Duisburg

Duisburg: Schlimme Vorwürfe gegen Lehrer – Schüler sollen ein Gedicht auf „kanakisch“ verfassen

Von METIN GÜLMEN und ALEXANDER KEßEL
Warum heißt Duisburgs Stadtteil Marxloh eigentlich Marxloh?

Warum heißt Duisburgs Stadtteil Marxloh eigentlich Marxloh?

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Duisburg. Übler Vorfall an einer Schule in Duisburg. Gerade in der Ruhrpott-Stadt sollte der Einklang verschiedener Kulturen und Toleranz doch eigentlich im Vordergrund stehen.

Denn fast jeder fünfte Bürger in Duisburg hat Wurzeln im Ausland. Man sollte meinen, dass diese Vielfalt auch an Schulen gelebt wird.

Was aber die Schüler am Krupp-Gymnasium im Stadtteil Rheinhausen als „Aufgabe“ im Unterricht vorgesetzt bekamen, macht sprachlos. Denn eine der Übungen bestand darin, ein Gedicht auf „kanakisch“ zu schreiben!

Duisburg: Schüler sollen Gedicht auf „kanakisch“ schreiben

Das Aufgabenblatt liegt DER WESTEN vor. Zu lesen ist unter der Überschrift „Hänsel und Gretel auf Kanakisch“ ein Gedicht, das alle Stereotypen und Vorurteile gegenüber Türken und türkischstämmigen Deutschen erfüllen will. So bilden Murat und Aische das Gegenbild zu Hänsel und Gretel, statt Kuchen und Süßigkeiten gibt es für die Protagonisten der Geschichte Döner.

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Das ist die Stadt Duisburg:

  • frühste schriftliche Erwähnung im Jahr 883
  • fünftgrößte Stadt in NRW, besteht aus sieben Stadtbezirken, hat rund 496.000 Einwohner (Stand: Dezember 2020)
  • Duisburger Hafen gilt als größter Binnenhafen der Welt
  • fast ein Drittel des in Deutschland erzeugten Roheisens stammen aus den acht Duisburger Hochöfen
  • Sehenswürdigkeiten unter anderen: Landschaftspark Duisburg-Nord, Tiger & Turtle – Magic Mountain, Sechs-Seen-Platte
  • Oberbürgermeister ist Sören Link (SPD)

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Die Sprache: vulgär. Hier einige Sätze: „Ey scheissse, oder was?! Hast du konkrete Plan, wo wir sind, oder was!? – Ne scheissse, aber isch rieche Dönerbude!“

Ebenfalls auffällig: Murat ist frauenfeindlich, er und Aische sind zudem auffällig dumm, können kein Deutsch. Bedient das Gymnasium demnach rassistische Lerninhalte, um die Schüler, die später die deutsche Universitäten besuchen und als Leistungsträger der Gesellschaft gelten, zu unterrichten? Wird damit den Jugendlichen kein abwertendes Bild von Türken und anderen Minderheiten vermittelt?

Duisburg: Schule verweist auf Bezirksregierung Düsseldorf und distanziert sich von Rassismus

DER WESTEN hat die Schulleitung des Krupp-Gymnasiums direkt konfrontiert. Schulleiterin Benedikte Herrmann verweist auf die Bezirksregierung Düsseldorf, die öffentlich zu Lerninhalten Stellung beziehen würde.

Inzwischen hat die Schule aber eine allgemeine Stellungnahme veröffentlicht, in der man sich von jeder Form von Rassismus distanziere: „Wie in der Vergangenheit so auch in Zukunft steht und lebt das Krupp-Gymnasium die europäischen Werte von Freiheit und Einheit in Vielfalt. Dazu gehört für uns auch ein respektvoller Umgang, eine positive Fehlerkultur und der Austausch aller in der Schulgemeinde auf Augenhöhe. Dafür stehen wir!“

Eine Sprecherin der Bezirksregierung hat auf unsere Nachfrage geantwortet. Sie erklärt die Tatsache, dass dieser Text im Unterricht bearbeitet wurde, so: „Der parodistisch angelegte Text wurde im Deutschunterricht für 9. Klassen als zusätzliches Material im Rahmen der Unterrichtsreihe 'Nachdenken über Sprache – Sprachgebrauch, Sprachwandel, Sprachkritik' eingesetzt. Themen der Reihe waren Anglizismen, regionale Dialekte, Jugendsprache als Soziolekt, sowie Kiezdeutsch als Beispiel für einen Ethnolekt. Auf Anregung aus der Schülerschaft wurde als Ethnolekt auch über Formulierungen aus dem sogenannten 'Kanakischen' gesprochen, die Eingang in die Jugendsprache gefunden haben. In diesem Zusammenhang wurde die Parodie gemeinsam in der Klasse gelesen.“

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Und weiter: „Die Lehrkraft und die Schulleitung bedauern, dass der Text Unmut und Irritationen ausgelöst hat sowie als diskriminierend empfunden wurde. Die Schulaufsicht missbilligt den Einsatz des Textes. Der Text wurde im Vorfeld insbesondere im Hinblick auf die Schülerschaft mit hohen Anteil von Familien mit Migrationshintergrund nicht ausreichend auf die möglichen Wirkungen hinterfragt. Der Text wird für den Einsatz im Unterricht als ungeeignet angesehen und zukünftig nicht mehr verwandt. Zu den Irritationen beigetragen hat die Tatsache, dass der Text nicht als Parodie und nicht im Gesamtkontext der Unterrichtseinheit wahrgenommen wurde.“ Konsequenzen für die Lehrkraft werde es keine geben.

Duisburg: Integrationsratsvorsitzender erbost über Schulaufsicht – „Text ist maximal rassistisch“

Immerhin: Die Schulaufsicht erkennt einen Fehler! Für Hasan Tuncer (31) ist diese Ausführung zu wenig. Er ist selbst türkischer Abstammung, ist Ruhrpottler durch und durch, zudem Vorsitzender im Integrationsrat der Stadt Mülheim. Tuncer gegenüber DER WESTEN: „Dieser Text ist maximal rassistisch und von Vorurteilen geprägt. Beim Lesen habe ich an 'Erkan und Stefan' gedacht. Beide imitieren den Jargon junger Eingewanderter, wobei niemand, den ich kenne, ansatzweise so spricht. Der Text unterstellt Migranten pauschal Sexismus und Dummheit.“

„Solche Texte, die Stereotypen bestärken, sind rassistisch und entwürdigend, weil das Wort 'Kanake' in der Gesellschaft zur Herabsetzung von Türken, Arabern oder anderen Jugendlichen verwendet wird und diese Bevölkerungsgruppen bis heute nicht vollständig akzeptiert werden. Hier bestärken wir diejenigen, die ohnehin schon Menschen anderer Herkunft nicht akzeptieren. Da sollte man in den Schulen das Gegenteil lehren und Jugendlichen zeigen, dass Sprache essenziell ist und dass man aufpassen sollte, wie man Dinge formuliert. Das Wort Kanake hat immer das Ziel, Menschen zu erniedrigen und als fremd zu bezeichnen.“

Bleibt zu hoffen, dass dieser Text wirklich nicht mehr im Unterricht eingesetzt wird. Besonders im Interesse der vielen Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund.

Trotz Kinderpornos – Lehrer aus Duisburg darf jahrelang Kinder unterrichten

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