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Grüne: Proteste beim Parteitag aus eigenen Reihen – „Queer-Lobby sickert in Gesellschaft“

Am Bundesparteitag der Grünen in Bonn bildet sich eine lange Protestschlange. Am Ende steht ein Grünen-Mitglied, welches die eigne Partei kritisiert.

Bundesparteitag
© privat Eva Engelken

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Neben Atomkraftgegnern und Kohleausstiegsbefürwortern bildet sich am Ende der Protestschlange vor dem Bundesparteitag der Grünen ein Kreis aus Frauen. Eine davon ist Eva Engelken (51) aus Mönchengladbach, seit 2018 Mitglied bei den Grünen.

Während die Grünen im großen Plenarsaal des World Conference Center in Bonn tagen, steht das Grünen-Mitglied Engelken lediglich davor und demonstriert gegen die eigene Partei.

„Selbstbestimmung für alle“ fordern vor allem die Grünen. Engelken ist dagegen. Die Partei will das Transsexuellengesetz (TSG) von 1980 durch das neue Selbstbestimmungsgesetz ersetzen. Wie das von den Grünen geführte Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anstrebt, soll es „das Leben für trans- und intergeschlechtliche Menschen verbessern.“

Selbstbestimmungsgesetz: „Trans und Queer erobert das Ganze“

Im Rahmen des Bundesparteitages der Grünen in Bonn versammeln sich unterschiedliche Gruppen. Kurios: Manchmal scheint es so, als würde für gegenteilige Dinge gekämpft werden. Viele sind gegen Kohle oder Atomkraftwerke und stimmen für den Erhalt von Lützerath.

Neben „Atomkraft? Nein Danke“-Fahnen erspäht man auch immer wieder die Regenboggenflagge. Die findet neben der Fridays-for-Future- auch Platz auf der grünen Antifa-Flagge „Antihomophobe Aktion“.

Direkt daneben allerdings versammelt sich eine Gruppe von Frauen, die sich auf ihre Flagge schreiben: „Trans*innen? Nein, danke!“ Die Autorin des gleichnamigen Buches und Grünen-Mitglied Eva Engelken verleiht darin ihrer Kritik am geplanten Gesetz Ausdruck.

Auch kritisiert sie die Flagge von Fridays for Future, die sowohl die Regenbogen- als auch die Transgenderflagge enthält: „Trans und Queer erobert das Ganze. Das ist dafür bezeichnend, mit welchem Einfluss diese Queer-Lobby in die Gesellschaft einsickert.“

Kritik an Selbstbestimmungsgesetz

Mit der Annahme des Selbstbestimmungsgesetzes könne ein Mann nach Engelken „sich zur Frau definieren und ab sofort in die Frauensauna gehen, ein männlicher Straftäter könnte sich ins Frauengefängnis verlegen lassen, ein männlicher Sportler, dessen Karriere auf dem abklingenden Ast ist, kann sagen, er sei eine Frau.“

Das Familienministerium sagt dazu: „Über die Zulassung zu sportlichen Wettbewerben entscheiden die Sportverbände in eigener Zuständigkeit. Das ändert sich nicht durch das Selbstbestimmungsgesetz.“


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Selbstbestimmungsgesetz: „Frauen nicht kopierbar“

„Frauen sind einzigartig und bleiben es auch, Frauen sind nicht kopierbar“, mahnt Engelken. Einen weiblichen Körper könne man nachahmen, man könne eine Perücke aufsetzen, aber man würde dann nicht zu einer Frau.

Über die erste Bundestagsabgeordnete, Tessa Ganserer, die ihre Transidentität bekannt gemacht hat, sagt sie, dass sie immer noch ein Mann sei, der eine Perücke trägt. Ganserer selbst sagt über das Gesetz: „Frei leben zu können, heißt, dass nur jeder Mensch selbst für sich sagen kann, welchem Geschlecht er angehört.“


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Selbstbestimmung: „Frauen haben sich das Recht, Hosen zu tragen, erkämpft“

Engelken übt scharfe Kritik an ihrer eigenen Partei: „Das ist ein ganz fundamentaler Systemwechsel, diesen feststehenden, auf biologischen Fakten basierenden Begriff Geschlecht durch etwas Subjektives zu ersetzen wie einer Geschlechteridentität.“ Aber laut eines Urteils des Bundesverfassungsgericht aus dem Jahr 2006 hänge die Geschlechtszugehörigkeit neben den physischen Geschlechtsmerkmalen auch wesentlich mit dieser Geschlechtsidentität zusammen.

Wenn man den Begriff Frau oder die Geschlechterkategorie aufweiche, dann nehme man Frauen die Rechte für sich einzutreten, mahnt Engelken. Sie „haben sich das Recht erkämpft, Hosen zu tragen, Männer haben sich hingegen das Recht Lippenstift, Nagellack oder Röcke zu tragen, noch nicht erkämpft“, betont das Grünen-Mitglied.


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„In Hamburg und Berlin sind schon Männer in Frauengefängnisse verlegt worden, in Baden-Württemberg kommen die ersten Unisex-Toiletten und wenn du dann dagegen etwas sagst, kannst du gemeldet werden an eine Meldestelle für Antifeminismus“, empört sich Engelken.

Aber sie sei nach eigener Ansicht weder antifeministisch noch transfeindlich, sondern „antitransideologisch“, das empfinde sie nicht als vereinbar mit Demokratie und Meinungsfreiheit. „Mir geht’s nicht um das Verbreiten von Hass, sondern um Aufklärung“, betont sie.

Linus Bauer, Vorstandsmitglied der Grünen in Leipzig, sieht das in einem Tweet entschieden anders:

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Laut Bundesfamilienministerium und dem Justizministerium soll das Gesetz noch im 4. Quartal ins Kabinett gehen. Und auch Engelken muss zugeben: „Die SPD macht da so mit, die CDU tut als Opposition nicht das, was sie als Opposition tun sollte.“