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„Skandalös“, „Pfui!“: Israel-Interview mit Merkel-Berater im „heute journal“ entsetzt ZDF-Zuschauer

Deutliche Kritik an einem Israel-Interview im „heute journal“ (ZDF). Ein früherer Merkel-Berater bringt Zuschauer gegen sich auf.

© Screenshot ZDF Mediathek

Scholz in Israel: Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat bei seinem Besuch in Israel betont, dass Antisemitismus "in Deutschland keinen Platz" habe. "Jüdisches Leben in Deutschland ist ein Geschenk", sagte der Kanzler nach einem Gespräch mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in Tel Aviv.

Ein Interview im ZDF-„heute journal“ schlägt hohe Wellen. Der frühere Merkel-Berater Christoph Heusgen sprach am Dienstagabend (24. Oktober) über die Lage in Israel und dem Gazastreifen. Der Grünen-Politiker Volker Beck ist nach dem Interview fassungslos und teilt aus: „Pfui. Heusgen erweist sich als eingefleischter Feind Israels.“

Er ist nicht der einzige ZDF-Zuschauer, der empört auf die Aussagen des Diplomaten reagiert. So beispielsweise auch Thorsten Alsleben, der das Interview als „skandalös“ empfindet. Der Geschäftsführer der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ bezeichnet Heusgen gar als „Judengegner“.

Merkel-Berater gibt Israel Ratschläge im „heute journal“ (ZDF)

Heftige Vorwürfe gegen Heusgen, der ein ausgewiesener Experte in der internationalen Politik ist. Von 2005 bis 2017 war er außen- und sicherheitspolitischer Berater von Kanzlerin Angela Merkel. Danach bis 2021 Ständiger Vertreter Deutschlands bei der UN. Mittlerweile leitet er die Münchner Sicherheitskonferenz.

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Doch das Interview des 68-Jährigen im ZDF schlägt hohe Wellen. Der Hauptgrund: Heusgen rät Israel dringend von einer Bodenoffensive ab. Man könnte auch sagen, er hinterfragt das Selbstverteidigungsrecht des Staates gegen die Hamas. Zumindest insofern, dass die Terror-Strukturen der Hamas, wie das weit verzweigte Tunnelsystem, grundlegend zerstört werden. Und das trotz über 1.400 abgeschlachteter Zivilisten durch die Terroristen – was umgerechnet auf die Bevölkerungsgröße Deutschlands über 12.000 Tote wären!

Nicht „aus Zorn und Hass überreagieren“

Doch Heusgen findet, dass den Verhandlungen über eine Geiselbefreiuung „alles untergeordnet werden“ müsse. „Es muss zu einer diplomatischen Lösung kommen.“ Ein Einmarsch israelischer Truppen in den Gazastreifen würde einen Flächenbrand auslösen, warnt er. Israel solle nun nicht „aus Zorn und Hass überreagieren“ – das sei der Ratschlag, den die Netanjahu-Regierung auch von Joe Biden und Barack Obama in diesen Tagen erhalte.

„Hamas-Aktion“ nicht in einem Vakuum

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ist verwundert: „Aber wie kann Israel denn gesichtswahrend aus dieser Situation wieder herauskommen?“ Für Heusgen ist das kein Thema. Auch nicht, dass man sich erpressbar machen könnte durch die Hamas. Aus seiner Sicht geht es einzig darum, einen Flächenbrand zu verhindern – als würde sich Israel nicht schon längst in einer Ausnahmesituation befinden nach den Massakern und Entführungen am 7. Oktober.


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Als Antwort jetzt brauche es mehr denn je eine Zweistaatenlösung und eine Unterbindung des völkerrechtswidrigen Siedlungsbaus im Westjordanland, findet Heusgen. Sonst könne sich Israel eine Aussöhnung mit den arabischen Nachbarstaaten auf lange Zeit abschminken. Er gibt UN-Generalsekretär António Guterres Recht, dass die „Hamas-Aktion“, wie er sie nennt, „nicht in einem Vakuum“ stattgefunden habe. Sind die Israelis also selbst schuld?

ZDF-Zuschauer empört: „Opfer wird als Täter hingestellt“

Im sozialen Netzwerk X (früher Twitter) gibt es deutlichen Widerspruch. Einige Kommentare:

  • „Die Bodenoffensive muss und wird kommen. Keinen Zentimeter den Terroristen.“
  • „Da wird das Opfer als Täter hingestellt, das auf die Milde Europas hoffen soll, wieder an den Verhandlungstisch mit seinen Erzfeinden geführt zu werden.“
  • „Es ist erstaunlich, welche ‚Ursache-Wirkung-Beziehungen‘ im Zusammenhang mit dem Hamas-Terror gegen Israel sagbar sind. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.“
  • „Es ist eine tief verwurzelte antiisraelische Haltung in vielen Deutschen zu finden, die sich gerade mal zwei Wochen im Zaum halten ließ“