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Rente: Experten warnen vor Riester und Rürup – „Selbst Rendite von 0 Prozent kaum zu erwarten“

Demografischer Wandel bringt Rentensystem in Gefahr - so wird Deutschland immer älter

So bringt der demografische Wandel das Rentensystem in Gefahr.

Hast Du einen Riester– oder Rürup-Vertrag für die private Altersvorsorge? Das war möglicherweise ein großer Fehler – zumindest wenn man den Argumenten von Experten zur Rente folgt.

Volkswirt Dr. Gerhard Schick und Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein fordern eine grundlegende Reform von der neuen Ampel-Regierung. Die Koalition will aber erstmal alles gründlich „prüfen“.

Rente: Abgesang auf Riester und Rürup „Selbst Rendite von 0 Prozent kaum zu erwarten“

Bringt eine Riester- oder Rürup-Rente viel zu wenig, wenn man fürs Alter vorsorgen will? Davon sind die Vertreter der Verbraucherallianz „Stopp der Riester-Rente“ fest überzeugt.

Trotz Warnungen von Verbraucherschützern wie Schick und Kleinlein wurde aber allein 2021 wieder 310.000 neue Verträge abgeschlossen, so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr.

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Rente – mehr zur gesetzlichen Rentenversicherung:

  • wurde in Deutschland 1891 eingeführt.
  • Im Jahr 2020 gab es in Deutschland über 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner.
  • Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt aktuell bei 18,6 Prozent.
  • Dieser wird je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen.
  • Die Riester- und die Rürup-Rente sind dagegen zwei Formen der privaten Altersvorsorge mit staatlichen Förderungen.

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Aus Sicht von Axel Kleinlein, Vorstandssprecher beim „Bund der Versicherten“, ist das kein Argument für ein Comeback der Riester-Rente. „Sogar die Kapitallebensversicherung, ein uraltes Auslaufmodell aus dem letzten Jahrhundert verkauft sich seit Jahren besser als die Riester-Rente“, sagt er im Interview mit dem „Manager Magazin“.

Experte: Riester-Rente ist nicht mehr reformierbar

Das sieht auch Dr. Gerhard Schick, ehemaliger Grünen-Bundestagsabgeordneter und Mit-Initiator der „Bürgerbewegung Finanzwende“. Schließlich sei der Gesamtbestand aller Verträge sogar ein wenig zurückgegangen.

Aus Sicht von Schick ist die Riester-Rente nicht mehr reformierbar. Die Politik müsse endlich einen Schlussstrich darunter ziehen. Das ist auch seine klare Forderung an die neue Ampel-Bundesregierung.

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Axel Kleinlein bekräftigt im Gespräch mit dem „Manager Magazin“: „Die Fehler sind seit 10 Jahren ausgiebig analysiert und diskutiert: Zu hohe Kosten, ein überflüssiger Verrentungszwang und intransparente Verträge. Davon müssen wir weg.“

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Oft vorgebrachte Kritik an der Riester-Rente:

  • Hohe Abschluss- und Verwaltungskosten in der Ansparphase.
  • Für Laien zu komplizierte Verträge.
  • Nachgelagerte Besteuerung der Rente in der Auszahlungsphase.
  • Durch die Beitragsgarantie wird das Geld von den Anbietern risikoarm angelegt. Dadurch sind die Rendite-Chancen gering.

Für wen kann sich die Riester-Rente noch lohnen?

  • Alleinerziehende mit geringem Einkommen sowie Familien mit Kindern profitieren von vergleichsweise niedrigen Beiträgen und hohen Zulagen sowie Steuervorteilen.
  • Besserverdiener profitieren möglicherweise von Steuervorteilen.
  • Die Deutsche Rentenversicherung bietet einen Riester-Rechner an. Hier kannst du herauszufinden, ob sich ein Vertrag für dich lohnt.

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Rente: Staat soll Rahmen für private Altersvorsorge schaffen

Die beiden Renten-Experten fordern, dass die private Altersvorsorge stattdessen öffentlich organisiert werden muss, so dass die Interessen der Sparerinnen und Sparer im Mittelpunkt stehen. „Im Grunde geht es darum, für ein kostengünstiges, einfaches und effizientes Produktangebot zu sorgen“, so Schick. Für die bestehenden Riester-Verträge brauche es jedoch einen Bestandschutz, um kein Vertrauen zu zerstören.

„Der Staat soll einen Rahmen schaffen. So könnten wir die viel zu hohen Kosten in den Griff bekommen. Bisher fließen bei manchen Angeboten fast ein Viertel der eingezahlten Gelder in die Kosten“, ergänzt er.

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Gesetzliche Rente im Vergleich zu Riester sogar „Renditeturbo“?

Mathematiker Axel Kleinlein kommt sogar zu dem Ergebnis, dass die Rechnung gerade für jungen Sparern fatal ist: „Die jungen Leute von heute haben bei einer Riester- oder Rürup-Rente kaum eine Chance, in Form einer Rente das herauszubekommen, was in den Vertrag fließt. Da ist also selbst eine Rendite von 0 Prozent kaum zu erwarten“, so seine Warnung im „Manager Magazin“.

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Dagegen sei die gesetzliche Rente sogar ein „Renditeturbo“, selbst wenn für diese Generation nur noch geschätzt zwei Prozent Rendite herausspringen wird. (mag)