ZDF-Doku liefert erschütternde Details zur Mafia im Ruhrgebiet: Ein Aspekt macht Gänsehaut

Die Mafiamorde von 2007 in Duisburg haben ganz Deutschland tief erschüttert.
Die Mafiamorde von 2007 in Duisburg haben ganz Deutschland tief erschüttert.
Foto: dpa

Sie nannten ihn das Engelsgesicht: Giorgio Basile war der Pate von Mülheim. In Hinterzimmern von Pizzerien führte er seine dunklen Geschäfte, handelte mit Kokain im ganz großen Stil.

Was die ZDF-Doku „Die Paten von der Ruhr - Mafia-Paradies Deutschland“ erzählt, könnte sich Hollywood-Regisseur Francis Ford Coppola nicht besser ausgedacht haben. Nur ist Coppolas Mafia-Epos „Der Pate“ eben nur ein Kinofim. Die ZDF-Doku hingegen zeigt grausamste Realität.

Mafia im Ruhrgebiet: Der Pate von Mülheim

30 Menschen hat das Engelsgesicht Giorgio Basile umgebracht. Mindestens. Ein eingespieltes Polizeivideo zeigt ihn bei einer Befragung: Völlig ungerührt spricht er davon, Menschen eigenhändig umgebracht zu haben. Er wird später zum Kronzeugen, lebt inzwischen unter neuer Identität in Italien.

„Deutschlands Westen, das Ruhrgebiet, ein Eldorado für die italienische Mafia“, sagt die Stimme aus dem Off. In der Tat operiert die Mafia seit Jahrzehnten in NRW, vornehmlich an Rhein und Ruhr. Rund 600 Mafiosi sollen in Deutschland offiziell aktiv sein, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

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Meist agieren sie im Verborgenen, in einer Schattenwelt. Doch manchmal bricht sich Gewalt Bahn: So wie im August 2007. Sechs junge Italiener werden kaltblütig vor ihrem Restaurant „Da Bruno“ in Duisburg erschossen. Mit halbautomatischen Waffen metzeln zwei Männer sie nieder, mehr als 60 Schüsse fallen. Dann verpassen sie allen Opfern kaltblütig den finalen Kopfschuss - das Markenzeichen der Mafia. Ein Verbrechen, das die Bundesrepublik erschütterte.

„Das glich einer Hinrichtung“

„Das glich einer Hinrichtung“, sagt der ehemalige Kommissar Heinz Sprenger, den manche auch den „wahren Schimanski“ nennen, in der Doku. Er leitete damals die Mordkommission. Mit dem Mord geriet die Mafia, die zuvor im Verborgenen operiert hatte, in den Fokus der Ermittler.

Auch andere Zeitzeugen kommen zu Wort, die über Jahrzehnte die Machenschaften der Mafia im Ruhrgebiet beobachtet haben. Und nach und nach gelangt der Film zur Antwort auf die Frage: Wie konnte es dazu kommen, das die Mafia so stark im Westen von NRW wurde?

Seit dem Mittelalter operieren Mafiagruppierungen wie die 'Ndrangheta im wirtschaftlich seit jeher strukturschwachen Süden Italiens. Im 19. Jahrhundert boomt die Industrialisierung, das Ruhrgebiet ist ein Zentrum des Booms, zieht viele Einwanderer auch aus Italien an. Spätestens in den 1950ern kommen Hunderttausende, viele aus dem Süden, aus Sizilien oder Kalabrien.

Ungutes Gefühl beim Zuschauen

Sie bringen nicht nur mediterranes Lebensgefühl, Pizza und Eis ins Ruhrgebiet. „Bei diesem großen Strom von Zuwanderern waren natürlich auch einige darunter, die nicht nur bei Opel arbeiten, sondern auch nebenher ein Geschäft machen wollten“, sagt Historiker Karsten Rudolph von der Ruhr-Uni Bochum.

Im Ruhrgebiet fanden die Kriminellen genügend Landsleute, die sie einschüchtern konnten, die die Mafiastrukturen schon kannten. Und in Deutschland wird das Bargeld so sehr geschätzt wie in kaum einem anderen Industriestaat: Perfekt für Geldwäsche und Schwarzgeldgeschäfte.

Das ungute Gefühl, das einen beim Anschauen der Doku immer wieder beschleicht: Es ist nicht vorbei. Die Mafiamorde von Duisburg wurden zwar aufgeklärt, die Hintermänner verhaftet. Aber die Strukturen bleiben, die Mafia ist hier - bis heute. „Die Mafia lernt“, sagt die Stimme aus dem Off, „ein Riss im Netz ist schnell geflickt.“

Die ZDF-Doku ist noch bis zum 16. Dezember online abrufbar.

 
 

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