Bottrop

Ende der Steinkohle-Ära: Ewigkeitsaufgaben belasten RAG-Stiftung – Sprecher nennt diese irre Summe

Warum der Bergbau die RAG für immer Millionen kosten wird

Das Ende der Steinkohle-Ära naht. Doch die Auswirkungen bleiben für immer. RAG-Sprecher Christof Beike erklärt die Ewigkeitsaufgaben der RAG.

Das Ende der Steinkohle-Ära naht. Doch die Auswirkungen bleiben für immer. RAG-Sprecher Christof Beike erklärt die Ewigkeitsaufgaben der RAG.

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  • Ende 2018 schließt die letzte Zeche im Ruhrgebiet
  • Doch damit ist das Kapitel der Steinkohle-Ära nicht ganz geschlossen - es bleiben die Ewigkeitsaufgaben
  • Im Video oben: Weshalb der Bergbau die RAG-Stiftung auf unbestimmte Zeit Millionen kosten wird

Bottrop. Ende 2018 ist das Ende der Steinkohle-Ära in Deutschland besiegelt. Danach noch ein bisschen aufräumen, Schächte schließen und leise „Auf Wiedersehen“ sagen? Von wegen!

Die Auswirkungen des jahrhundertelangen Bergbaus werden die zuständige RAG auf unbestimmte Zeit weiter beschäftigen. „Wir rechnen mit einer Summe von 220 Millionen Euro, um die Ewigkeitsaufgaben zu erfüllen“, sagt RAG-Sprecher Christof Beike. Damit meint er keine einmalige Investition. Es handelt sich um jährliche Kosten, die infolge des Bergbaus ab 2019 zu leisten sind.

Ewigkeitsaufgaben: Alles dreht sich um das Wasser

Das größte Problem ist das Grundwasser. Um das zu schützen übernimmt die RAG zukünftig drei wichtige Ewigkeitsaufgaben:

  1. Grubenwasserhaltung
  2. Poldermaßnahmen
  3. Grundwasserreinigung

Grubenwasserhaltung: Emscher wird entlastet

An derzeit zwölf Standorten im Ruhrgebiet wird Grubenwasser an die Oberfläche gepumpt, damit es nicht weiter ansteigt. Dadurch wird verhindert, dass umweltschädliches Grubenwasser ansteigt und sich mit dem Trinkwasser vermischt.

Jedes Jahr müssen 100 Millionen Kubikmeter Grubenwasser abgeführt werden. Das soll in Zukunft nicht mehr über die Emscher geschehen. Stattdessen soll das Grubenwasser demnächst in größere Flüsse abgeleitet werden. Ein Grundstein für die Renaturierung der Emscher.

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Auf Kohle geboren ist der Titel unseres Specials zum Ende der Steinkohle-Ära im Ruhrgebiet. Bis zur Schließung der letzten Zeche Ende Dezember berichten wir wöchentlich über alles rund um den Abschied der Bergleute aus dem Revier. Echte Typen, ganz viel Tradition und noch mehr Herz – hier findest du alle Glückauf-Themen in der Übersicht.

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Poldermaßnahmen: „Das ganze Ruhrgebiet ist eine gigantische Anomalie“

Die Grubenwasserhaltung ist nicht die einzige Ewigkeitsaufgabe. Durch den Bergbau ist das gesamte Ruhrgebiet „eine gigantische Anomalie“ geworden, wie Journalist und Kurator Christoph Schurian im begleitenden Buch zur Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle“ formuliert.

Denn infolge des Bergbaus haben sich ganze Regionen abgesenkt, nach RAG-Angaben in extremen Fällen bis zu 25 Meter. Dadurch liegen weite Teile der Metropolregion Ruhr unterhalb des Grundwasserhorizonts.

Damit sich das Oberflächenwasser nicht in Senken sammelt, muss es an etwa 600 Standorten im Ruhrgebiet abgepumpt werden. Würden pro Jahr nicht rund 900 Millionen Kubikmeter Grundwasser abgepumpt werden, würde sich das Ruhrgebiet zu einer gigantischen Seenplatte entwickeln.

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Grundwasserreinigung: Der Zweite Weltkrieg hinterlässt Spuren.

Außerdem ist das Grundwasser im Bereich einiger bergbaulicher Betriebe verunreinigt. „Das betrifft etwa ehemalige Kokerei-Gelände, die im Zweiten Weltkrieg zerbombt wurden“, sagt Christof Beike.

Das verschmutzte Grundwasser muss abgefangen und gereinigt werden, um eine Vermischung mit sauberem Wasser zu verhindern.

+++Auf Kohle geboren – alle Themen im Überblick+++

Die anfallenden Kosten der Ewigkeitsaufgaben übernimmt die RAG-Stiftung, Dazu zählen übrigens nicht Bergschäden, also Schäden an Gebäuden, Grundstücken oder Straßen, die auf bergbauliche Aktivitäten zurückzuführen sind. Betroffene müssen sich auch nach 2018 an die RAG AG wenden.

Beike: „Wir sind Weltmeister im Verdrängen“

Noch ist Zeit bis die letzte Zeche im Ruhrgebiet endgültig abgewickelt wird. Bis Ende des Jahres wird noch Steinkohle auf Prosper Haniel gefördert. Danach bleibt ein Jahr Zeit, umweltschädliche Stoffe an die Oberfläche zu bringen und die Schächte zu verfüllen.

Was das emotional bedeutet, möchten Christof Beike und seine Kollegen noch nicht an sich ranlassen: „Wir sind schließlich Weltmeister im Verdrängen“, winkt er ab. Immerhin ein Titel, den sich Deutschland 2018 sichern konnte.

 
 

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