Hochwasser: Plünderer und Katastrophen-Tourismus – DIESE Vorfälle schockieren

Während die Hochwasser-Betroffenen die Verwüstung beseitigen, zücken andere ihr Handy. (Symbolbild)
Während die Hochwasser-Betroffenen die Verwüstung beseitigen, zücken andere ihr Handy. (Symbolbild)
Foto: Fabian Strauch/dpa; IMAGO / vmd-images (Montage: DER WESTEN)

Tausende Menschen haben in den vergangenen Tagen im Westen Deutschlands ihr Zuhause verloren. Das Hochwasser kostete bisher 160 Menschen das Leben.

Das Wasser fließt langsam aus den Häusern zurück. Was bleibt sind pure Zerstörung, Trauer und Leid. In NRW und Rheinland-Pfalz hat das Hochwasser Teile von vielen Städte und Regionen zerstört.

Während viele Helfer fleißig anpacken, zieht das Hochwasser aber auch den Katastrophen-Tourismus und Plünderer an. Selfies werden gemacht, Elektro-Geräte einfach mitgenommen. Die Polizei in Rheinland-Pfalz hat bereits eine Warnung an die Bürger rausgegeben. Diese Vorfälle schockieren.

Hochwasser: Schrottsammler in Hagen unterwegs

Zwischen Freitagnachmittag und Sonntagabend waren Schrottsammler in Hagen vor allem in den Stadtteilen Vorhalle, Eckesey und Dahl unterwegs. Sie sammelten Elektro-Teile ein, die vor Häusern standen, die vom Hochwasser betroffen sind. Dabei handelte es sich um Dinge für den Sperrmüll, aber auch um Gegenstände, die nur zum Trocknen rausgestellt worden.

Bei den Kontrollen durch die Polizei stellte sich heraus, dass einige der Schrotthändler gar keine Gewerbekarte haben. Da es sich bei der Mitnahme von Sperrmüll um einen Diebstahl handelt, leitete die Polizei Hagen mehrere Strafverfahren ein.

Hochwasser-Plünderungen in Eschweiler und Stolberg: Drei Männer in U-Haft

Auch in Eschweiler, in der Nähe von Aachen, schlugen Plünderer zu. Drei Verdächtige sitzen deswegen in U-Haft. Außerdem ging der Polizei ein 30-Jähriger ins Netz. Er hatte sich Freitagnacht großzügig in einer Apotheke bedient.

Ministerpräsident Armin Laschet sagte: „Es macht mich wütend, wenn ich höre, dass gerade jetzt Menschen in ihre verwüsteten Häuser zurückkehren und feststellen, dass Plünderer das wenige gestohlen haben, was ihnen noch geblieben ist.“

Am vergangenen Freitag kam es außerdem zu Plünderungen in Stolberg bei Aachen. Am Vormittag bediente sich ein 32-Jähriger an der Auslage eines stark beschädigten Juweliergeschäfts. Zeugen hatten ihn dabei beobachtet und die Polizei gerufen. Er konnte kurze Zeit später gestellt werden.

Am selben Tag drangen drei Personen in einen Stolberger Supermarkt ein. Zeugen riefen die Polizei. Zwei Frauen im Alter von 24 und 28 Jahren sowie ein 35-jähriger Mann wurden von der Polizei geschnappt. Die 28-Jährige wurde einem Richter vorgeführt.

Insgesamt fünf Strafverfahren wurden in Eschweiler und Stolberg eingeleitet. Die Polizei will in den betroffenen Gebieten stärkere Präsenz zeigen, um das Hab und Gut der vom Hochwasser betroffenen Menschen zu sichern.

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Hochwasser in Leichlingen: Klaffe und Kuchen während andere schuften

Sprachlos macht ein Vorfall in Leichlingen in NRW. Freiwillige Helferinnen berichten, dass eine Gruppe am Freitag vorbeikam. „Die haben sich Kaffee und Kuchen mitgebracht, haben sich vorne an die Brücke gesetzt und zugeschaut, wie die Leute hier arbeiten – da fehlen einem wirklich die Worte. Wir sind alle stinksauer“, sagten sie dem „Spiegel“.

