Essen: Mietpreis-Explosion im Ruhrgebiet – Immobilien-Experte: „So schlimm noch nicht erlebt“

In Essen eine Wohnung zu finden ist gar nicht so einfach. (Symbolbild)
In Essen eine Wohnung zu finden ist gar nicht so einfach. (Symbolbild)
Foto: imago images/Rupert Oberhäuser

Hohe Mietpreise in NRW erschweren die Wohnungssuche. Das bekommen auch die Menschen in Essen zu spüren...

DER WESTEN hat mit einem Betroffenen aus Essen geredet, der zeitgleich Immobilien-Experte ist. Sven Zocher, unter anderem Dozent der Immobilienwirtschaft, spricht von einem Markt, den er so auch noch nicht erlebt hat.

Essen: Hohe Mietpreise lassen Wohnungssuchende verzweifeln

Wie verzweifelt die Lage aktuell ist, zeigt schon ein kurzer Blick auf die großen Onlineportale wie Ebay Kleinanzeigen, Immoscout und Immowelt.

Bereits in der Überschrift von Anzeigen auf Ebay-Kleinanzeigen wird betont, dass die Wohnungssuche „dringend“ ist. Viele Suchende sind in ihrer Ratlosigkeit sogar bereit, schon alleine für Tipps zu zahlen. Und zwar stattliche Summen von bis zu 1.000 Euro.

Sven Zocher, WEG-Verwalter und Dozent der Immobilienwirtschaft bei der Sparkassenakademie in Dortmund, kennt den Grund: „Im Moment ist es eine Katastrophe! Als Vermieter kannst du dir fast jeden Preis erlauben. Sehr hohe Preise vor allem bei den großen Wohnungen ist Gang-und-Gebe.“

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Entwicklung des Mietpreisspiegel für Essen von 2011 - 2021*:

  • 30m2-Wohnung: 6,71 Euro (2011), 10,33 Euro (2016), 9,23 Euro (2020)
  • 60m2-Wohnung: 5,38 Euro (2011), 6,78 Euro (2016), 7,33 Euro (2020)
  • 100m2-Wohnung: 5,80 Euro (2011), 7,57 Euro (2016), 8,10 Euro (2020)

* Quelle: www.wohnungsboerse.net, Berechnung erfolgt in Euro pro Quadratmeter

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Er und seine Frau wollen sich ebenfalls mit ihren drei Kindern räumlich verändern. Die Familie ist zwar in Essen auf der Suche nach einem Haus, wo die Situation noch schlimmer sei, aber selbst bei Wohnungen ab vier Zimmern und einer Größe ab ca. 90 Quadratmetern, sei kaum etwas bezahlbares zu finden. Selbst nach 15 Jahren Berufserfahrung als Makler ist der 42-Jährige sprachlos: „Es ist ein echt krasser Markt derzeit, das habe ich so schlimm auch noch nicht erlebt.“

Immobilien-Experte sieht Schuld bei der Politik

Zocher sieht hinsichtlich der steigenden Mieten auch für die nächsten Jahre noch schwarz und gibt vor allem der Politik die Schuld: „Ich befürchte, dass es noch länger anhält. Weil von Seiten der Politik nicht so viel gemacht wird, was Neubauten und Förderungen anbelangt. Es gibt Förderungen, aber die sind aus meiner Sicht nicht so zielführend.“

Laut dem Dozenten für Immobilienwirtschaft liege daher das Problem vor allem darin, dass das Angebot an Wohnungen der hohen Nachfrage nicht gerecht werde. Das sieht auch Siw Mammitzsch, Geschäftsführerin der Mietergemeinschaft Essen, so: „Es gibt kaum leerstehenden Wohnraum. Das zeigt deutlich, dass es zu wenig zur Verfügung stehende Wohnungen gibt.“

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Und weiter: „Es wird sehr fleißig gebaut im Moment in Essen. Allerdings stellt sich dann die Frage, in welchem Marktsegment gebaut wird. Und das findet nach wie vor zum überwiegenden Teil eher in den höher preisigen Segmenten statt. Und nicht in denen, wo wir es ganz dringend brauchen, also da, wo es einen massiven Wohnungsmangel bei den bezahlbaren Wohnungen gibt.“

Auch die Rückmeldung vieler Essener bei den Mietervereinen spiegle das wider. An eine zeitnahe Entspannung der Mietpreise glaube Mammitzsch nicht.