Greta Thunberg: Bild zeigt dramatische Entwicklung

Greta Thunberg: Ein Bild zeigt, was für eine dramatische Entwicklung die Klimaaktivistin  durchgemacht hat. (Archiv)
Greta Thunberg: Ein Bild zeigt, was für eine dramatische Entwicklung die Klimaaktivistin durchgemacht hat. (Archiv)
Foto: dpa

Wenn alles gut läuft, gleiten wir in 40 Jahren mit unseren solarbetriebenen Öko-Jetpacks über grüne Wälder. Läuft alles schlecht, vegetieren wir am Rande von Überschwemmungen und Megastürmen im Bunker.

Wie auch immer die Sache mit dem Klimawandel ausgeht, der Name Greta Thunberg wird uns wohl auch in 40 Jahren noch ein Begriff sein.

Und 2019 ist ganz sicher das Jahr von Greta Thunberg und „Fridays for Future“. Doch was hat die Klimaaktivistin eigentlich wirklich erreicht? Und warum polarisiert sie so sehr? Wie geht es mit der Bewegung weiter?

Ein Überblick:

Greta Thunberg: Foto zeigt dramatische Entwicklung

Eine Bildmontage, die Tausende Male bei Twitter geteilt wurde, zeigt sehr eindrucksvoll die Entwicklung, die Greta Thunberg mit ihrem „Schulstreit fürs Klima“ ausgelöst hat.

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Auf dem Bild ist auf der einen Seite Greta Thunberg zu sehen, ganz allein mit ihrem Streik-Schild in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Und rechts sieht man eine gewaltige Menge von „Fridays for Future“-Demonstranten in New York, die etwas mehr als ein Jahr nach Gretas einsamem Streik demonstrieren.

Aus dem einsamen Streik der hartnäckigen 16 Jahre alten Klimaaktivistin ist 2019 eine weltweite Bewegung geworden: „Fridays for Future“ hat Millionen Anhänger.

Greta Thunberg beim Klimagipfel: „How dare you?“

2019 hat Greta Thunberg mit einer bemerkenswerte Rede beim UN-Klimagipfel in New York für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt.

Spätestens jetzt war ihr Name auch außerhalb Europas präsent.

Mit einer Mischung aus Trauer und Wut warf sie den Regierenden dieser Welt Verrat vor. „How dare you?“ - wie könnt ihr es wagen? Dieser Satz hat in diesem Kontext Berühmtheitspotential.

Die 16-jährige Klimaschutzaktivistin sagte mit Tränen in den Augen: „Schämt euch. Menschen leiden. Sie leiden und sterben.“

Schon durch ihre Art der Anreise zum Klimagipfel hatte Greta Thunberg für viel Aufsehen gesorgt: Auf einem Schiff hatte die Schwedin den Atlantik überquert, die Reise dauerte gut zweieinhalb Wochen.

Die Klimabewegung polarisiert gewaltig

2019 ist auch das Jahr, in dem die Klimabewegung zunehmen polarisiert. Und Greta Thunberg ist für manche eine Heldenfigur - andere haben eine Abneigung bis hin zum Hass entwickelt.

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Die Facebook-Gruppe „Fridays for Hubraum“ sorgte in diesem Jahr für Aufsehen, weil sie innerhalb kürzester Zeit zigtausende Mitglieder hatte: Die Gruppe war nach Aussage der Gründer als Spaß gedacht, als Gegenbewegung zu „Fridays for Future“. Doch dann musste sie vorübergehend offline gehen - weil sogar Morddrohungen gegen Greta Thunberg gepostet wurden.

„Wir stellen fest, dass es eine immer breiter werdende Widerstandsbewegung gegen 'Fridays for Future' gibt. Das drückt sich in unterschiedlichen Weisen aus“, sagt der Medienpsychologe Tobias Rothmund.

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Das ist Greta Thunberg:

  • Geboren im Januar 2003 in Schweden
  • Die Klimaaktivistin lebt mit dem Asperger-Syndrom
  • Im August 2018 rief sie die Idee von Klimastreiks ins Leben - damals saß sie noch ganz allein mit einem Schild vor dem schwedischen Parlament in Stockholm
  • Greta Thunberg hat ihre Schulausbildung unterbrochen, um sich ganz dem Engagement als Klimaschützerin zu widmen. 2020 will sie wieder die Schule besuchen
  • Thunberg wurde der sogenannte Alternative Nobelpreis verliehen: Er ist eine Auszeichnung "für die Gestaltung einer besseren Welt"

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„Dahinter steckt Widerstand gegen Veränderungen“, erklärt der Psychologe. „Die 'Fridays-for-Future'-Bewegung erinnert uns daran, dass das, was wir für das Klima tun, nicht ausreicht und fordert schnellere, radikalere Veränderungen.“

Das mache vielen Angst - bei einigen Menschen schlägt sie offenbar in eine Wut um, die andere kaum nachvollziehen können.

