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Hartz 4: Frauen halten sich 16 Monate lang an Maßnahme – für nichts und wieder nichts!

Deutliche Erhöhung der Hartz-IV-Sätze geplant

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat eine deutliche Erhöhung der Hartz-IV-Sätze angekündigt. Der Ampelkoalitionspartner FDP kritisierte die Pläne.

Zwei Frauen aus Bremen haben Unfassbares erlebt. Sie wollten eine Weiterbildung machen, weil ihr bisheriger Job nicht mehr mit ihrem Familienalltag kompatibel war – und natürlich, um nicht abhängig von Hartz 4 zu werden.

Nach knapp anderthalb Jahren Umschulung ziehen sie jedoch ein ernüchterndes Fazit: Die Maßnahme war zwar umsonst, aber auch sinnlos.

Hartz 4: Bildungsmaßnahme für die Tonne! Statt besser wurde es nur schlimmer

Mit einem Bildungsgutschein vom Jobcenter wollten die zwei Mütter um die 40 eine Weiterbildung zur Sozialbegleiterin machen. Ihre bisherige Arbeit als Pflegekräfte sei mit ihren Kindern und dem Familienleben nicht mehr vereinbar gewesen, vor allem nicht die Arbeitszeiten. Stattdessen wollten sie lieber in einer Kita oder Schule arbeiten, zum Beispiel als persönliche Assistentin für Kinder mit Behinderung.

Da sie wegen ihrer Kinder allerdings nur halbtags zur Schulung gehen konnten, gestaltete sich die Suche nach einem Träger schwierig. Die mussten sie nämlich selbst übernehmen. Das Jobcenter und die Agentur für Arbeit müssen bei der Trägerwahl neutral bleiben.

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„In der Theorie sorgt der Markt für die nötige Transparenz und bringt den gut informierten Kunden mit dem für ihn besten Angebot zusammen“, erklärt Regine Geraedts von der Arbeitnehmerkammer Bremen. „Eigentlich wissen wir aber heute, dass das nicht wirklich funktioniert.“

Zufällig stieß eine von den Frauen auf die Dandelion Bildung GmbH. Viel Informationen über den Träger hatten sie nicht, doch die Beratung vor Ort überzeugte sie und im Oktober 2020 fing der Kurs an. 16 Monate später waren sie jedoch genauso schlau wie vorher.

Hartz 4: Träger lässt Kundinnen hängen – DAS ist der Grund

Das größte Problem war das Fehlen qualifizierter Lehrkräfte. „Teilweise hatten wir gar keinen professionellen Unterricht, weil eben keine Dozenten da waren“, beschwerte sich eine der beiden Frauen. „Irgendwann hatten wir eine Dozentin, die eigentlich gar keinen Bock hatte und dann irgendwelche Bastelarbeiten mit uns gemacht hat“, sagte die andere dazu.

Das sei in der gesamten Weiterbildungsbranche ein verbreitetes Problem, so Geraedts von der Arbeitnehmerkammer, und liege an dem harten Preiswettbewerb. Infolge werde an Personalkosten gespart. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn beträgt etwas mehr als 17 Euro pro Stunde – nicht viel für pädagogisch ausgebildetes Personal. Manche Anbieter zahlen dann sogar nur die reine Unterrichtszeit und so rutschen Arbeitnehmer teils sogar unter die Mindestlohngrenze. Das macht die Arbeit zusätzlich unattraktiv.

Hartz 4: Zertifikat bekommen – und jetzt?

Die beiden Geschädigten und andere Kursmitglieder schrieben einen Beschwerdebrief. Der wurde weiter zur Bundesagentur für Arbeit getragen, die den Fall untersuchte. Allerdings sind bislang noch keinerlei Konsequenzen bekannt. Die Agentur sowie die Prüfer pochen auf den Datenschutz. Die Dandelion Bildung GmbH hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

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Besonders ärgerlich ist es für die beiden Frauen, die mit ihrem Zertifikat „Sozialbegleiterin“ bei potenziellen Arbeitgebern auf taube Ohren stoßen. Die haben davon noch nie was gehört, da es keine staatlich anerkannte Ausbildung ist. Die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven nennt sie „eine niedrigschwellige ‚Einstiegsmaßnahme‘, die zunächst nicht unmittelbar in den Arbeitsmarkt mündet“, wie „Buten un Binnen“ berichtet.

Eine der beiden Frauen hatte jedoch Glück und arbeitet nun als persönliche Assistentin für einen Schüler mit Förderbedarf. Den Job hätte sie jedoch auch ohne das unnötige Zertifikat bekommen, so ihr Arbeitgeber. Einzig und allein ihre langjährige Berufserfahrung in der Pflege waren ausschlaggebend. Für die Frauen ist damit klar: Die letzten 16 Monate waren für die Katz. (mbo)