Feuerwehr rückt immer öfter bei Rauchmelder-Fehlalarm aus

Rauchmelder sind in NRW Pflicht. Die Übergangsfrist endet am 31. Dezember 2016.
Rauchmelder sind in NRW Pflicht. Die Übergangsfrist endet am 31. Dezember 2016.
Foto: Archiv/dpa
Mit der Zahl der Rauchmelder steigt auch die der Fehlalarme. In Essen ist fast jeder achte Einsatz wegen der Pieper eine "Leerfahrt" für die Feuerwehr

NRW. Es piept wie wild. Laut und schrill. Muss von irgendwo oben kommen – aus dem Dachgeschoss drei Häuser weiter vielleicht? Wahrscheinlich ein Feuermelder. Egal. Irgendjemand wird schon was gegen das Piepen tun.

Passiert mit dem Feueralarm das Gleiche wie bei Auto-Alarmanlagen: Ignorieren, weil es so oft vorkommt? Fenster zu und durch? Nein, meint Christoph Schöneborn vom Verband der Feuerwehren (VdF) NRW. Allerdings mit Einschränkung: "Von so einer Abstumpfung sind wir noch Jahre entfernt."

Jedes achte Rauchmelder-Piepen ist ein Fehlalarm

Denn nicht immer brennt es, wenn der Alarm losgeht. Die Zahl der Fehlalarme sei eindeutig gestiegen, seit es in NRW eine Rauchmelderpflicht gibt, weiß Schöneborn. Spätestens im Januar 2017 werden es noch mehr: Dann endet die Übergangsfrist, in der Wohnungseigentümer Zeit zum Nachrüsten hatten.

  Brandeinsätze insg. Einsätze wegen privater Rauchmelder davon Fehlfunktion
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2016 (bis 18. Juli) -- 27 4

Eine Gesamtzahl über Einsätze wegen Rauchmelder-Fehlern gibt es nicht. Das wissen nur die Städte selbst. Das Beispiel Essen zeigt: So selten passiert das nicht. Fast jeder achte Einsatz wegen der kleinen Pieper ist für die Feuerwehr eine "Leerfahrt" – weil der Rauchmelder wegen leerer Batterie, Hitze oder technischen Defekts losgegangen ist. Gemeldet wird das meist von Nachbarn, die keinen Schlüssel zur Wohnung haben.

Anrufer muss nicht für Fehlalarm-Einsatz zahlen

"Eine gewisse Zahl an Fehlalarmen war von Anfang an einkalkuliert", sagt VdF-Sprecher Schöneborn. Das bringe die Feuerwehr aber nicht an die Grenze ihrer Einsatzfähigkeit. Lieber einmal zu viel raus als einmal zu wenig.

Auch die Kosten hielten sich in Grenzen, meint er: In der Regel koste ein Einsatz nicht mal 1000 Euro. Genau beziffern lasse sich das aber nicht, zumal die Kosten von mehreren Faktoren abhängen: Gibt es eine hauptamtliche Wehr, die ohnehin da ist, oder muss die Stadt zusätzlich Verdienstausfall oder Aufwandsentschädigung für Ehrenamtliche tragen? Rückt die Feuerwehr in kleiner Besetzung zu einem Bungalow aus oder in Großbesetzung zu einem Hochhaus, Altenheim, Schulkomplex?

Nachbarn sollten sich aber nicht scheuen, beim Piepen die Feuerwehr zu rufen – auch, wenn sie nicht sicher sind, ob es wirklich brennt. Der Melder muss den Einsatz nicht bezahlen. Auch dann nicht, wenn es ein Fehlalarm war. Allerdings: Wer aus Spaß den Notruf wählt, muss löhnen.

Rauchmelder haben geringen Anteil an sinkender Opferzahl

Seit 1980 ist die Zahl der Brandtoten in Deutschland kontinuierlich gesunken. Gründe dafür gebe es viele, erklärt Schöneborn: moderne Baumaterialien, Neubauvorschriften, Altbau-Sanierungen, schwer entflammbare Matratzen, weniger Raucher.

Rauchmelder haben nur einen kleinen Anteil daran. Also wozu der Aufwand? "Eine Restmenge an Brandtoten wird immer bleiben", meint auch Feuerwehrverbands-Sprecher Schöneborn. Dennoch schätzt er das Schutz-Potenzial hoch ein. Aber trotz der Rauchmelderpflicht werden sich viele Vermieter um die Kosten drücken, fürchtet er.

Billige Rauchmelder bringen mehr Fehlalarme

Viel kostet die Ausstattung aber nicht. Feuermelder mit zehn Jahren Batterieleistung gibt es ab 20 Euro. Für eine Dreizimmerwohnung (Melder in Flur/Schlaf-/Kinderzimmer) sind also 60 Euro fällig. Allerdings: Billige Rauchmelder funktionieren bei Feuer zwar zuverlässig, erklärt Schöneborn – aber sie sind oft sensibler als teure und schlagen mitunter schon beim Dusch-Dampf aus dem Badezimmer Alarm. Je billiger, desto mehr Fehlalarme.

 
 

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