Frank Röttger, Einsatzleiter Leichlinger Ordnungsamt, ist sauer: „Die Gaffer wollen sich das Elend anderer Leute anschauen.“

Diese Menschen stehen vor Absperrungen und machen Fotos. Wollen teilweise sogar durch. Sagen, dass sie einen Trödelmarkt besuchen wollen. Ein Ordnungsamt-Mitarbeiter habe sogar schon zur Seite springen müssen, weil ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zufuhr.

Hochwasser: Herd in Wuppertal geklaut, Gaffer in Solingen

Richtig dreist gingen Unbekannte in Wuppertal vor. Im Stadtteil Beyenburg klauten Diebe einen Herd des Landhauses Bilstein, der vor der Gaststätte stand. Defekt war er nicht. Doch das Landhaus ist ebenfalls von dem Hochwasser betroffen. Die Betreiberin stellte das Gerät einfach nur nach draußen, um es vor den Wassermassen zu retten.

Ebenfalls vom Hochwasser betroffen ist die Nachbarstadt Solingen. Im Bereich Unterburg wurden etliche Häuser geräumt. Laut Polizei gab es bisher noch keine Fälle von Plünderungen. Gelegentlich schauen die Beamten jedoch nach dem Rechten. Schaulustige wurden jedoch bereits von Helfern gesichtet.

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Diese Städte und Regionen sind vom Hochwasser betroffen:

  • Hagen
  • Mülheim
  • Euskirchen
  • Essen
  • Erftstadt
  • Oberhausen
  • Aachen
  • Rhein-Sieg-Kreis
  • Mettmann
  • Heinsberg
  • Düren
  • Solingen
  • Wuppertal
  • Düsseldorf
  • Köln
  • Leverkusen
  • Märkischer Kreis

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Hochwasser: Waschmaschinen in Mülheim geklaut

Laut „WAZ“ gäbe es in Essen und Mülheim bisher keine Plünderungen, die angezeigt wurden. Ein Anwohner sagt jedoch, dass über Nacht mehrere Waschmaschinen auf einer Straße in Mülheim-Mintard standen und mitgenommen worden. „Fremde haben sie einfach abgeholt. Sie nutzen die Not der Leute aus.“

Hochwasser: 13 Vorfälle in Altena

Am Wochenende musste die Polizei im Hochwasser-Gebiet Altena anrücken. Dort fuhr am Freitag ein Transporter durch die Nette. Der Fahrer nahm beschädigte Möbel auseinander. Er verschwand spurlos.

Ein weiterer Transporter fiel am Samstagvormittag auf. Fahrer und Beifahrer durchwühlten am Waschpark den Müll und sollten laut Zeugen Metallschrott eingeladen haben. Die Polizei Altena kontrollierte einen 47-Jährigen aus Dortmund. Er erhielt mehrere Anzeigen und einen Platzverweis. Auch ein Mann aus Bochum sammelte Elektroteile ein.

Einige Stunden später klauten zwei Männer aus Recklinghausen (20 und 34) eine Waschmaschine und weitere Elektrogeräte.

Richtig dreist war ein 20-Jähriger am Abend. Er ging in einen Keller, der nach dem Hochwasser nicht mehr abgeschlossen werden konnte. Mit einer Tüte voller gestohlener Elektrokleinteile ging er wieder raus. Eine Polizeistreife nahm ihm die Tüte ein paar Meter weiter wieder ab.

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Insgesamt 13 Mal musste die Polizei am Wochenende alleine in Altena wegen Diebstählen im Hochwasser-Gebiet ausrücken. Sie bittet die Anwohner sofort die 110 anzurufen, wenn sie etwas Verdächtiges beobachten.

Aber: Dies sind Einzelfälle. Die Hilfsbereitschaft in dem Hochwasser-Gebieten ist enorm. Viele Menschen packen an und spenden Kleidung, Möbel und Geld. Diese Woche sollen die ersten Gelder für die Betroffenen fließen. Du willst den Menschen, die vom Hochwasser betroffen sind, helfen? Hier erfährst du, wie das geht <<< (ldi)