Essen

Eitelkeit und Aufreißer-Sportsgeist: Wie die Angeklagten im Gruppenvergewaltigungs-Prozess ticken

Gruppenvergewaltigungs-Prozess: Jüngester Beschuldigter bezeichnete sich als Big Boss

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Essen. Wenn in den Whatsapp-Chats die Rede von Frauen war, dann ging es nicht um Menschen. Es ging um Wesen, die man jagen muss. Die man zum Sex benutzen kann.

„Die Jungs haben darüber geredet, welche Mädchen sie besorgen wollen“, sagte der Mitangeklagte Joshua E. vor dem Landgericht Essen. Am Freitag startete der Prozess um die Gruppenvergewaltigungen gegen ihn und vier weitere Angeklagte im Alter von 17 bis 24 Jahren: Gianni H. (19), Dean Martin L. (18), Enrico F. (24) und den minderjährigen A. H.

Gruppenvergewaltigungen: Die jungen Männer planten die Taten in Whatsapp-Gruppen

Sie sollen zwischen August 2016 und Januar 2018 immer wieder Schülerinnen in entlegene Waldstücke gelockt und sie dann zum Sex gezwungen haben.

Die Taten planten sie zuvor in zwei Whatsapp-Gruppen. „Spinnen GE“ heißt eine. „Weil die Jungs alle dünn sind. Wie Spinnen“, erklärt Joshua E.

Widerliches Codewort: „Den Skorpion machen“

Den kryptischen Namen „Scorpion MC 1%“ trägt die andere Gruppe. „Den Skorpion machen“, nannten die fünf Jungen das, was sie in der Gruppe planten.

Dabei ging es darum, ein Mädchen zu finden, das bereit ist, Geschlechtsverkehr mit ihnen zu haben - oder das gezwungen werden soll, falls es nicht bereit ist. Joshua E. spricht das Wort jedes Mal zögerlich, fast verschämt aus: Geschlechtsverkehr.

Erst Sex, „dann fahre ich dich nach Hause“

Ja, er schäme sich, sagt er jetzt. Wenn die Mädchen bitterlich geweint hätten, als ihnen im Wald klar wurde, was ihnen nun bevorsteht, da habe er schon gemerkt: „Das ist falsch. Da stimmt was nicht.“ Er habe einfach zu den Jungs dazugehören wollen, wie er immer wieder betont.

Gruppenvergewaltigungs-Prozess am Essener Landgericht

Gruppenvergewaltigungs-Prozess am Essener Landgericht

Den Geschlechtsverkehr hat er dennoch mitgemacht. In einem Fall hat er sich nach dem Sex sogar nochmal oral befriedigen lassen. „Dann fahre ich dich auch nach Hause. Versprochen“, habe er zu den Mädchen gesagt, denen er und die anderen vorher das Handy abgenommen hatten.

Gruppenvergewaltigung: Kaltblütigkeit ist schwer nachvollziehbar

Die Kaltblütigkeit während der Taten ist schwer nachzuvollziehen. Es ist schwer zu erklären, warum die Jungen die wehrlosen Mädchen immer wieder zum Sex zwangen, obwohl sie weinten, obwohl sie flehten.

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Eine Mischung aus unbedingtem Willen zur Lustbefriedigung, aus Machtkampf, Gruppendruck und einer bizarren Art von Aufreißer-Sportsgeist scheint es gewesen zu sein, die die jungen Männer angetrieben hat.

Glaubt man Joshua E., dann war es ausgerechnet der Jüngste der Angeklagten, der die Taten besonders forcierte. Bei der ersten Tat war er 15 Jahre alt.

„Big Boss“ kannte den „Trick“

„Erst der Big Boss“, habe er immer gesagt, weil er als erster aus der Gruppe Sex mit den Mädchen wollte. Wenn die Jungen zögerten, habe er sie zum Weitermachen überredet.

Er sei es auch gewesen, der den „Trick“ kannte, wie Joshua sagt: Wenn klar wurde, dass die Mädchen nicht freiwillig Sex haben wollen würden, sagte er zu den anderen auf Romanes, der Sprache der Sinti: „Macht den Trick!“ Dann nahmen sie den Mädchen die Handys ab und drohten, sie allein im Wald weit weg von zuhause auszusetzen, wenn sie sich nicht fügten.

Anwalt von Dean Martin L. : "Müssen differenzieren zwischen Tathandlungen und freiwilligen Situationen"

Am Freitag ist vor dem Landgericht Essen der Prozess gegen fünf Männer wegen des Vorwurfs mehrerer Gruppenvergewaltigungen gestartet.
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Eine „sexy time“ habe das der „Big Boss“ genannt. Zumindest scheint er besonders aggressiv agiert zu haben, wenn nach man der Anklageschrift geht.

„Ich kann dich totprügeln“

„Ich kann dich auch umbringen. Ich kann dich totprügeln“, sagte er demnach zu einem Mädchen, weil es sich zunächst verweigert hatte. „Ich hab schon andere Mädchen weinen sehen, das macht mich nur aggressiv.“

„Besorgen“ sollte meist Dean Martin L. die Mädchen. Er sitzt in strahlend weißem Hemd auf der Anklagebank, fährt sich immer wieder mit der Hand durch die gegelte Haartolle. Meist schaut er zu Boden. Dann erzählt Joshua E., wie er einmal zu einem Mädchen gesagt habe: „Warum gibst du dich mit dem Dean ab? Du bist doch ein hübsches Mädchen“. L. lacht verächtlich, fühlt sich offenbar gekränkt.

Dean Martin L. kannte die Mädchen

Schließlich ist er es, der all die Mädchen kennt, die die anderen auch wollen, wie man am Rande des Prozesses erzählt.

Auch Eitelkeit spielt eine Rolle. Joshua erzählt, wie eines der Mädchen gesagt habe, seine Wimpern seien so schön – kurz bevor es gezwungen wurde, ihn oral zu befriedigen.

„Man zwingt keine Mädchen zum Sex“, sagt er jetzt. Doch während die Schülerinnen weinend im Auto sitzen mussten und zu Dingen gezwungen wurden, die sie nicht wollten, hatte keiner der Jungen diese Erkenntnis.

 
 

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