Dortmund

Jetzt spricht die Ex-Freundin des BVB-Bombers: Sergej W. drohte ihr immer wieder mit Selbstmord

Am Mittwoch sagte die Ex-Freundin von BVB-Bomber Sergej W. am Landgericht Dortmund aus.
Am Mittwoch sagte die Ex-Freundin von BVB-Bomber Sergej W. am Landgericht Dortmund aus.
Foto: dpa

Dortmund. Schüchtern, fast ängstlich betritt Rebecca R. (22) den Saal des Dortmunder Landgerichts. Ein kurzer Blick zu Sergej W., dann setzt sie sich auf ihren Platz. W. schaut nur kurz hoch, dann wird er sie nicht mehr anschauen.

Schwierigkeiten in Beziehung

Es habe oft Schwierigkeiten in ihrer gut dreijährigen Beziehung gegeben, sagt die 22-Jährige zu Beginn ihrer Aussage. Sergej W. sei sehr zurückhaltend, übermäßig penibel, habe Angst vor Menschen, Angst nach draußen zu gehen, sei deswegen auch in psychiatrischer Behandlung.

Für sie sei das sehr schwer gewesen: „Ich habe den Kontakt zu Freunden verloren."

Konnte nicht nach Hause

Doch die Beziehung zu W. sei ihre einzige Chance gewesen, von Zuhause wegzukommen.

Ihre Mutter sei ebenfalls psychisch erkrankt. „Ich habe das alles abbekommen. Da musste ich vergleichen, mit wem ich mehr auskomme. Ich habe mich für Sergej entschieden. Ich wollte ihm ja auch helfen."

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Angst vor Selbstmord

Doch die Beziehung wird für die junge Frau zur inneren Zerreißprobe. Mit 17 Jahren hatte sie den fünf Jahre älteren W. kennengelernt. Drei Monate später kamen sie zusammen. Bereits kurz danach beichtet ihr Sergej, dass er sich bei einem früheren Drachenflug das Leben nehmen wollte.

Er habe sich absichtlich in Wind-Turbulenzen gesteuert, wollte den Tod als Unfall tarnen, da er sich vor der Familie schäme. Vor einer Familie, die ihn stetig unter Druck gesetzt habe. In der auch seine Mutter unter psychischen Zwängen leide.

Seitdem war der Selbstmord das Druckmittel der Beziehung. Drei Jahre ging das so. „Ich habe versucht Sergej zu lieben", sagt Rebecca R.

Heirat und Kinder

Sogar über Heirat und Kinder habe man gesprochen. "Ich konnte ja nicht zurück zu meiner Familie, und Geld genug für eine eigene Wohnung hatte ich auch nicht. Ich dachte, wahrscheinlich muss ich ihn jetzt heiraten. Ich habe keinen Ausweg mehr gesehen. Er hat gesagt, wenn ich Schluss mache, ist sein Leben nicht mehr lebenswert."

Flucht nach Australien

Nach drei Jahren hielt sie es dann doch nicht mehr aus. Rebecca R. flüchtet nach Australien, arbeitet dort in einer Bibelschule. Einen Tag nach ihrem Aufbruch beendet sie die Beziehung per Whatsapp. Blockiert Sergej auf allen Kanälen. „Ich wollte einfach ganz weit weg, damit ich, egal was passiert, nichts mehr mit kriege."

Erst nach Sergej Ws Tat holte sie die Vergangenheit wieder ein.

Rebecca R. lebt nun wieder in Freudenstadt. Macht dort eine Ausbildung. Nach ihrer zweieinhalbstündigen Vernehmung verlässt sie den Gerichtssaal. Ihren Ex-Freund schaut sie dabei nicht mehr an.

 
 

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