu fruchten.

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Irgendwann hatten die Lehrer dann keinen Ärger mehr mit Antonio H. Jedoch nicht, weil er sich gebessert hatte, sondern einfach, weil er nicht mehr hinging. 2017 sollte er seinen Abschluss machen, da hatte er sich jedoch bereits seit zwei Jahren nicht mehr blicken lassen. Auch zuvor waren Fehlstunden an der Tagesordnung.

In unzähligen Gesprächen mit den Erziehungsberechtigten wurde H. von seiner Mutter und seinen Großeltern vehement verteidigt. Dabei wurden auch diese des Öfteren beleidigend, seine Mutter hatte zeitweise sogar Hausverbot, nachdem sie mehrfach den Klassenraum gestürmt und gegen Maßnahmen gegen ihren Sohn protestiert hatte.

Antonio H. hörte sich die grausige Zusammenfassung seiner schulischen Laufbahn nahezu reaktionslos an. Er war mit dem Stuhl bis zur Wand zurückgerückt, senkte oft den Kopf – offenbar schämte er sich schon ein wenig.