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Zuletzt befeuerte ausgerechnet die Deutsche Bahn die Wut auf Greta Thunberg: Die Klimaaktivistin hatte ein Bild von sich in einem überfüllten deutschen Zug gepostet, mit dem Satz: „Endlich auf dem Weg nach Hause.“ Eigentlich eine Steilvorlage für die deutsche Bahn, die sich gern als nachhaltiges Verkehrsmittel präsentiert. Stattdessen reagierte das PR-Team der Bahn via Twitter merkwürdig zickig - dafür gab es Kritik.

Und dann ist da noch Dieter Nuhr: Der Kabarettist hatte mit Witzen über Greta Thunberg in diesem Jahr immer wieder für Aufsehen gesorgt - erst recht dann mit Aussagen abseits der Spaßbühne. In Interviews sagte Nuhr unter anderem, die Forderungen der Bewegung würden in einen dritten Weltkrieg münden und Millionen Tote fordern.

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Protest der Elite - und der Extremen?

Abseits von Polemik und Hasskommentaren gibt es auch differenziertere Kritik. Immer wieder merken Kritiker an, dass „Fridays for Future“ eine elitäre Bewegung sei: Ein großer Teil der Aktivisten ist weiß, kommt aus der Mittel- und Oberschicht. Der Migrantenanteil ist verschwindend gering und junge Klimaaktivisten aus eher strukturschwachen Familien sind selten - vor allem auch, was die prominenten Sprecher der Bewegung betrifft.

Zuletzt geriet die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer immer wieder in die Kritik. So distanzierte sie sich etwa in einem vielbeachteten Gespräch mit Markus Lanz trotz Nachfrage nicht von der radikaleren Klimabewegung „Extinction Rebellion“ - zeigte Verständnis für eine umstrittene Aktion der Aktivisten in Großbritannien. Das nahmen ihr manche übel.

Gerade die britische Ur-Gruppierung gilt mit ihrem Anspruch auf Absolutheit als arg radikal - ihr Mitgründer Roger Hallam hatte neulich gar den Holocaust verharmlost und als „bloß einen weiteren Scheiß in der Menschheitsgeschichte“ bezeichnet. Neubauer wiederum kritisierte Hallam dafür deutlich - so wie auch der deutsche Ableger von „Extinction Rebellion“.

Kritiker sagen auch, dass soziale Themen bei den Aktivisten zu sehr auf der Strecke bleiben, dass die Klimapolitik, die sie fordern, für finanziell Gutgestellte leistbar ist, für sozial Schwache aber zum Problem werden kann.

Und manche Kritiker äußern immer wieder die Sorge, dass radikalere Kräfte sich darum bemühen könnten, die „Fridays for Future“-Bewegung für sich zu vereinnahmen.

„Fridays for Future“: Millionen protestieren friedlich

Davon war 2019 zumindest auf den Straßen allerdings nichts zu spüren. Die „Fridays for Future“-Aktivisten protestierten ausnahmslos friedlich.

Der Höhepunkt war am 20. September 2019: Weltweit machten Millionen mit beim Klimastreik, allein in Berlin gingen 100.000 Menschen auf die Straße, ebenso in London. In fast 3000 Städten in 160 Ländern gab es Aktionen.

Greta Thunberg: Was hat sie überhaupt erreicht?

Auch die ärgsten Kritiker werden nicht bestreiten, dass Greta Thunberg mit ihrem Schulstreik die öffentliche Debatte über den Klimawandel international verändert hat.

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Vor wenigen Jahren noch war das Ganze ein Nischenthema. Jetzt hat jede Partei den Klimawandel auf der Agenda. Und in Deutschland ist der Druck so groß geworden, dass die Regierung in relativ kurzer Zeit ein eigenes Klimapaket geschnürt hat.

Vielen ist das Paket viel zu klein, manche werfen der Regierung Aktionismus vor. Doch immerhin spricht die Öffentlichkeit in einer ganz neuen Dimension über den Klimawandel. Daraus können Lösungen erwachsen.

 
 

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