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Ukraine-Krieg: Zerstörung des Staudamms – wem nützt es?

Seit 15 Monaten führt Putin Krieg gegen die Ukraine. Mit der Sprengung des Staudamms ist eine „neue Dimension“ erreicht. Wem nützt sie?

Seit 15 Monaten führt Putin Krieg gegen die Ukraine. Mit der Sprengung des Staudamms ist eine "neue Dimension" erreicht, so Olaf Scholz. Wem nützt sie?
© IMAGO/ITAR-TASS

Staudamm-Zerstörung: Russland und Ukraine werfen sich gegenseitig "Terrorakt" vor

Bei der Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen in New York haben Vertreter Russlands und der Ukraine die jeweils andere Seite beschuldigt, für die Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Süden der Ukraine verantwortlich zu sein.

Die Zerstörung des Staudamms in der Stadt Nowa Kachowka trifft die Menschen in der Südukraine hart. Tausende müssen vor den Fluten fliehen, ganze Dörfer sind überschwemmt, Menschen von sauberem Trinkwasser abgeschnitten.

In der Nacht zum Dienstag (6. Juni) wurde die Talsperre teilweise gesprengt – von wem ist bislang noch unklar. Die Ukraine und Russland geben sich gegenseitig die Schuld. Doch wem würde die Zerstörung nützen? Ein Überblick!

Ukraine: Wem nützt die Staudamm-Sprengung?

Sergey Radchenko, Historiker von der Johns Hopkins School of Advanced International Studies, betont dazu: „Nach der Logik des cui bono, wäre Russland der offensichtliche Schuldige“. Cui bono steht für „wem nützt es“. Weiter begründet er auf Twitter: „Durch die Überschwemmungen flussabwärts von Nowa Kachowka erschweren sie die Bemühungen der Ukraine, den Fluss zu überqueren, und Moskau gewinnt dadurch Zeit, sich auf andere Abschnitte der Front zu konzentrieren.“ Außerdem habe die Ukraine bereits im Oktober vergangenen Jahres davor gewarnt, dass Russland den Staudamm mit Minen versehen habe.

Durch die Wassermassen des Flusses Dnipro ist der ukrainische Vormarsch nun ausgebremst – eine Gegenoffensive ist nun erschwert, ebenso die Rückerorberung des Ostufers des Dnipro.

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Aber auch für Russland haben die Überflutungen Folgen. So steht die russische Verteidigungslinie unter Wasser und die Wasserversorgung der von Moskau annektierten Krim ist unterbrochen.

„Mehr Leid für die ukrainische Bevölkerung“

Russland bezeichnet die Ukraine als Schuldigen für die Damm-Zerstörung. Doch hätte das auch einen Nutzen? „Ich kann nichts erkennen, was in diesem Fall von Vorteil für die Ukraine wäre“, meint Stéphane Audrand. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, führte der Berater für internationale Risiken weiter aus: „Mehr zerstörte Infrastruktur, mehr zerstörte Elektrizitätswerke, mehr Leid für die ukrainische Zivilbevölkerung, eine Einschränkung der ukrainischen Offensiv- und Logistikoptionen.“

Wird die Überflutung also bewusst als Kriegsmittel eingesetzt? Russische Truppen besetzten den Staudamm von März bis November 2022. Seit Oktober warnen jedoch beide Seiten, dass die Wassermassen als Waffe eingesetzt werden könnten. Im Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte steht dazu:

„Anlagen oder Einrichtungen, die gefährliche Kräfte enthalten, nämlich Staudämme, Deiche und Kernkraftwerke, dürfen auch dann nicht angegriffen werden, wenn sie militärische Ziele darstellen, sofern ein solcher Angriff gefährliche Kräfte freisetzen und dadurch schwere Verluste unter der Zivilbevölkerung verursachen kann“

Genfer Konvention 1949: Artikel 56, Absatz 1

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Auch Historiker Radchenko zieht eine Parallele mit der Kriegs-Geschichte in Europa. Die Sprengung des Kachowka-Damms erinnert ihn an die Sprengung des Staudamms durch die Sowjetunion 1941 bei Saporischschja (Ukraine), um den deutschen Vormarsch zu stoppen. (mit AFP)