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Atomkrieg: Was würde passieren, wenn Putin auf den Knopf drückt?

Atomkrieg: Was würde passieren, wenn Putin auf den Knopf drückt?

Wladimir Putin: Das ist Russlands Machthaber

Die Welt blickt auf Russland und die Ukraine. Der Krieg bestimmt seit Donnerstag alle Nachrichten. Während Putin sich bislang nicht vom Kriegskurs abbringen lässt, wächst hierzulande die Angst vor einem möglichen Atomkrieg.

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass Russland, als eines der neun Atommächte, Gebrauch von seinen zerstörerischsten Waffen macht und nach der Invasion in der Ukraine sogar einen Atomkrieg vom Zaun bricht?

Atomkrieg: Die meisten Nuklearwaffen haben die USA und Russland

Das schwedische Institut für Friedensforschung geht davon aus, dass weltweit rund 15.000 Atomwaffen existieren. Diese verteilen sich auf die neun Atommächte Pakistan, Indien, Frankreich, Großbritannien, China, Nordkorea, den USA und Russland. Die beiden letzteren Staaten sind in Besitz der größten Arsenale. Laut Schätzungen soll Russland rund 6.200 atomare Sprengköpfe haben.

Atomwaffen auch in der Bundesrepublik Deutschland – Luftwaffe der Bundeswehr würde eine Rolle spielen

Deutschland hingegen verpflichtete sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf den Besitz jeglicher Nuklearwaffen zu verzichten und ratifizierte 1975 den Atomwaffensperrvertrag. Jedoch lagern die US-Streitkräfte an mehreren Standorten ungefähr 100 Kernwaffen auf dem Gebiet der Bundesrepublik. Kampfflieger der Bundeswehr stehen als mögliche Trägerflugzeuge zur Verfügung.

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Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte am Montag, die Luftwaffe sei bereit, die Atomwaffen der USA im Krisenfall im Rahmen der so genannten nuklearen Teilhabe zu transportieren und notfalls auch abzufeuern.

Wie groß ist die Atomkrieg-Gefahr wirklich?
Wie groß ist die Atomkrieg-Gefahr wirklich?
Foto: picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/M. Gann | McPHOTO/M. Gann, picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Mikhail Klimentyev

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Wladimir Putin und Atomwaffen: „Bedrohliche Konsequenzen nie da gewesenen Ausmaßes“

Wladimir Putin drohte offen mit seinen Atomwaffen. So sagte er zunächst in seiner Kriegserklärung, dass es keine Zweifel daran geben solle, „dass jeder mögliche Angreifer eine Niederlage und bedrohliche Konsequenzen nie da gewesenen Ausmaßes erleben“ werde. In diesem Zusammenhang warnte er den Westen davor, sich im Ukraine-Krieg einzumischen.

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Am Sonntag dann versetzte er seine Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft. Das ist die zweite von vier Stufen. Dieses Vorgehen wurde mit den „aggressive Erklärungen“ der Atommächte erklärt.

Kann Wladimir Putin alleine den Einsatz von Atombomben befehlen?

Wladimir Putin kann aber nicht alleine das Kommando geben, Atomwaffen abzufeuern. Es gibt drei Koffer mit Nuklearcodes. Einen davon hat Putin, einen weiteren Verteidigungsminister Sergej Schoigu und den dritten Koffer hat der Chef des Generalstabes der Streitkräfte, Waleri Gerassimov. Um Nuklearwaffen einzusetzen, reichen zwei der drei Koffer.

Atomwaffen haben enorme Zerstörungskräfte

Atomwaffen können in kürzester Zeit größere Flächen zerstören. Bei einer Luftdetonation erfolgt die Explosion mehrere hundert Meter oberhalb des Bodens, es kommt innerhalb der Atombombe zu einer Kernspaltung. Durch die freigesetzte Energie entsteht eine enorme Druckwelle, auf die eine Hitzewelle von bis zu 1.000 Grad Celsius folgt. Häuser, Autos und Menschen in einem weiten Radius von mehreren Kilometern können dieser Kraft nicht standhalten.

Atombomben von Hiroshima und Nagasaki töteten Hunderttausende Menschen

Bei den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 sollen rund 100.000 Menschen sofort gestorben sein. An den Folgeschäden starben bis Ende 1945 weitere rund 130.000 Menschen. Die Strahlenbelastung blieb in den Städten lange Zeit deutlich erhöht.

Die heutigen Atombomben haben jedoch eine noch größere Vernichtungskraft. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde nie wieder eine Atombombe gegen einen Feind eingesetzt.

Atomkrieg: 1945 wurde die letzte Atombombe über Japan angeworfen. (Archivbild)
Atomkrieg: 1945 wurde die letzte Atombombe über Japan angeworfen. (Archivbild)
Foto: IMAGO / AGB Photo

Laut „Der Standard“ gehen Klimaforscher davon aus, dass ein Atomkrieg, also der Einsatz vieler Atomwaffen in einem Schlagabtausch, einen „nuklearen Winter“ hervorrufen würde.

Die Temperatur auf der gesamten Erde würde demzufolge um 15 bis 25 Grad Celsius abkühlen. Darüber hinaus würde eine permanente Dunkelheit herrschen. Riesige Aschewolken würden die Sonne verdunkeln. Auf den gefrorenen Böden könnte keine Nahrung mehr angebaut werden. Menschen und Tiere würden entweder erfrieren oder verhungern. Hinzu kommt die radioaktive Strahlung.

Atombomben-Angriff: Das kann man im Ernstfall tun

Bei einem Atomangriff sollen sich die Menschen nach Möglichkeit in Gebäuden verstecken. Je tiefer unter der Erde, desto besser. Empfohlen werden zum Beispiel Keller oder Bunker.

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Atomkrieg: Würde Putin wirklich so weit gehen?

Aber würde Wladimir Putin so weit gehen? Ein Einsatz der Massenvernichtungswaffen würde nämlich auch vor Russland nicht halt machen. Auch die Metropolen in Putins eigenem Land wie Moskau oder St. Petersburg könnten durch Atombomben zerstört werden.

Wahrscheinlicher erscheint, dass Putin sein atomares Drohpotenzial aktuell eher als eine Machtdemonstration und als letztes Druckmittel gegen die Nato nutzt. Der Hinweis auf die Atomwaffen solle den Westen im Ukraine-Krieg in klare Schranken weisen. Ein atomarer Angriff scheint weiterhin sehr unrealistisch.

(neb)