Herne

„Für uns fast tödlich“: Darum muss Westfalia Herne jetzt um seine Existenz kämpfen

Stephan Falk
Das Stadion am Schloss Strünkede ist aktuell eine große Baustelle.
Das Stadion am Schloss Strünkede ist aktuell eine große Baustelle.
Foto: Joachim Haenisch/Funke Foto Services
  • Der neue Kunstrasen wird bei Westfalia Herne jetzt wohl erst im Mai fertig sein
  • Für den Verein könnte das schwerwiegende Folgen haben

Herne. Der Weiterbau des neuen Kunstrasenplatzes bei Westfalia Herne verzögert sich bis zum nächsten Jahr. Der Verein fürchtet um Sponsorengelder und Einnahmen.

Nach der ursprünglichen Planung sollte im November der neue Kunstrasen im Stadion am Schloss Strünkede, im „German Flavours Park“, liegen. Nach einer Baubesprechung am Mittwoch aber lud die Stadt Herne ein zur Pressekonferenz.

Kunstrasen liegt wohl erst im Mai

Wetterbedingt verzögern sich die Bauarbeiten, der Kunstrasen wird wohl erst im Mai liegen. „Für uns bedauerlich, für den Verein schwierig“, sagte Sportdezernent Johannes Chudziak. „Für uns fast tödlich“, ergänzte Jürgen Stieneke, Ehrenvorsitzender des SC Westfalia Herne.

Sascha Loch, der Vorsitzende der Westfalia, schließt sich an: „Diese Situation ist für uns existenzbedrohend.“

Denn der Großteil der Einnahmen aus einem ganzen Haushaltsjahr werde dem Verein fehlen. Zum einen, weil der Klub keine Gelder aus dem Catering im eigenen Stadion einnimmt. Zum anderen aber auch, weil Sponsorengelder ausbleiben. Es gebe Sponsoren, so Loch, die hätten dies für die laufende Saison auch schon angekündigt.

Lücke muss geschlossen werden

Die Westfalia hat zwar schon ihre Konzepte für die Werbung – aber eben im eigenen Stadion. Von bedrohter Existenz spricht Sascha Loch, „weil wir von Werbung und von Sponsoren leben, die natürlich auch nur da sind, wenn wir hier im Stadion spielen. Und auch des Namensgeber des Stadions hat nichts davon, wenn wir hier nicht spielen. Wenn wir erst in der nächsten Saison hier auflaufen, heißt das für uns auch, dass wir erst in der nächsten Saison Geld bekommen.“

Jürgen Stieneke erklärt: „Wir brauchen 400. 000 Euro in der Saison, um diesen Verein am Laufen zu halten. Ich sehe das hier mit Tränen in den Augen. Wir freuen uns, dass wir einen neuen Platz kriegen, keine Frage. Aber dass dieser Platz jetzt ein halbes Jahr still liegt, ist natürlich nicht positiv.“

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Ohne Einnahmen aus der Bandenwerbung, so Loch, werde der gesamte Spielbetrieb schwierig: „Ob wir das überstehen, wissen wir nicht. Wir müssen erst einmal anhand der Fakten überprüfen, ob wir den Spielbetrieb so aufrecht erhalten können. Wir hoffen, dass unsere Sponsoren Verständnis dafür haben und ihre Gelder nicht ganz abziehen.“ Der Verein habe monatliche Kosten und müsse nun sehen, wie sich die Lücke schließen lasse.

Die Probleme, so Chudziak, seien durch die „nassen“ Monate August und September entstanden. Nächster Schritt für das Spielfeld, so Architekt Alfred Ulenberg, wäre die Aufbringung einer 20 cm dicken Tragschicht. Aber wegen der Feuchtigkeit im Boden sei schon eine Beschickung der Fläche nicht möglich.

„Wir gehen jetzt in den Winter hinein, und damit ist abzusehen, dass es erst mal nicht weitergehen wird. Der Kunstrasen kann auch nur verlegt werden, wenn es absolut trocken ist.“ Die vom Wetter unabhängigen Bautätigkeiten sollen allerdings nicht ruhen auf dem Stadiongelände am Schloss.

Verein muss auch die Wintervorbereitung umplanen

Die Westfalia kostet die Verzögerung nicht nur Sponsorengelder und Einnahmen aus dem Catering, sondern der Verein muss auch für die Wintervorbereitung umplanen. So waren im umgebauten Stadion Freundschaftsspiele gegen attraktive Gegner geplant gewesen und Turniere.

Die Stadt Herne wolle den Verein logistisch unterstützen, etwa Lagerkapazitäten im Stadion Wanne-Süd schaffen, so Sportdezernent Chudziak, „und insbesondere, wenn es um städtische Gesellschaften geht, die als Sponsoren auftreten, werden wir das unterstützen.“

In dieser Saison wird die Westfalia auch die weiteren Heimspiele im Stadion Wanne-Süd/der Mondpalastarena austragen. In 2018 endet die Fußballsaison auch früher, wegen der WM im Sommer in Russland.