Bochum

Uni-Vergewaltiger von Bochum: So erschütternd beschreibt die Studentin (21) ihr Leid und das Trauma danach

Die erste der beiden chinesischen Studentinnen hat am zweiten Prozesstag im Fall des Bochumer Uni-Vergewaltigers ausgesagt. Im Bild ist sie mit ihrer Anwältin Dörte Ganzer zu sehen.
Die erste der beiden chinesischen Studentinnen hat am zweiten Prozesstag im Fall des Bochumer Uni-Vergewaltigers ausgesagt. Im Bild ist sie mit ihrer Anwältin Dörte Ganzer zu sehen.
Foto: Jürgen von Polier
  • Am zweiten Prozesstag im Fall des Bochumer Uni-Vergewaltigers beschreibt das erste der beiden Opfer die Vergewaltigung
  • Sie brachte eine Freundin mit zum Prozess, die eine wichtige Rolle in der Geschichte gespielt hat

Bochum. Am zweiten Prozesstag im Fall des Bochumer Uni-Vergewaltigers hat die erste der beiden vergewaltigten Studentinnen als Zeugin ausgesagt. Die 21-Jährige ist extra aus Peking angereist.

Die zierliche junge Frau spricht recht gutes Deutsch. Der Grund: Vor ihrem einjährigen Aufenthalt in Bochum hatte sie bereits zwei Jahre Deutsch studiert. Kurz nach der traumatischen Tat Vergewaltigung flog sie nach China zurückgeflogen. Sie lebt in Peking und studiert dort weiter.

Sie hatte keine reelle Chance, sich zu wehren

Dennoch will sie auf Chinesisch aussagen. Dafür hat sie einen Dolmetscher an ihrer Seite. Sie wird von einer Freundin begleitet.

Richter Volker Talarowski nähert sich mit seinen Fragen langsam an den Tag des Verbrechens. Die 21-Jährige wohnte im Studentenwohnheim, hatte Freunde und Bekannte dort, sagt sie aus.

Am Tatort war eine Tüte mit Einkäufen gefunden worden. Deshalb fragt Talarowski, ob sie auch manchmal mit Kommilitonen einkaufen gegangen ist.

Begleiterin weint

In diesem Moment fängt die Begleiterin der Betroffenen an zu weinen. Sie verbirgt ihr Gesicht, wischt so unauffällig ihre Tränen weg, wie es eben nur geht.

An diesem Tag der Vergewaltigung waren die Studentinnen erst zusammen unterwegs. Sie wollten im Bochumer Uni-Center einkaufen. Auch der Freund der Kommilitonin war dabei, doch die Begleiterin und ihr Freund verließ die Studentin später.

Die Einkäufe werden am Tatort gefunden

Die 21-Jährige sagt aus, dass ihr auf dem Weg von Uni-Center zu der Querenburger Straße „Auf dem Kalwes“ nichts Ungewöhnliches aufgefallen sei. Damals hatte sie eine Tüte voller Einkäufe dabei. Actimel, Salat, Tomaten. Die Tüte wird später am Tatort gefunden.

Dann nähert sich die Befragung dem Moment der Vergewaltigung. Deshalb wird die Studentin gefragt, ob sie will, dass die Öffentlichkeit von den Details der Vergewaltigung ausgeschlossen wird.

Antrag auf nichtöffentliche Verhandlung

Vor dem Prozess hatte ihre Anwältin einen Antrag auf nichtöffentliche Verhandlung gestellt, weil Details der Vergewaltigung genannt werden, die tief in das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen eingreift. Trotzdem entscheidet sie sich, auszusagen.

Als sie auf der Straße „Auf dem Kalwes“ ankommt, muss sie auf einen kleinen Weg abbiegen. Dort fühlte sie sich irgendwie alleine, sagt sie.

Als sie sich umdreht, wird sie von hinten gepackt

Irgendwann merkt sie, dass sich hinter ihr jemand nähert. Sie will sich umdrehen, als sie das tut, wird sie in den Schwitzkasten genommen.

Sie wird in ein Waldstück gezerrt. Weil der Mann sie von hinten angreift, sieht sie sein Gesicht nicht gut. Irgendwann will sie sich nicht mehr ziehen lassen und setzt sich auf den Boden.

Während sie das alles beschreibt, redet sie nur sehr leise mit ihrem Dolmetscher. Stille im Saal.

Er sagt kein Wort

Anfangs dachte sie, dass der Mann Geld wollte. Sie sagt ihm, dass sie im Rucksack ein Portemonnaie habe. Er könne alles nehmen. Aber er sagt kein Wort, zerrt und schiebt sie weiter in das Waldstück.

Mit der rechten Hand nimmt er einen Strick, legt ihr eine Schlinge um den Hals - so beschreibt es die 21-Jährige. Sie will die Schlinge packen, damit sie nicht so fest um ihren Hals liegt. In diesem Moment zieht er noch fester zu.

Dann verliert sie ihre Brille

Er drückt sie auf den Boden, fasst sie an. Ihre Brille fällt auf den Boden. Sie ist kurzsichtig. Ohne ihre Brille kann sie den Mann nicht gut genug sehen, aber sie fühlt die Haare auf seinen Händen.

Richter Talarowski beobachtet den Angeklagten jetzt ganz genau. Der wiederum beobachtet nur sie.

Sie versucht Autofahrer anzuhalten - doch die fahren weiter

Dann schildert sie, wie der Mann sie vergewaltigt. Nach der brutalen Tat, die ihr Leben verändert, läuft sie in Richtung Licht, erreicht irgendwann eine Straße, versucht Autofahrer anzuhalten. Doch die fahren weiter.

Deshalb setzt sie sich an ein Haus und schickt ihrer Freundin eine Sprachnachricht.

Die anwesende Freundin ruft die Polizei, auch ein Krankenwagen kommt. Sie verbringt drei Tage im Krankenhaus, fliegt später nach China zurück. Dort hat sie Probleme, einzuschlafen oder allein mit dem Taxi zu fahren, wenn ein Mann das Auto fährt.

Eine der letzten Fragen an die Geschädigte lautet dann: Hat er irgendetwas zu ihr gesagt? Sie antwortet: Nein. Er habe nur den ausgestreckten Zeigefinger vor seinen Mund gehalten.

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