Erdogan: Angelt er sich mit Putin-Deal den Friedensnobelpreis?

Putin zu Gipfeltreffen mit Erdogan und Raisi in Teheran

Putin zu Gipfeltreffen mit Erdogan und Raisi in Teheran

Es ist erst die zweite Auslandsreise von Wladimir Putin seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine: Russlands Präsident ist zu Gesprächen mit seinen Amtskollegen aus der Türkei und dem Iran in Teheran.

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Sein eigenes Land hat mit einer Inflation von rund 80 Prozent zu kämpfen, doch Recep Tayyip Erdogan gibt den Staatsmann von Welt.

Obwohl die Türkei zum NATO-Bündnis gehört, sieht sich Präsident Erdogan als Vermittler. Gelingt ihm der große Coup, nämlich ein weiterer großer Deal mit Kreml-Herrscher Putin?

Türkeis Präsident Erdogan plötzlich ein Staatsmann von Welt: Gelingt ihm der große Putin-Coup?

Schon mit dem jüngsten Getreideabkommen hat Erdogan sich ins Rampenlicht gebracht und international viel Respekt erarbeitet. Der in Istanbul unter Vermittlung der Türkei und der UN ausgehandelte Deal könnte eine größere Hungerkatastrophe auf der Welt verhindert haben.

Alle ukrainischen Getreidefrachter, die auf dem Schwarzen Meer ein- und ausreisen, werden in der türkischen Metropole Istanbul auf Waffen kontrolliert. Das ist eine enorme Aufwertung für das Land am Bosporus! An dieser Meerenge entscheidet sich nun die Getreide-Versorgung vieler Länder im Süden.

Putin in der Welt ziemlich isoliert – Erdogan sieht seine Chance

Nun bietet sich Erdogan erneut als Vermittler an. Am Freitag trifft er Kreml-Herrscher Wladimir Putin in Sotschi – zum zweiten Mal nach der russischen Invasion in der Ukraine im Februar. Zuletzt trafen die beiden Mitte Juli in Teheran aufeinander, dort ging es vor allem um die Lage in Syrien.

Erdogan ist damit für den weitgehend isolierten Präsidenten Putin ein wichtiger Kontaktmann zu den NATO-Staaten, obwohl die Türkei selbst auch Kampfdrohnen an die Ukraine lieferte. An Russland will man keine verkaufen. Dennoch steht Erdogan zwischen den Stühlen und kann nicht eindeutig dem westlichen Lager zugeordnet werden.

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Friedensnobelpreis für Erdogan? Die Forderung erscheint absurd

Ausgerechnet Erdogan, der selbst in Nordsyrien militärisch knallhart gegen kurdische Stellungen vorgehen will, kommt somit mehr und mehr in die Rolle eines möglichen Friedensstifters für die Ukraine. Nach dem geglückten Getreideabkommen will er sich nun an den ganz großen Coup wagen und die Chancen für einen Waffenstillstand ausloten.

Schon die ersten Friedensbemühungen zwischen Delegationen aus der Ukraine und Russland im Frühjahr, die ebenfalls auf Einladung Erdogans in der Türkei stattfanden, ließen den 68-Jährigen international gut dastehenen. Die niederländische Zeitung „Algemeen Dagblad“ brachte damals sogar einen Friedensnobelpreis für Erdogan ins Spiel. Auch seine Anhänger haben an der Idee Gefallen gefunden.

Ein Friedensnobelpreis für Möchtegern-Sultan Erdogan, der die Türkei zunehmend autoritär regiert und kurdische Gegner erbarmungslos bekämpft? Die Vorstellung erscheint aus westlicher Perspektive absurd, jedoch erhielten auch andere umstrittene Politiker wie der US-Außenpolitiker Henry Kissinger (1973) oder der Palästinenser-Führer Jassir Arafat (1991), der von Kritikern als Terrorist bezeichnet wird, bereits diese Auszeichnung.

Gelingt Erdogan nun ein echter Fortschritt und kann er Putin für einen Waffenstillstand oder gar Friedensvertrag mit der Ukraine an den Verhandlungstisch bringen, wäre das tatsächlich ein diplomatisches Meisterstück.

Nebenbei könnte das Erdogan auch in seinem wirtschaftlich schwer angeschlagenen Land neue Anerkennung verschaffen. Zumindest kann Erdogan mit seinen Bestrebungen ein wenig von der verheerenden Währungskrise daheim ablenken.