NRW: Kleinkind (1) aus Gelsenkirchen getötet – Pflegevater verurteilt

Foto: dpa

Plettenberg. Nach dem Tod eines einjährigen Kindes in Plettenberg (NRW) ist der Pflegevater am Mittwoch zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden. Im Januar starb das Pflegekind aus Gelsenkirchen an schweren Verletzungen in dessen Obhut. Dem Pflegevater wurde vorgeworfen, dem Jungen diese durch harte Schläge und langes Schütteln zugefügt zu haben.

Das Gericht verurteilte den Mann wegen Totschlags, erklärte ein Sprecher des Landgerichts Hagen: Der Vorsitzende Richter war davon überzeugt, dass der 30-Jährige mit einem Tötungsvorsatz gehandelt habe und folgte damit weitgehend dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Die hatte zwölf Jahre und sechs Monate Haft gefordert.

Am 2. Januar kam es zu der gewaltsamen Tat: Der Plettenberger hatte einen stressigen Arbeitstag. Zu Hause habe er sich noch um das Pflegekind kümmern müssen. Das Kind sei an dem Tag sehr unruhig, es schrie ohnehin sehr viel.

Mehr zum Fall: NRW: Kleinkind (1) stirbt qualvollen Tod – Pflegevater gibt Teilgeständnis ab

Zunächst hat er es – wie es vorher als Strategie mit professionellen Beratern ausgemacht wurde – alleine im Zimmer schreien lassen, in der Hoffnung, dass es sich von selbst beruhigt.

NRW: Pflegevater prügelt auf einjährigen Jungen ein

Dann verlor er die Nerven und ging in das Zimmer des Kindes. Dort versuchte er das Kleinkind gewaltsam zu Schweigen zu bringen. Er schüttelte es und schlug drauf los. Wie die Obduktion ergab, hatte er fünfmal auf das Kind eingeschlagen – unter anderem auf dem Mund und gegen den Kopf. Dafür verwendete er auch ein Staubsaugerrohr.

Die Gerichtsmediziner sind sich sicher: „Zwei Schläge und das lange Schütteln wären einzeln für sich schon tödlich gewesen“, sagte der Sprecher des Gerichts.

Die Kammer ist überzeugt, dass dies dem Pflegevater bewusst gewesen sein muss. Deshalb entschied sich das Gericht für eine Verurteilung wegen Totschlags.

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Pflegevater versucht Gewaltakt zu vertuschen

Die Verteidigung plädierte dagegen auf sieben Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Für den Vorsitzenden Richter sprach aber auch die versuchte Verdeckung nach der Tat für einen Totschlag.

Der 30-Jährige hatte die Pflegemutter davon überzeugen wollen, dass das Krampfen des Kindes ganz plötzlich eingetreten sei. Gemeinsam fuhr das Paar von Kinderarzt zu Kinderarzt, doch erst im Universitätsklinikum in Essen wurde die massive Gewalt gegen das Kind festgestellt.

Wie der WDR berichtet, hatte der Angeklagte sein Bedauern über den Tod des einjährigen Kindes beteuert. Die leiblichen Eltern aus Gelsenkirchen, die als Nebenkläger vor Ort waren, nahmen die Entschuldigung nicht an, weil sie unaufrichtig und unglaubwürdig sei.

 
 

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