Bottrop

NRW: Flüchtling aus Syrien hat nur ein Ziel – als sein Traum zerplatzt, macht er DAS

Ryiead Abdy (40) ist aus Syrien nach NRW geflohen.
Ryiead Abdy (40) ist aus Syrien nach NRW geflohen.
Foto: Alexander Keßel / DER WESTEN

Bottrop. Ein Job als Bauingenieur in einem Wasserwerk, eine glückliche Ehe und zwei Kinder. Bevor Ryiead Abdy (40) nach NRW gekommen ist, führte er ein glückliches Leben in Syrien.

Der Krieg hatte seiner Familie die Lebensgrundlage geraubt. „Es gab kein Wasser, kein Strom, keine Medikamente, nichts“, berichtet der Familienvater. Vor drei Jahren ließen er und seine Frau alles hinter sich. Das Ziel: Sicherheit. Gemeinsam mit den Kindern flüchteten sie nach Deutschland, landeten schließlich in Bottrop (NRW).

Ryiead Abdys Plan: Die Sprache lernen und so schnell wie möglich wieder in alten Beruf Fuß fassen. Doch daraus wurde nichts.

NRW: Flüchtling aus Syrien erhält Abfuhr beim Jobcenter

Die Mitarbeiter des Jobcenters in Bottrop erteilten dem Flüchtling eine Absage. Der Grund: Sein syrischer Hochschulabschluss wird in Deutschland nicht anerkannt.

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Der Traum, das alte Leben in der neuen Heimat weiterführen zu können, zerplatzte in diesem Moment. Doch es gab kaum Zeit zum Durchatmen. Seine Frau brachte das dritte gemeinsame Kind zur Welt.

Dann erzählte ihm ein Freund vor zwei Jahren von der Bottroper Tafel und öffnete ihm ein Freund eine neue Perspektive.

Ehrenamt statt Traumjob

Auch ohne besondere Sprachkenntnisse könne er hier arbeiten. Die ehrenamtliche Tätigkeit bringt ihm zwar kein Geld. Dafür kann er sich als Helfer nach der Schicht auch an den Lebensmitteln bedienen.

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Hier findet der Familienvater Anschluss unter Menschen mit ähnlicher Geschichte. „Seit 2015 sind sehr viele Flüchtlinge zu uns gekommen“, berichtet Dieter Kruse (78), der 1. Vorsitzende der Bottroper Tafel.

Nicht nur die Zahl der Kunden habe sich seitdem verdoppelt. Einige der Flüchtlinge packen mit an, stützen den Verein ehrenamtlich.

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Das ist die Bottroper Tafel

  • Gründung 2002 als Bottroper Tisch
  • Verteilt Lebensmittel an Bedürftige (keine fertigen Speisen)
  • Voraussetzung: Bezug von „Hartz 4“ oder Wohngeld
  • Versorgt 1.200 Kunden pro Woche
  • Dazu Pausenbrot-Aktion an Schulen (Weitere Infos hier >>>)
  • Finanziert über Spenden und kleinen Zuschuss der Stadt
  • Lebensmittel stammen von Bottroper Supermärkten

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Teilzeit-Maßnahme in der Tafel

Hier haben sie die Gelegenheit, sich zu vernetzen. Auch mit Menschen, die weit vorher nach Deutschland kamen. So wie Nada Khodr (49). Als Teenager ist sie 1986 vor dem Krieg im Libanon geflohen.

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In Deutschland hat sie sieben Kinder großgezogen. Ihre Rolle in der Großfamilie erlaubt ihr nur in Teilzeit zu arbeiten. Neben Jobs in Bäckereien, Cafés, Restaurants und im Altenheim arbeitet sie immer wieder auch als 1-Euro-Kraft in der Bottroper Tafel.

„Wir sind wie eine Familie“

Zu den helfenden Händen zählt auch Güley Ilhan. Die Mutter von vier Kindern kam 2002 aus der Türkei, nachdem ihr Mann sechs Jahre zuvor zum Arbeiten nach Deutschland kam.

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Von einer Nachbarin hat sie vor zweieinhalb Jahren von der Bottroper Tafel gehört. Seitdem arbeitet auch sie hier täglich vier Stunden als 1-Euro-Jobberin. „Wir sind hier wie eine Familie“, sagt sie.

Warten auf den Startschuss

Nach zwei Jahren ehrenamtlicher Arbeit ist auch Ryiead Abdy mittlerweile als 1-Euro-Kraft angestellt. Im April will er die B1-Deutschprüfung bestehen.

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Mit dem Zertifikat kann er sich endlich auf dem Arbeitsmarkt bewerben. Zwar nicht als Bauingenieur. „Aber ich habe einen Lkw-Führerschein“, sagt er. Als Lkw-Fahrer müsste er dann keine Leistungen mehr vom Amt beziehen.

Ein neues Ziel, das ihn antreibt - für eine glückliche Zukunft mit seiner Familie in der neuen Heimat Bottrop.

 
 

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