Bochum

Bochumer „Uni-Vergewaltiger“: Als die Sex-Taten vor Gericht beschrieben werden, wirkt Ziyad K. völlig entspannt

Ziyad K. mit Anwalt Egbert Schenkel und seinem Übersetzer.
Ziyad K. mit Anwalt Egbert Schenkel und seinem Übersetzer.
Foto: Jürgen von Polier
  • Der erste Verhandlungstag im Fall des Bochumer „Uni-Vergewaltigers“ ist vorbei
  • Der Angeklagte Ziyad K. wirkte bei der Verlesung der Taten völlig entspannt und machte von seinem Schweigerecht Gebrauch
  • Der Prozess begann mit einem Paukenschlag

Bochum. Am Donnerstag hat in Bochum die Gerichtsverhandlung gegen Ziyad K. begonnen. Der 32-jährige Iraker soll im vergangenen Jahr zwei chinesische Studentinnen auf extrem brutale Art und Weise missbraucht haben.

Als der Angeklagte den Gerichtssaal betritt, blitzt es im Raum und die Kameras rattern los. Der Prozess war mit Spannung erwartet worden, einige Medienvertreter sind gekommen, um über den Prozess zu berichten. Wie wird Ziyad K. auftreten? Wie die Vorwürfe aufnehmen?

Der Prozess beginnt mit einem Paukenschlag

Alles beginnt mit einem Paukenschlag. Über seinen Dolmetscher lässt K. mitteilen, er habe nicht gewusst, dass sein zweiter Verteidiger, der Bochumer Familienrechtler Piotr Ziental, Geld koste.

Er habe kein Geld, könne sich den Verteidiger daher nicht leisten. Ziental packt daraufhin seine Sachen, zieht seinen beigefarbenen Trenchcoat an, nickt in Richtung der Journalisten und sagt „Ciao“. Nun wird K. nur noch von seinem Pflichtverteidiger Egbert Schenkel vertreten.

Ab und zu kneift Ziyad K. die Augen zusammen

Der Angeklagte selbst sitzt angelehnt auf seinem Stuhl. Er wirkt entspannt, während er sich - übersetzt vom Dolmetscher - anhört, was ihm vorgeworfen wird. Er wird sich heute nicht äußern, sagt Anwalt Schenkel. K. macht Gebrauch von seinem Schweigerecht.

Hin und wieder kneift er die Augen zusammen. Nicht wie ein Spiegel negativer Emotionen - eher fokussierend. Ziyad K. hat schwarze Haare, markante Wangenknochen und einen spitzen Bart, der wie ein Pfeil von Unterlippe Richtung Kinn zeigt. Der Rest des Gesichts ist rasiert. Vielleicht gestern, vielleicht vorgestern. Er trägt ein altes blaues Sweatshirt, dazu Jeans.

Verunsicherung? Trauma? Reue?

Vor dem Prozess hieß es, der Angeklagte sei traumatisiert und verunsichert von seinem aktuellen Aufenthalt in der Bochumer JVA, wo er aufgrund der mutmaßlichen Tat und seiner irakischen Herkunft in der Hackordnung sehr weit unten stünde.

Von diesem Trauma ist am ersten Prozesstag zumindest nach außen hin nicht viel zu spüren. Verunsicherung? Eher distanziert und entspannt. Reue? Keine sichtbare Spur.

„Das Ermittlungsergebnis ist sehr belastend“

Für die Dauer des Prozesstages wird dieser Zustand unverändert bleiben. Selbst als Richter Volker Talarowski zu dem Schweigenden zwei Sätze sagt, die in der Lage gewesen wären, andere Angeklagte aus der Fassung zu bringen: „Das Ermittlungsergebnis, auch wenn Sie das vielleicht anders sehen mögen, ist sehr belastend. Wenn Sie vielleicht, auch aufgrund Ihres Bildungsgrades, mit den Begriffen DNA und DNA-Spuren nicht viel anzufangen vermögen, ist im Regelfall das Vorfinden solcher Spuren ein sehr, sehr eindeutiges Indiz.“

Auch hiernach wirkt Ziyad K. unbeteiligt. Häufig nickt er, während die Vergewaltigungen bis ins Detail beschrieben werden. Tut er das, um zu signalisieren, dass er verstanden hat, was sein Übersetzer ihm da gerade sagt? Und wenn ja - wie ist dann dieses Grinsen zu verstehen, das manchmal für einen winzigen Moment über seine Lippen huscht?

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