Kevin Kühnert: Warum die Diskussion um seine Vorschläge super ist

Kevin Kühnert hat viele offenbar provoziert.
Kevin Kühnert hat viele offenbar provoziert.
Foto: imago images / Uwe Steinert
  • Ein Kommentar.

Kevin Kühnert macht einfach nur seinen Job - und alle rasten aus. Er habe wohl „was geraucht“, hat man ihm unterstellt. Er habe sich verirrt, sei völlig wahnsinnig geworden.

In einem Interview mit der „Zeit“ hatte Kevin Kühnert mit der Idee gespielt, große Konzerne wie etwa BMW zu kollektivieren. Die Profite solcher Firmen sollten allen Mitarbeitern zugute kommen, findet Kühnert.

Kevin Kühnert muss kein Realo sein

Eine Idee, die man sozialistisch nennen kann. Und Kevin Kühnert ist nun mal Vorsitzender der Jungsozialisten. Er hat keine Führungsposition bei den Sozialdemokraten inne, er sitzt in keiner Groko, muss kein Realo sein und muss keine Kompromisse machen. Der Linie der SPD folgt er selten: Den Vorwurf, er sei Karrierist, muss er sich jedenfalls nicht gefallen lassen.

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Nun kann man über die gar nicht mal so neuen, aber durchaus provokanten Vorschläge von Kevin Kühnert streiten. Man muss sie nicht gut finden. Und das ist wunderbar so. Denn da ist nun ein Thema, an dem sich die Parteien reiben können, an dem die Parteien sich wieder voneinander abgrenzen können.

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Kevin Kühnert:

  • 1989 in Berlin (West) geboren
  • 2005 trat Kevin Kühnert in die SPD ein
  • 2012 bis 2015: Landesvorsitzender der Jusos Berlin
  • 2015 bis 2017: Stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos
  • Seit 2017 ist Kevin Kühnert Bundesvorsitzender der Jusos

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Volksparteien im neoliberalen Einheitsbrei

Jahrelang hingen die großen Volksparteien irgendwo im (neo)liberalen Mittelfeld fest, im Einheitsbrei. Allmählich erst zeichnet sich in den Parteien wieder etwas ab, das man Profil nennen könnte - Aussagen, wie die von Kühnert befeuern diesen Prozess.

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Manche nennen das, was dem Juso-Chef vorschwebt, eine alternative Idee, andere nennen es linke Spinnerei. Aber ob so oder so: Offenkundig hat Kühnert einen empfindlichen Nerv getroffen, ein überaus wichtiges Thema, über das jetzt endlich wieder intensiver gestritten werden kann.

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Die Lohnschere geht immer weiter auseinander, erst jüngst hat eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung gezeigt, wie groß die Unterschiede in den Regionen Deutschlands sind. Gerade das Ruhrgebiet hat Probleme, und nahezu der gesamte ostdeutsche ländliche Raum ist laut der Studie nahezu abgehängt.

Mieten steigen ins Unermessliche

In den Städten steigen derweil die Mieten ins Unermessliche, in Köln, Düsseldorf, München oder Hamburg wird es für Normalverdiener schwer bis unmöglich, eine Wohnung zu bezahlen. Über die Idee, den Immobilienmarkt zu regulieren und Profite von Megakonzernen unter demokratischer Kontrolle zu verteilen, kann man ja zumindest mal diskutieren. Denn im Idealfall hat ja jemand vielleicht eine bessere Idee. Einen besseren Lösungsvorschlag. Einen, für den es eine Mehrheit geben kann.

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Bislang war davon aber nichts zu hören. Stattdessen gab es persönliche Angriffe. Kühnerts Kritiker haben bislang keinen besonders guten Stil gezeigt.

 
 

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