Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen hat geheiratet

„Ja-Wort“ im Partner-Look: Thomas Kufen und sein Partner David Lüngen trugen bei der Eheschließung die gleiche Krawatte und Sakkos mit gleichem, dezenten Karomuster.
„Ja-Wort“ im Partner-Look: Thomas Kufen und sein Partner David Lüngen trugen bei der Eheschließung die gleiche Krawatte und Sakkos mit gleichem, dezenten Karomuster.
Foto: Privat
Thomas Kufen hat geheiratet: Der Oberbürgermeister von Essen hat seinem langjährigen Partner David Lüngen am Samstag das Ja-Wort gegeben.

Essen.. Im engsten Familienkreis hat am Samstag Oberbürgermeister Thomas Kufen (42) seinen Partner David Lüngen (35) geheiratet. Das teilte Kufens Sprecher Richard Röhrhoff am Sonntagnachmittag mit. „Begründung einer Lebenspartnerschaft“ – so nennt man eine Eheschließung bei Homosexuellen, die rechtlich der Ehe von Mann und Frau ähnelt.

Kufen und Lüngen heirateten einen Tag vor Nikolaus in Heiligenhaus. „Die Trauung nahm Bürgermeister Jan Heinisch vor, der mit dem Paar seit Jahren verbunden ist“, berichtet Röhrhoff. Lüngen ist ebenfalls Christdemokrat und kommunalpolitisch aktiv, er arbeitet als Kultur- und Sozialdezernent für die rheinische Stadt Erftstadt. Kufen und Lüngen hatten sich vor genau elf Jahren am 6. Dezember kennengelernt. „Deshalb haben sie für die Begründung ihrer Lebenspartnerschaft diesen Termin ausgesucht“, erklärt Röhrhoff. Beide leben in einem gemeinsamen Haushalt.

Bürgermeister von Heiligenhaus traute das Paar

Kufen hatte – besonders im Wahlkampf in diesem Jahr – nie einen Hehl aus seiner Homosexualität gemacht. Bei politischen Terminen sah man Kufen wiederholt zusammen mit seinem Partner. Nichtsdestrotrotz hatte Kufen es vermieden, seine geschlechtliche Orientierung an die große Glocke zu hängen.

Erstmals hat er im vergangenen Mai öffentlich das Private durchblicken lassen, als er bei einer CDU Veranstaltung nach seinem Familienstand befragt wurde. Er antwortete zwar „ledig“, schob dann aber augenzwinkernd hinterher: „Mein Freund sagt, ich soll nicht immer ledig sagen, um nicht falsche Hoffnungen zu wecken.“

Kufens Sprecher Röhrhoff erklärte am Sonntag, man wolle die Nachricht der Lebenspartnerschaft jetzt öffentlich bekannt geben, „damit jene, die bei der Feier waren, auch ganz normal darüber reden können“. Nach der Zeremonie feierten Kufen und Lüngen mit ihren Familien im Borbecker Restaurant „Gummersbach“. Weitere Details wollte Röhrhoff nicht nennen: „Der Rest ist privat.“

Trotzdem gab es einen kleinen Kreis von Eingeweihten. Christian Stratmann zum Beispiel, der Prinzipal des Mondpalastes in Wanne-Eickel, der für die Essener FDP als OB-Kandidat ins Rennen gegangen war und sich seit Jahren zu seiner Homosexualität bekennt, erklärte am Sonntag auf Anfrage: „Ich finde das toll und gratuliere Thomas Kufen und seinem Lebensgefährten zu diesem Schritt.“

Obwohl gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften inzwischen alltäglich sind, nennt Stratmann das Ja-Wort des Oberbürgermeisters eine „mutige Entscheidung“. Außerdem sei der Zeitpunkt für die Trauung – erst nach der erfolgreichen OB-Wahl – „absolut richtig gewählt“.

Bundes-CDU hat sich wiederholt gegen Homo-Ehe ausgesprochen

Einerseits hat sich die Öffentlichkeit längst an homosexuelle Politiker gewöhnt: Vor 14 Jahren war es der Berliner Politiker und spätere Bürgermeister Klaus Wowereit mit seinem berühmten Satz: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“ Auch der damalige Außenminister Guido Westerwelle bekannte sich zu seiner sexuellen Orientierung. Andererseits hat sich die Bundes-CDU mit Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze wiederholt gegen die Homo-Ehe ausgesprochen.

 
 

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