Herne

Marcel Heße: Kindermörder von Herne gibt verstörendes Interview – „Habe zweite Chance verdient“

Lebenslänglich! Ein Rückblick auf den Fall Heße

Lebenslänglich! Ein Rückblick auf den Fall Heße

Am Mittwoch wurde das Urteil im Prozess gegen Marcel Heße gesprochen. Der Doppelmörder wurde zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Wir blicken zurück auf den Fall, der das Ruhrgebiet in Atem gehalten hat.

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Herne. Marcel Heße: Der Name des heute 23-Jährigen steht noch immer für eines der grausamsten Verbrechen in Deutschland, mit dem es die Polizei in der jüngeren Vergangenheit zu tun hatte.

Im März 2017 hatte Marcel Heße den neunjährigen Jaden, den Sohn eines Nachbars in Herne, getötet. Später schlug er erneut zu. Dieses Mal bei Christopher W. (†22), einem Bekannten, bei dem der damals 19-Jährige Unterschlupf gesucht hatte.

2018 lautete das Urteil für die Morde Lebenslänglich mit vorbehaltlicher Sicherheitsverwahrung. Im Prozess sprach er damals nicht. Doch jetzt hat die „Bild“ zum ersten Mal ein Interview mit Marcel Heße im Gefängnis geführt.

Marcel Heße: Aufarbeitung der Morde in Herne? „Für wen soll ich das also machen?“

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Marcel Heße bezeichnet seine blutrünstigen Taten im Interview mit der Zeitung als „schon sehr bedauerlich“. Er könne sich selbst nicht verzeihen und frage sich, wie eine Aufarbeitung der Tat aussehen solle. Schließlich sei Christophers Mutter mittlerweile tot. „Für wen soll ich das also machen?“, fragt er, offenbar ohne einen Gedanken an die anderen Hinterbliebenen zu verschwenden.

Marcel Heße: Doppelmörder aus Herne beschwert sich über Haft

Stattdessen beschwert sich Marcel Heße über seine Haftbedingungen. Er habe kaum Chancen, sich zu resozialisieren und deshalb wenig Perspektiven. Therapie finde lediglich alle drei Wochen statt.

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Deshalb sitze er fast die ganze Zeit isoliert auf seiner Zelle, flüchte sich in die Welt der Bücher.

Wie wurde Marcel Heße zum Kindermörder?

Er distanziere sich von der Tat, hätte aus Verzweiflung gehandelt. Kurz vor dem Mord am 9-jährigen Jaden hatte Marcel Heße versucht sich selbst umzubringen.

Nach einem gescheiterten Suizidversuch klingelt der junge Mann am 6. März bei den Nachbarn. Der kleine Junge öffnet die Tür, lässt sich von Marcel Heße in den Keller locken. Dort sticht der skrupellose Mörder auf das wehrlose Kind ein, ermordet es mit 52 Stichen.

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Marcel Heße gibt Opfer eine Teilschuld

„Wenn man mir die Tür nicht geöffnet hätte, wäre es wahrscheinlich verflogen, vielleicht hätte ich dann nur ein Auto zertrümmert“, gibt Marcel Heße indirekt dem Opfer die Schuld.

Der Kindermörder hält seine verstörende Tat mit Fotos fest, verschickt ein Selfie mit Jadens Leiche an einen Bekannten. Statt sich bei der Polizei zu melden, lädt der Bekannte die Bilder zunächst auf der Plattform „4chan“ hoch. Den Grund dafür erfährst du hier >>> Erst auf Druck anderer Chatnutzer wendete sich der Bekannte an die Polizei.

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Am Abend findet die Familie Jadens Leiche im Keller. In der Zwischenzeit hat Marcel Heße Unterschlupf bei seinem Bekannten Christopher W. gefunden. Als der autistische junge Mann von der Fahndung nach dem Kindermörder erfährt, stellt er ihn zur Rede und bezahlt mit seinem Leben. Marcel Heße rammt dem 22-Jährigen 68 Mal ein Messer in den Körper.

Wieder tauchen Bilder des Tatorts bei „4chan“ auf. Dieses Mal ist es Heße selbst, der sie einstellt.

Marcel Heße findet: „Ich habe eine zweite Chance verdient“

Das Gericht sollte Marcel Heße im Prozess eine dissoziale Persönlichkeitsstörung bescheinigen, was der Doppelmörder im Interview bestreitet.

Für ihn offenbar auch der Grund für das Interview mit der „Bild“. Marcel Heße blickt in die Zukunft nach dem Ende seiner Haftstrafe, kämpft offenbar jetzt schon gegen eine mögliche Sicherheitsverwahrung. „Ich finde, ich habe eine zweite Chance verdient, auch wenn ich etwas sehr Grausames getan habe“, fordert er und weiter: „Das darf sich nicht wiederholen. Aber Rückfallquoten sind sehr gering, Mörder sind in Freiheit also die Ungefährlichsten.“

Eine sehr exklusive Meinung, angesichts seiner bestialischen Taten und einem maximal empathielosen Umgang damit.