Bochum

Opfer (28) von Uni-Vergewaltiger erzählte ihrer Familie nichts von der Tat: „Sie würden es nicht verstehen“

Im Prozess um den Bochumer Uni-Vergewaltiger hat nun auch das zweite Opfer ausgesagt. Im Bild: Richter Volker Talarowski mit seinen Beisitzerinnen.
Im Prozess um den Bochumer Uni-Vergewaltiger hat nun auch das zweite Opfer ausgesagt. Im Bild: Richter Volker Talarowski mit seinen Beisitzerinnen.
Foto: Jürgen von Polier
  • Fünfter Verhandlungstag am Bochumer Landgericht: Zweites Opfer schildert Folgen der Tat
  • Alpträume und Angstzustände plagen das Opfer
  • „Kann mich nicht mehr frei in der Stadt bewegen“

Bochum. Der 16. November 2016 veränderte für die junge Studentin so ziemlich alles: Nach einer Viertelstunde soll die Tat vorbei gewesen sein, sagt sie vor Gericht. Fünfzehn Minuten, die für die 28-Jährige schreckliche Folgen haben.

Am fünften Prozesstag sagte nun auch das zweite Opfer des Uni-Vergewaltigers vor dem Landgericht in Bochum aus.

Beklemmendes „Engegefühl“

Sie habe sich während der Tat immer wieder gewehrt, doch der Täter ließ sie nicht los: Er nahm sie immer wieder in den Schwitzkasten. Der harte Würgegriff, in dem der Täter sie festhielt, verursachte bei der Studentin auch später noch ein „Engegefühl.“

Die chinesische Studentin versuchte während der Tat, mehrmals um Hilfe zu rufen. Doch der Täter hielt sie nicht nur wieder im Schwitzkasten, er hielt ihr auch den Mund zu. Auch, als sie die Geräusche eines Spaziergängers mit Hund in der Nähe des Waldstückes hörte, schaffte sie es nicht, sich bemerkbar zu machen.

Nierenschäden und Herzbeschwerden

Unmittelbar nach der Vergewaltigung wurde die Studentin zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht: Dabei konnten bis auf einige Schürfwunden am Arm keine größeren äußeren Verletzungen festgestellt werden.

Die junge Studentin bekam Medikamente, die vorsorglich eingenommen werden können, um etwa eine Infektion mit HIV zu verhindern. Jetzt, sechs Monate nach der Tat, konnte bei ihr keine HIV- oder Hepatitis- Infektion festgestellt werden. Doch die eingenommen Medikamente verursachten bei der Studentin Leber- und Nierenschäden.

„Durch die Medikamente habe ich auch Herzbeschwerden bekommen“, sagt das Opfer vor Gericht. Es würde ihr oft schwer fallen, ruhig zu sitzen.

Schlafstörungen und Angstzustände: „In der Stadt kann ich mich nicht mehr frei bewegen“

Richter Volker Talarowski fragt das Opfer nach weiteren Folgen der Tat. „In der Stadt und auf der Straße kann ich nicht mehr normal laufen, mich nicht mehr so frei bewegen. Ich laufe immer am Straßenrand. Ich habe Angst vor fremden Menschen und dass so etwas wieder passiert.“

Außerdem ergänzt die Studentin, dass sie seit der Tat auch Schlafstörungen habe. Auf weitere Folgen der Vergewaltigung angesprochen, bricht die 28-Jährige Studentin in Tränen aus. Es würde ihr nach wie vor schwer fallen, ein- und durchzuschlafen. „Ich habe schlimme Träume“, sagt sie.

„Ein Semester habe ich jetzt verloren“

Die Studentin erzählt weiter, dass sie nach der Vergewaltigung monatelang nicht zur Uni gehen konnte. Die Medikamente und ihr Gemütszustand hätten das unmöglich gemacht. „Erst Mitte Februar bin ich wieder zur Uni gegangen. Einige Mitstudenten haben mir sehr geholfen, mir Unterlagen gegeben, sodass ich das Semester vielleicht doch noch irgendwie schaffen könnte. Doch erstmal hab ich es verloren“.

Der Richter fragt die Studentin, ob die Vergewaltigung die Beziehung zu ihrem Freund beeinträchtigt habe. „Nein. Er ist sehr stark und hilft mir“, erklärt sie in ihrer Aussage. Ihre Familie wisse jedoch nichts von der Tat. „Sie können das nicht verstehen - was das bedeutet“, sagt sie unter Tränen.

Die 28-Jährige sagt dann, dass sie in China zwar den Führerschein gemacht habe und daher in Deutschland Auto fahren dürfe, doch jetzt dazu nicht mehr in der Lage sei. „Ich kann nicht mehr fahren, weil ich mich nicht mehr konzentrieren kann“.

„Ich habe es überlebt“

Die Studentin erzählt vor Gericht, außerdem von dem Freiburger Vergewaltigungsfall gewusst zu haben, denn sie lese jeden Tag Nachrichten. Dort wurde eine 19-Jährige Studentin im Oktober 2016 vergewaltigt und getötet.

Daran habe sie in dieser Zeit gedacht, sagt sie, während sie den Ablauf der Vergewaltigung schildert. Die Details möchte sie aber öffentlich im Gerichtsaal nicht erzählen. Trotzdem erzählt sie eindringlich, wie der Täter sie immer wieder zu Boden gerissen hat und ihr Schmerzen zufügte. Als sie während der Tat ein kleines Stück vom Himmel gesehen hat, dachte sie, dass sie das vielleicht nicht überlebt.

Doch dann ließ der Täter sie nach der Tat alleine im Waldstück zurück. Und in ihrem Kopf blitzt der Gedanke auf: „Ich habe es überlebt.“

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